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Spanische Grippe

Spanische Grippe: Wie ein Virus eine Pandemie mit Millionen von Toten auslöste

Die Spanische Grippe beherrschte von 1918 bis 1920 die Welt. Die Influenza-Pandemie war für Millionen das Todes-Urteil. Welche Symptome typisch waren und wie das Influenza-Virus eine so verheerende Pandemie auslösen konnte, erfährst du hier.
Spanische Grippe: Wie ein Virus eine Pandemie mit Millionen von Toten auslöste
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Die wichtigsten Fakten zur Spanischen Grippe

  • Die Spanische Grippe war eine weltweite Pandemie, die sich zwischen 1918 und 1920 gegen Ende des Ersten Weltkriegs verbreitete.

  • Rund 500 Millionen Menschen erkrankten - davon starben Schätzungen zufolge zwischen 20 und 100 Millionen. Häufig liest man die Angabe von 50 Millionen Toten - das sind mehr Opfer als die 17 Millionen Toten im gesamten Ersten Weltkrieg. Im Deutschen Reich fielen etwa 430.000 Bürger:innen der Seuche zum Opfer.

  • Die "Spanische Grippe" hat ihren Ursprung nicht in Spanien, sondern stammt aus den USA. Ihr Name ist allein der Tatsache geschuldet, dass die erste Meldung über die Seuche damals aus Madrid stammte.

  • Der Erreger war ein Influenza-Virus vom Subtyp A/H1N1. Die Symptome waren in erster Linie typische Grippe-Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen.

  • Im Schnitt dauerte die Spanische Grippe 3 Tage, wenn sie problemlos verlief. Bei schweren Verläufen erlagen die Patient:innen meist einer bakteriellen Lungenentzündung und waren nach wenigen Tagen tot.

Die spanische Grippe kommt nicht aus Spanien

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    Entgegen der gängigen Annahme brach die "Spanische Grippe" 1918 nicht erstmals in Spanien aus. Die Spanier:innen waren nur die ersten, die in den Nachrichten über das Ausmaß der Pandemie berichteten. Der Grund: Der damalige spanische König Alfons VIII. war an der Seuche erkrankt, starb jedoch nicht daran.

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    Zudem hatte Spanien als neutrales Land während des Kriegs relativ milde Zensur-Bestimmungen. Man konnte also ehrlich über das große Ausmaß der neuen Grippe berichten. Die am Krieg beteiligten Länder wollten dagegen verhindern, dass bei den Soldaten Angst vor einer Seuche aufkam.

Der Ursprung der spanischen Grippe: Amerika

Vermutungen zufolge hatte die Influenza-Pandemie im Frühjahr 1918 ihren Ursprung in Kansas im mittleren Westen der USA. Der Arzt von Haskell County Loring Miner behandelte zahlreiche Patient:innen, bei denen heftige Grippesymptome auftraten und deren Krankheitsverlauf rasend schnell verlief und gelegentlich tödlich endete.

Mitte Februar berichtete das Lokalblatt von ansteckenden Lungenentzündungen und dass fast jede:r an der Grippe erkrankt ist. Aufgrund dieser beunruhigenden Entwicklung bat Miner beim United States Public Health Service (PHS) um Unterstützung. Er erhielt jedoch keine Antwort.
Ein möglicher Ansteckungsverlauf konnte durch einen im April 1918 veröffentlichten Bericht in den Public Health Reports des PHS über 18 Influenzafällen schweren Typs mit 3 Todesfällen nachgebildet werden.

Ende Februar wurden 3 Personen aus Haskell County in das US-Army-Ausbildungslager Camp Funston eingezogen, woraufhin 3 Wochen später 1.100 Schwerkranke und 38 Todesfälle bekannt wurden. Die Grippe konnte sich innerhalb der Militärbasis schnell ausbreiten und auch die Bezeichnungen der Soldaten für das Virus lässt die Schwere der Krankheit erahnen: three-day fever oder knock-me-down fever.

Im März 1918 wurde der Küchenunteroffizier Albert Gitchell offiziell als Patient 0 der Spanischen Grippe registriert. Seine Symptome ähnelten der einer gewöhnlichen Grippe: Halsschmerzen, Fieber und Kopfschmerzen. Innerhalb weniger Stunden füllten weitere Soldaten mit identischen Krankheitsanzeichen das Notlazarett.
Gitchell war jedoch nicht der erste Patient, der sich mit dem Virus infiziert hatte. Die Erkrankung trat zum Zeitpunkt seiner Registrierung bereits in New York auf. Zudem wurde in der Armee im Dezember 1917 eine erhöhte Sterberate aufgrund von Atemwegserkrankungen gemeldet.

Die drei Wellen der Spanischen Grippe

Binnen weniger Monate verbreitete sich das Virus auf der ganzen Welt. Über US-Schiffstruppen-Transporte nach Frankreich erreichte die Seuche Europa.

Die erste Welle der Spanischen Grippe

Der Erste Weltkrieg beschleunigte die weltweite Ausbreitung der Spanischen Grippe: Vom Zeitpunkt des Ausbruchs in Kansas bis August 1918 sind mehr als eine Million amerikanische Soldaten in Europa eingetroffen.

Anfang April 1918 wurde in einer französischen Hafenstadt Grippeerkrankungen bekannt, die sich nicht nur bei den Soldaten, sondern auch in der Bevölkerung ausbreiteten. Ende April erreicht die Grippe auch Paris und im Mai konnte die britische Marine aufgrund von über 10.000 Fällen nicht mehr auslaufen.

Aufgrund der britischen Seeblockade, des Sperrriegels der Westfront und der eingeschränkten Mobilität zwischen Deutschland und Frankreich wurde die Verbreitung nach Deutschland verlangsamt. Erste Berichte zu dem Virus im deutschsprachigen Raum wurden im Mai 1918 veröffentlicht. Die Verbreitung erfolgte hierbei möglicherweise über neutrale Staaten wie die Schweiz.

Weitere internationale Meldungen zu der Krankheit kamen im Juni aus Indien, China, Neuseeland und den Philippinen. Die Grippewelle erreichte die nördlichen Länder Dänemark und Norwegen im Juli und im darauffolgenden Monat waren die Niederlande und Schweden betroffen. Im australischen Sydney erkrankten im September 30 % der Bevölkerung.

 

Die zweite Welle der Spanischen Grippe

Die zweite Welle im Herbst 1918 verlief deutlich heftiger als die erste, da sich das Virus in der Zwischenzeit schon an den menschlichen Körper angepasst hatte. Nicht nur in Europa und den USA, auch in Asien, Indien, Afrika, Südamerika und selbst auf den pazifischen Inseln gab es zig Millionen Infizierte und Tote.

 

Die dritte Welle der Spanischen Grippe

Die dritte Welle im Frühjahr 1919 ging von Großbritannien aus und war etwas abgeschwächter. Vermutlich auch, weil viele Überlebende inzwischen gegen das Virus oder auch gegen die Variante des Virus immun waren. Auch wenn die dritte Welle nicht mehr so tödlich wie die zweite war, starben überwiegend jüngere Menschen an der Krankheit.

Das Ende der Spanischen Grippe

Die Spanische Grippe wandte sich von einer tödlichen zu einer saisonalen Influenza im Verlauf der 20er-Jahre. In Deutschland hatte die Grippewelle im Winter 1932/33 ein so geringes Ausmaß, dass kein Bezug mehr zur Pandemie ersichtlich war.

Spanische Grippe: Verlauf und Symptome

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    Übertragen wurden die Grippe-Viren in erster Linie durch eine Tröpfchen- oder Kontakt-Infektion.

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    Typisch für die Spanische Grippe waren zunächst klassische Grippe-Symptome: plötzlich auftretendes, starkes Krankheitsgefühl, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, Antriebsschwäche, Husten, Schüttelfrost, hohes Fieber.

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    Oft verfärbte sich die Haut aufgrund einer Unterversorgung mit Sauerstoff dunkelblau bis bräunlich-violett.

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    Meist dauerte die Erkrankung 3 Tage an, selten über 5. Viele Überlebende litten an neurologischen Spätfolgen. Genaue Daten zur Letalität, also der Tödlichkeit der Krankheit, gibt es nicht. Einige Forscher:innen gehen von einer Tödlichkeit von mehr als 2,5 Prozent aus.

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    In schweren Fällen bekamen die Erkrankten eine Lungenentzündung. Meist war dies eine sogenannte Sekundär-Infektion durch Bakterien, die den geschwächten Körper leicht befallen konnten.

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    Akutes Lungenversagen galt als die häufigste Todesursache. Viele Todesopfer waren zwischen 20 und 40 Jahre alt. Verbreitete Antibiotika oder eine Grippeimpfung gab es damals noch nicht.

Was Viren im Körper machen

Was Viren im Körper machen

Viren zwingen die Körperzellen, neue Viren zu produzieren. Die werden dann freigesetzt und befallen weitere Zellen oder andere Menschen.

Pandemien: Diese Infektionskrankheiten entstanden durch Influenza-Viren

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    Es gibt 18 H- und 11 N-Subtypen in verschiedenen Kombinationen. H steht für Hämagglutinin und N für Neuraminidase - Proteine auf der Virus-Hülle, die dem Virus ermöglichen, in die Körperzelle einzudringen.

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    Das Spanische Grippe-Virus entstand vermutlich durch die Kreuzung eines Vogelgrippe-Virus mit einem menschlichen Virus. Es war hochgradig virulent und konnte sich besonders schnell vermehren.

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    Das Spanische Grippe-Virus gehört zum Subtyp H1N1, wie auch das Schweinegrippe-Virus.

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    Auch die aus China stammende Asiatische Grippe, die sich 1957/58 schlagartig ausbreitete und weltweit ein bis 2 Millionen Menschen das Leben kostete, zählt mit A/Singapore/1/57 (H2N2) zu den Influenza-Viren.

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    Etwa 10 Jahre später machte sich 1968 die Hongkong-Grippe breit. Sie war mit dem Subtyp A/H3/N2 eine Mischung aus Influenza- und Geflügelpest-Viren.

Impfung gegen Grippe-Viren

Heutzutage gibt es eine Grippeimpfung. Diese sollte jährlich erfolgen, da sich die Grippe-Viren schnell verändern und der Impfstoff immer wieder angepasst werden muss. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Grippeimpfung ...

👴Menschen über 60 Jahren

🙍Personen mit chronischen Krankheiten

👨‍⚕️Medizinischem Personal

👨Personal und Bewohnern von Altersheimen

🤰Schwangeren

Mehr Informationen zur Grippe-Schutzimpfung findest du beim Robert Koch-Institut.

Alles Wissenswerte zur Spanischen Grippe

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    Wie viele Menschen starben in Deutschland an der Spanischen Grippe?

    Allein im Jahr 1918 starben im Deutschen Reich rund 260 000 Menschen an der Spanischen Grippe. Das entspricht jeder/jedem 250. Einwohner:in.

  • ⁉️

    Welche Länder traf die Spanische Grippe?

    Insbesondere Spanien, USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich waren von der Spanischen Grippe betroffen.

  • ⁉️

    Wie lange dauerte die Spanische Grippe?

    Die Spanische Grippe dauerte über 2 Jahre und zwar von Februar 1918 bis April 1920.

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Veröffentlicht: 13.02.2022 / Autor: Larissa Melville