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So funktionieren Impfungen gegen Grippe, Masern - und bald auch Corona?

Wissenschaftler auf der ganzen Welt suchen mit Hochdruck nach einem Impfstoff gegen Corona. Doch wie schützen uns Impfungen eigentlich? Wir erklären es.
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Das Wichtigste zum Thema Impfen

  • Ziel einer Impfung ist es, deinen Körper gegen virale und bakterielle Infektionskrankheiten immun zu machen. Das kann auf verschiedene Weisen geschehen.

  • Bei der aktiven Immunisierung mit Tot- oder Lebendimpfstoffen wird das Immunsystem mit toten beziehungsweise abgeschwächten Erregern oder Erreger-Bruchstücken konfrontiert. Der Körper produziert daraufhin Antikörper.

  • Dies dauert 1 bis 2 Wochen, teils sind mehrere Impfungen nötig. Der Schutz bleibt meist über Jahre bis Jahrzehnte bestehen. Dann muss die Impfung aufgefrischt werden.

  • Bei der passiven Immunisierung bekommst du Antikörper direkt gespritzt. Diese Impfung bietet einen sofortigen Schutz.

  • Bei Corona setzt man unter anderem auf neuartige genbasierte Impfstoffe. Sie enthalten Gene des Corona-Virus und sollen den Körper dazu bringen, selbst ungefährliche Virusproteine herzustellen und dann gegen diese Antikörper zu bilden.

  • Chinesische Forscher haben weltweit erstmals mit einem möglichen Corona-Impfstoff eine Reaktion des Immunsystems bei Menschen hervorgerufen. Nun muss erforscht werden, ob diese Reaktion auch eine Infektion mit SARS-CoV2 verhindern könnte. Bis zur Entwicklung eines Impfstoffes für alle sei man derzeit dennoch weit entfernt, sagen die Forscher.

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Impfungen imitieren Infektionen

Du bist gegen krankmachende Viren und Bakterien meist immun, wenn dein Körper einmal damit in Kontakt kam. Denn er hat zur Abwehr Antikörper und Gedächtniszellen gebildet.

Gelangt der Erreger erneut in deinen Körper, wird die Antikörperproduktion wieder hochgefahren und die Eindringlinge vernichtet, denn deine Gedächtniszellen erkennen den Erreger und aktivieren dein Immunsystem.

Auf diesem Prinzip basieren Impfungen: Tote, abgeschwächte oder Bruchstücke des Krankheitserregers im Impfstoff regen deinen Körper an, Antikörper zu bilden. Das Material ist so gewählt, dass es dich jedoch nicht krank macht.

Die aktive Immunisierung in Bildern

Die wichtigsten Impfungen sind gegen ...

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    Diphtherie, Poliomyelitis (Kinderlähmung), Tetanus

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    Masern, Mumps, Röteln, Pertussis (Keuchhusten), Varizellen (Windpocken), Herpes zoster (Gürtelrose)

  • 🤒

    Influenza, Humane Papillomviren (HPV), FSME, Meningokokken, Pneumokokken, Rotavirus

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    Reiseimpfungen: Hepatitis A, Hepatitis B, Tollwut, Gelbfieber, Cholera, Japanische Enzephalitis

  • 🤒

    Welche Impfungen für wen empfohlen werden, erfährst du bei der ständigen Impfkomission (STIKO).

  • 🤒

    Einen Impfstoff gegen Corona (Covid-19) gibt es bisher nicht - aber es wird weltweit daran geforscht.

Gibt es Nebenwirkungen bei Impfungen?

  • Schwerwiegende Impfschäden sind sehr selten. Es gibt keinen seriösen Nachweis, dass Impfungen Autismus, Multiple Sklerose oder Diabetes verursachen.

  • Häufig treten nach Impfungen Schmerzen, Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle oder auch Fieber, Gliederschmerzen und Müdigkeit auf. Dies kommt daher, da sich das Immunsystem mit der Impfung - wie gewünscht - auseinandersetzt. Nach wenigen Tagen verschwinden die Beschwerden.

  • Bei Lebendimpfstoffen mit geschwächten Erregern - dies sind nur sehr wenige Impfstoffe - kommt es manchmal zu krankheitsähnlichen Symptomen. Bei einer echten Infektion wären die Folgen jedoch deutlich schlimmer.

  • Tatsächlich enthalten einige Impfstoffe giftige Substanzen wie Formaldehyd (es tötet Krankheitserreger ab), Aluminiumhydroxid (es verstärkt die Immunantwort), Quecksilber und Phenol (sie machen den Impfstoff haltbarer). Die Konzentration liegt aber unterhalb des schädlichen Grenzwertes. Viele Hersteller haben dennoch auf die Ängste der Leute reagiert und verzichten heute auf Quecksilber.

  • Zu hundert Prozent schützen Impfungen nie - aber meist sehr gut. Vor allem Grippeviren machen es den Impfstoffherstellern schwer, da sie sich schnell verändern. Mehr dazu findest du am Ende der Seite.

Schutz für alle: Herdenimmunität

Wer sich impfen lässt, schützt nicht nur sich selbst vor einer Krankheit, sondern hilft auch die Ausbreitung des Erregers einzudämmen. Man spricht von Herdenimmunität oder Herdenschutz.

Diphtherie und Kinderlähmung wurden so im letzten Jahrhundert in Deutschland erfolgreich eingedämmt. Dennoch muss man weiter dagegen impfen, weil es den Erreger ja weiter gibt und die Krankheit beispielsweise aus dem Ausland nach Deutschland gebracht werden könnte.

Wer sich impfen lässt, schützt auch die Gemeinschaft. Besonders profitieren Babys, die noch nicht alle Impfungen bekommen können und geschwächte Menschen, die aufgrund anderer Erkrankungen, einem schwachen Immunsystem, einer Allergie gegen den Impfstoff oder Schwangerschaft nicht geimpft werden können.

© Galileo

Impflicht gegen Masern

Seit März 2020 besteht eine Masern-Impfpflicht für Kinder, die nicht immun sind und in Kitas, Kindergärten oder die Schule gehen und Menschen, die in Gemeinschafts- und Gesundheitseinrichtungen arbeiten.

Zudem sollten sich auch Erwachsene, die nach 1970 geboren sind und in der Kindheit keine oder nur eine Impfung gegen Masern bekommen haben, gegen Masern impfen lassen, schreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA).

Der Hintergrund: Es ist Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Verbreitung von Masern und Röteln weltweit zu verhindern. Dies ist nur möglich, wenn möglichst viele dagegen geimpft sind.

In Deutschland ist dies nicht der Fall, immer wieder kam es zu regionalen Ausbrüchen. Ein Grund: Einige Eltern lassen ihr Kinder nicht impfen - meist aus Angst vor Nebenwirkungen.

Wieso man sich jedes Jahr gegen Grippe impfen muss

  • 💉

    Grippeviren sind wahre Verwandlungskünstler. Innerhalb kurzer Zeit verändern sie sich so stark, dass der Grippeimpfstoff der letzten Saison nicht mehr schützt - ebenso wie die eigenen Antikörper.

  • 📆

    Daher kannst du öfter an Grippe erkranken und der Impfstoff muss jede Grippesaison angepasst werden.

  • 📅

    Die massenhafte Produktion des neuen Impfstoffes dauert Monate. Deshalb wird früh festgelegt, wie der nächste Impfstoff aussehen soll. Es kann passieren, dass sich die Viren in dieser Zeit nochmals verändern und der Wirkstoff nicht so gut wirkt.

  • 🍂

    Die Grippeimpfung sollte am besten von Oktober bis November erfolgen. Aber auch noch kurz vor der Saison (Januar bis März) ist sie sinnvoll, da sie den Verlauf abschwächen kann.

  • 👴

    Die WHO empfiehlt geschwächten Personen eine jährliche Grippeimpfung, also Menschen über 60 Jahren, Schwangeren, Patienten mit chronischen Erkrankungen und Krebs sowie medizinischem Personal.

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"Ein Impfstoff gegen das neuartige Corona-Virus ist gefunden." Leider ist diese Meldung bislang noch eine Zukunftsvision. Warum dauert das so lang?

Veröffentlicht: 20.07.2020 / Autor: Larissa Melville