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Eine Frau hält sich mit den Händen die Ohren zu

Tinnitus: Was steckt hinter dem nervenden Ohr-Geräusch?

Ein Brummen, Pfeifen oder Rauschen im Ohr kann ziemlich nerven. Doch wie entsteht eigentlich ein Tinnitus, wie kann man sich davor schützen und wird man ihn wieder los? Hier bekommst du den Überblick. Im Clip: So strapazierfähig ist das menschliche Ohr.
Tinnitus: Was steckt hinter dem nervenden Ohr-Geräusch?
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Tinnitus: Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Tinnitus ist kein echtes Geräusch, denn es gibt dafür keine äußere Schallquelle. Das Ohren-Sausen ist also ein Phantom-Ton.

  • Die Art des Geräusches ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Manche „hören“ ein Pfeifen, andere ein Brummen, Piepen oder Rauschen.

  • Haupt-Ursachen für einen Tinnitus sind Stress und Lärm. Unser Körper zeigt uns damit, dass wir „zu viel um die Ohren haben“.

  • Etwa jeder vierte Erwachsene kennt das gelegentliche Klingeln oder Rauschen im Ohr. Bei drei Millionen Menschen in Deutschland ist der Tinnitus ein Dauerzustand - Tendenz steigend. Tinnitus ist damit auf dem besten Weg, eine neue Volks-Krankheit zu werden.

  • In vielen Fällen hört das plötzliche Klingeln im Ohr von allein wieder auf. Doch auch wenn der Tinnitus chronisch wird, kann man lernen, gut damit zu leben.

Was ist ein Tinnitus?

Der medizinische Fachbegriff für das Rauschen im Ohr ist „Tinnitus aurium". Er leitet sich ab von den lateinischen Wörtern „tinniere" (klingeln) und „auris" (Ohr) und bedeutet so viel wie „Klingeln der Ohren".

Ein Tinnitus ist nur ein scheinbares Geräusch, denn es gibt in der Umgebung der Betroffenen keine entsprechende Schallquelle. Ein Tinnitus ist jedoch keine akustische Halluzination, sondern eine Störung der Hörfunktion.

Das Ohren-Sausen kann auf einem oder auf beiden Ohren auftreten. Meist nimmt nur die oder der Betroffene es wahr (subjektiver Tinnitus). In seltenen Fällen kann die Ärztin das Geräusch „messen", zum Beispiel, wenn es durch den Blutfluss verursacht wird (objektiver Tinnitus).

Welches wahrgenommene Ohr-Geräusch auftritt, ist dabei sehr verschieden. Manche Menschen nehmen ein sehr hohes Piepen oder Pfeifen wahr, andere ein gleichmäßiges Rauschen oder tiefes Brummen. Bei einigen ist dieses Geräusch dauerhaft, bei anderen „pulsierend", gekoppelt an den Blutfluss in der Halsschlag-Ader.

So funktioniert unser Gehör

Typische Tinnitus-Symptome: Wenn das Ohr-Geräusch zur Belastung wird

Ein Tinnitus selbst ist keine schwere Erkrankung, aber das wahrgenommene Dauer-Pfeifen kann die Betroffenen stark belasten. In der Folge haben sie dann mit einer Reihe körperlicher und psychischer Symptome zu kämpfen:

  • Schlaf-Störungen
  • Konzentrations-Störungen
  • Muskel-Verspannungen
  • Zähne-Knirschen
  • Kopf- und Ohren-Schmerzen
  • Benommenheit und Schwindel
  • Überempfindlichkeit für laute Geräusche (Hyperakusis)
  • Angst-Zustände und Depression
  • Gereiztheit und Stimmungs-Schwankungen

Ursachen von Tinnitus: So entsteht das Rauschen im Ohr

Die Kopfhörer immer auf Anschlag, beim Rock-Konzert direkt neben den Lautsprechern gestanden, dann noch ein fieser Streit mit der Freundin und plötzlich ist es da: das Rauschen im Ohr.

Lärm und Stress sind die Haupt-Ursachen für das vermeintliche Ohr-Geräusch. Wenn wir sprichwörtlich zu viel um die Ohren haben, reagiert unser Körper mit dem Phantom-Ton. Ein Tinnitus ist also ein ziemlich schlaues Warn-Signal, das wir nicht überhören können. Jetzt heißt es: Ruhe und Entspannung suchen und das Leben entstressen.

Doch auch andere Ursachen für einen Tinnitus sind möglich: Ein Hörsturz (plötzlicher Hörverlust), Fehlstellungen von Halswirbel-Säule oder Kiefer, Ohren-Entzündungen, Tumore im Kopf, ein mit Ohren-Schmalz verstopfter Gehörgang oder ein zu hoher Blutdruck können ebenfalls ein wahrgenommenes Ohr-Geräusch auslösen. Ein:e Ärzt:in wird daher neben dem Pfeifen immer auch eventuelle Begleit-Erkrankungen beziehungsweise die Ursachen des Ohren-Rauschens behandeln.

Wie genau es zu dem Phantom-Ton kommt, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Vermutet wird, dass Haar-Zellen im Innen-Ohr geschädigt werden. Ein teilweiser Hörverlust ist die Folge. Das Hör-Zentrum im Gehirn versucht dann, die fehlenden Frequenzen auszugleichen, indem es diese verstärkt - mit einem Tinnitus.

Was halten unsere Ohren aus?

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Die Diagnose von Tinnitus

Mediziner:innen unterscheiden verschiedene Formen von Tinnitus. Zum einen danach, wie lange die wahrgenommenen Ohr-Geräusche schon vorhanden sind. Bei weniger als drei Monaten spricht man von einem akuten Tinnitus. Wenn das Ohren-Sausen länger als drei Monate anhält, handelt es sich um einen chronischen Tinnitus.

Auch der Schweregrad ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Während die einen nur ein ganz leises Piepen wahrnehmen, beschreiben andere ihr Ohr-Geräusch in der Lautstärke eines vorbeifahrenden Zuges. Manche Menschen können okay damit leben, manche werden durch das Dauer-Geräusch extrem in ihrem Leben eingeschränkt.

Ein Tinnitus an sich ist nicht gefährlich. Er ist aber ein ernstzunehmendes Symptom. Er zeigt uns, dass etwas nicht stimmt - zu viel Stress, zu viel Lärm, zu wenig Entspannung oder dass eine Erkrankung vorliegt, die das Phantom-Geräusch ausgelöst hat.

Für eine Diagnose stellt der HNO-Arzt oder die HNO-Ärztin den Betroffenen daher viele Fragen zu ihrer Lebens-Situation und ihren Beschwerden. Untersuchungen wie eine Ohr-Mikroskopie, ein Hörtest und eine Gleichgewichts-Prüfung geben Aufschluss über die Ursache und die Schwere des Tinnitus. Um einen Kopf-Tumor auszuschließen, kann eine Computer-Tomographie (CT) oder eine Kernspin-Tomographie (MRT) gemacht werden.

Es kann auch nötig sein, andere Fachärzt:innen einzubeziehen, um dem Ohren-Sausen auf den Grund zu gehen, zum Beispiel Zahnärzt:innen, Orthopäd:innen oder Neurolog:innen.

Je nach Ursache, Dauer und Schweregrad fällt die Tinnitus-Therapie von Mensch zu Mensch unterschiedlich aus.

Die Behandlung von Tinnitus

  • 💊

    Eine Zauberpille, die das Ohr-Geräusch abschaltet, gibt es leider nicht.

  • 🔇

    Erste Regel bei einem akuten Tinnitus: Ruhe und Entspannung.

  • 💉

    Ein akuter Tinnitus wird in der Regel mit Kortison behandelt. Das Medikament kann als Infusion gegeben oder direkt ins Innen-Ohr gespritzt werden. Auch durchblutungsfördernde Medikamente werden eingesetzt.

  • 💊

    Wird der Tinnitus chronisch, wird die Grund-Erkrankung behandelt. Zum Beispiel können Blutdruck-Senker bei zu hohem Blutdruck gegeben werden oder es wird Physiotherapie eingesetzt, um Halswirbel- oder Kiefer-Fehlstellungen zu korrigieren.

  • 🧘

    Ein wichtiger Bestandteil der Therapie bei chronischem Tinnitus ist, damit leben zu lernen. Durch kognitive Verhaltenstherapie und die sogenannte Tinnitus-Bewältigungs-Therapie erlernen die Betroffenen, dem Phantom-Geräusch weniger Aufmerksamkeit zu schenken und Ablenkungs-Strategien einzusetzen. Auch eine Tinnitus-spezifische Beratung, Stress-Bewältigung und Entspannungs-Therapie gehören dazu.

  • 🤝

    Selbsthilfe-Gruppen sind für viele Betroffene eine große Unterstützung, um besser mit ihrem Ohrensausen zu leben.

  • 🦻

    Bei einem Hörverlust können Betroffene ein Hörgerät tragen. Der Knopf im Ohr kann auch mit Tinnitus Masker oder Tinnitus Noiser ausgestattet werden. Mit diesen Zusatz-Funktionen werden die Ohr-Geräusche scheinbar vermindert, indem ein Gegen-Ton zum Tinnitus erzeugt wird - ein ständiges leises „weißes“ Rauschen.

  • 📱

    Neuere Behandlungs-Ansätze wie Sound-Therapien mit Smartphone-Apps, elektrische Hirn-Stimulation oder die Wirkung von Nahrungs-Ergänzungsmitteln sind laut Deutscher Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie noch nicht wissenschaftlich belegt und daher nicht in den Behandlungs-Leitlinien für die Fachärzt:innen enthalten.

Tinnitus und Hörsturz vorbeugen: So kannst du dich vor Hörverlust und Ohren-Rauschen schützen

  • Baue Zeit für Entspannung und Ruhe in deinen Alltag ein. Vermeide Stress und überfordere dich nicht ständig.
  • Wenn du Musik über Kopfhörer hörst, dreh die Lautstärke nicht voll auf. Noise Cancelling Kopfhörer helfen dabei, die Umgebungs-Geräusche besser zu filtern. Damit kannst du die Lautstärke der Musik noch weiter reduzieren.
  • Stell dich in der Disko nicht direkt an die Lautsprecher bzw. Boxentürme.
  • Benutze bei Konzerten Ohr-Stöpsel aus Silikon oder Schaumstoff. Die sind kaum sichtbar, abwaschbar und du kannst sie mehrfach verwenden.
  • Wenn du mit deinen Kindern auf ein Konzert gehst, sorge dafür, dass sie besonders gut vor der Lautstärke geschützt sind - am besten mit Lärmschutz-Kopfhörern, die können nicht aus den kleinen Ohren herausfallen.
  • Nutze einen Gehörschutz, wenn du mit lauten Geräten hantierst, wie mit einer Kreissäge, Bohrmaschine oder Motorsense.
  • Wenn du beruflich viel von Lärm umgeben bist, zum Beispiel in einer Maschinen-Halle, am Flughafen oder beim Straßenbau, setze immer deinen Kapsel-Gehörschutz auf - auch wenn dich die Kolleg:innen dafür vielleicht belächeln.

Häufige Fragen zum Tinnitus

  • ⁉️

    Wie geht ein Tinnitus wieder weg?

    Ein plötzliches Ohr-Geräusch geht oft nach ein paar Stunden von allein wieder weg. Ruhe, Entspannung und viel trinken helfen dabei. Wenn nicht, bleibt nur der Gang zum HNO-Arzt. Sie oder er wird den akuten Tinnitus in der Regel zunächst mit Kortison behandeln. Falls das wahrgenommene Ohren-Sausen bleibt und chronisch wird, wird nach zugrunde liegenden Erkrankungen geforscht, wie zum Beispiel Kiefer-Fehlstellungen, Tumoren oder Bluthochdruck.

  • ⁉️

    Woher kommt ein plötzlicher Tinnitus?

    Wie Tinnitus zustande kommt, ist wissenschaftlich noch nicht abschließen geklärt. Forschende vermuten geschädigte Haar-Zellen im Innen-Ohr als Ursache. Dadurch verlieren wir (meist nur zeitweise) das Hör-Vermögen auf bestimmten Frequenz-Bereichen. Laut den Forschenden könnte unser Gehirn dann versuchen, diesen Hörverlust durch ein überstarkes "Geräusch" auf ebendiesen Frequenzen auszugleichen.

  • ⁉️

    Was kann man gegen Tinnitus machen?

    Die beste Vorbeugung ist Lärm-Schutz. Konzerte und Disco nur mit Ohr-Stöpseln besuchen, Kopfhörer nicht zu laut stellen und in der Nähe von lauten Maschinen einen professionellen Gehör-Schutz verwenden. Auch Stress ist ein Thema. Deswegen: Baue dir Entspannungs- und Ruhe-Phasen in deinen Alltag ein. Wenn du bereits an Tinnitus leidest, besprich mit einer HNO-Ärztin oder einem HNO-Arzt die Behandlungs-Möglichkeiten. Die Therapie ist abhängig davon, wie lange du das Ohrgeräusch bereits hast, wie stark es ist und wie sehr es dich im Alltag belastet. Auch nach einer eventuellen Grund-Erkrankung sollte geforscht werden.

  • ⁉️

    Wie kann man sich an Tinnitus gewöhnen?

    Wer mit einem chronischen Tinnitus leben muss, muss vor allem lernen, dem vermeintlichen Rauschen im Ohr nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Betroffene lernen, komplette Stille zu meiden und Ablenkungs-Strategien einzusetzen, um den Tinnitus als weniger störend wahrzunehmen.

Veröffentlicht: 12.07.2022 / Autorin: Katja Schulz