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Affenpockenvirus im Labor

Zoonosen: Wie Krankheiten von Tieren auf Menschen springen

Corona ist eine Zoonose – eine Krankheit, die von Tieren auf den Menschen überspringt. Auch das Affenpocken-Virus fällt in diese Kategorie. Was Zoonosen gefährlich macht und wie neue Pandemien verhindert werden könnten, erfährst du hier.
Zoonosen: Wie Krankheiten von Tieren auf Menschen springen
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Das Wichtigste zum Thema Zoonosen

  • Zoonosen sind Erkrankungen, die sowohl bei Menschen als auch bei Tieren vorkommen können.

  • Viren, Bakterien, Parasiten oder exotischen Erregern können Zoonosen verursachen. Viele Tiere dienen dabei als Wirt – wild lebende genauso wie Nutztiere.

  • Corona ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine Zoonose – so wie rund 75 Prozent aller neu auftretenden Infektionskrankheiten.

  • Auch das Affenpocken-Virus wird vom Tier auf den Menschen übertragen. Aktuell häufen sich Ansteckungen der Infektions-Krankheit in Europa. Grund zur Panik vor einer weiteren Pandemie gibt es laut Expert:innen aber nicht.

  • Weitere Zoonosen sind Ebola, HIV, Malaria, MERS (Middle-East Respiratory Syndrome), das erste SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome), Influenza (als Vogel- und später Schweinegrippe) und BSE (Rinderwahn). Frühere Zoonosen sind etwa die Pest sowie Tollwut.

Zoonosen weltweit: Das Affenpocken-Virus breitet sich aus

Das Stichwort "Zoonose" fällt aktuell vor allem häufig im Zusammenhang mit dem Affenpocken-Virus. Die Krankheits-Erreger können verschiedene Tierarten befallen, darunter auch Nagetiere und Affen. Über einen Biss oder engen Kontakt mit den Säugetieren springt das Virus auf den Menschen über.

Eigentlich kommt das Virus vor allem in West- und Zentralafrika vor, die Krankheit verbreitet sich seit einigen Wochen aber auch in Europa. Mittlerweile wurden auch in Deutschland mehrere Fälle bestätigt.

Typisches Anzeichen ist neben Fieber vor allem ein bläschenartiger Ausschlag, der an Händen, Füßen und auch im Gesicht vorkommen kann. Auch wenn die meisten Betroffenen keine medizinische Versorgung benötigen, kann das Affenpocken-Virus in seltenen Fällen zu schweren oder tödlichen Krankheitsverläufen führen.

Führende Expert:innen schätzen das Risiko einer flächendeckenden Ausbreitung aber als sehr gering ein. Denn im Vergleich zu anderen Infektions-Krankheiten ist das Affenpocken-Virus nicht leicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Bei den aktuellen Fällen gehen Forschende davon aus, dass die Übertragung durch sehr engen Kontakt möglich war. Laut RKI sind auch sexuelle Übertragungen möglich.

Zoonosen-Affenpocken-Virus


Affenpocken-Virus in der Mikroskop-Ansicht
© Getty Images

Kreuzimpfung schützt vor Affenpocken-Virus

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    Ein Grund für die Ausbreitung könnte auch der schwindende Schutz vor dem nah verwandten Variola-Virus sein - besser bekannt als Pocken. Die Infektions-Krankheit galt mit der Einführung eines wirksamen Impfstoffes seit 1980 als ausgerottet.

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    Da sich die Erreger der beiden Infektions-Krankheiten so ähnlich sind, ist der Impfstoff auch bei Affenpocken wirksam.

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    Schätzungen zufolge sind heute allerdings knapp 70 Prozent der Welt-Bevölkerung nicht mehr gegen Pocken geimpft- und somit auch nicht gegen Affenpocken geschützt.

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    Wenn der sinkende Immun-Schutz gegen Pocken zur Häufung der Fälle beiträgt, könnten Nachimpfungen in Risiko-Gebieten laut einer britischen Studie helfen, die Verbreitung des Virus einzudämmen.

Was sind zoonotische Infektionskrankheiten - und wie entstehen sie?

Das wollten wir von der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen an der Berliner Charité wissen.

Dr. Ilia Semmler ist Tierärztin, Virologin und Koordinatorin des Forschungsnetzes für zoonotische Infektionskrankheiten.  

"Zoonosen begleiten den Menschen schon seit sehr langer Zeit. Es sind Infektionskrankheiten, die wechselseitig zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. Sie können immer dann entstehen, wenn Menschen und Tiere eng zusammenleben."

Bei Zoonosen hilft oft der Zufall mit:

  • Zum Beispiel, wenn der Mensch in bisher unbesiedelte Bereiche vordringt - wie Urwaldregionen oder abgelegene Höhlen. Dann entstehen neue "Tier-Mensch-Kontakte", und bisher unbekannte Erreger können überspringen.
  • Das kann auch passieren, wenn Tierarten auf engem Raum zusammentreffen, die sich in der Natur nicht begegnen würden - wie zum Beispiel auf Tiermärkten.

Was hat die Fledermaus mit Corona zu tun?

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    Wissenschaftliche Hinweise deuten darauf hin, dass COVID-19 (wahrscheinlich über einen Zwischenwirt) durch Fledermäuse auf den Menschen übertragen wurde.

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    "Fledermäuse tragen zahlreiche Viren in sich, darunter Corona-Viren. Mehrere Eigenschaften machen sie zu einer 'guten Quelle' für Zoonosen: Sie sind Säugetiere und somit näher am Menschen als Vögel oder Reptilien. Deshalb können sich ihre Viren besser an den Menschen anpassen", so die Virologin Dr. Ilia Semmler.

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    "Fledermäuse leben in sehr großen Gruppen zusammen - dadurch können viele Tiere infiziert werden, ohne dass die "Infektionskette" abreißt. Außerdem können sie fliegen - und die Erreger so über große Distanzen verbreiten."

Was wir von vergangenen Pandemien gelernt haben

Was wir von vergangenen Pandemien gelernt haben

Quarantäne und Social Distancing kennt man nicht erst seit Corona. Ein Blick in die Geschichte.

Schweine und Geflügel: Die Gefahren aus dem Stall

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    Nutztiere wie Schweine und Geflügel sind mögliche Träger für Krankheitserreger, die auch auf den Menschen überspringen können.

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    Schweine bieten ein virenfreundliches Umfeld: Sie können sich sowohl mit Erregern von Menschen als auch von Vögeln infizieren. Die Folge: Die Viren tauschen dann untereinander im Körper des Tieres ihr Erbmaterial aus.

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    So entsteht ein neuer Viren-Cocktail, der sich auch von Mensch zu Mensch übertragen kann. Wie bei der Schweinegrippe im Jahr 2009.

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    Bei Vögeln schätzt das RKI das Risiko einer flächendeckenden Ausbreitung sogar noch höher ein. Der Ausbruch der Geflügelpest im Winter 2020 war der bisher größte in Deutschland.

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    Das Virus gelangt durch den Menschen oder durch Arbeitsmittel wie Trecker und Streu in die Geflügelställe. Je enger die Vögel zusammengepfercht sind, desto wahrscheinlicher ist eine massenhafte Übertragung.

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    Das RKI empfiehlt deshalb allen Menschen, die mit Geflügel in Kontakt kommen, eine regelmäßige Grippeimpfung, um Doppel-Infektionen zu vermeiden.

  • Auch wenn das Geflügelpest-Virus bisher noch zu wenigen und ungefährlichen Infektionen beim Menschen geführt hat, sind in Nordafrika und Asien Varianten aufgetreten, die ebenfalls tödliche Infektionen auslösen können.

Wie können wir uns gegen Zoonosen schützen? Die Virologin rät:

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    Wissen hilft: Ein wichtiges Werkzeug ist gute Forschung. Die kann neue Risiken frühzeitig erkennen, Erreger diagnostizieren, Impfstoffe und Therapien entwickeln.

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    Auch wichtig: Hygiene. Wer weiß, wo Übertragungs-Risiken entstehen, kann sie vermeiden.

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    Springt eine Zoonose auf den Menschen über, helfen frühzeitige Eindämmungs-Maßnahmen, um die Verbreitung zu reduzieren - oder im besten Fall zu stoppen.

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    Das Risiko würde sinken, wenn Menschen nicht in Urwälder vordringen und verschiedene Tierarten auf enger Fläche halten, verkaufen und schlachten würden.

Tier-Impfungen könnten neue Seuchen verhindern

Corona wird nicht die letzte Seuche sein, die von Wildtieren stammt. Allein in den vergangenen 10 Jahren fanden Forscher über 1.000 neue Viren in Wildtieren, die auch Menschen schaden können.

Impft man Wildtiere gegen gefährliche Erreger, könnte man große Seuchen im Vorfeld verhindern. Die Ausbreitung der Krankheitserreger würde dann schon bei den Tieren verhindert werden.

Doch es ist gar nicht so leicht, Tiere in freier Wildbahn in großem Maßstab zu impfen und so eine Herdenimmunität zu erlangen. Egal ob Fledermäuse, Schuppentiere, Füchse, Schleichkatzen, Wasservögel oder Wildschweine: Die Tiere leben oft abgeschieden, sind scheu, und es gibt sehr viele von ihnen.

Ein möglicher Ansatz: Impfstoffe, die von allein von Tier zu Tier weitergegeben werden. Zwei Wege halten die Biologen Scott Nuismer und James Bull für denkbar:

1) Übertragbare Impfstoffe

Dies könnte zum Beispiel eine Impf-Paste sein, die man Fledermäusen aufs Fell streicht. Wenn die Tiere in ihre Kolonie zurückkehren, würde die Paste bei der Fellpflege von den anderen Tieren aufgenommen werden.

2) Ansteckende Impfstoffe

Dies könnten Impfstoffe aus abgeschwächten Viren sein, die die Tiere nur leicht krank machen. Nach und nach würden sie sich gegenseitig anstecken und eine Herdenimmunität entstehen. Die Gefahr: Der abgeschwächte Erreger könnte sich weiterentwickeln und selbst eine Seuche auslösen.

Sicherer wären sogenannte rekombinante Impfstoffe aus harmlosen Viren, in die ein Gen des Erregers eingebaut ist. Aktuell arbeiten Wissenschaftler an solch einem Impfstoff gegen die afrikanische Schweinepest.

Erfolgreiche Wildtier-Impfung

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    Das Beispiel Tollwut zeigt, dass Wild-Tierimpfungen erfolgreich sein können. Hier wurden über Jahre Fress-Impfköder für Füchse ausgelegt. Heute gelten Deutschland und weite Teile Westeuropas als tollwutfrei.

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Viren und Bakterien
Veröffentlicht: 24.05.2022 / Autor: Carina Neumann-Mahlkau