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Was sind Zoonosen - und was haben dichter Dschungel und Fledermäuse damit zu tun?

Von "Zoonosen" spricht man, wenn Infektionskrankheiten vom Tier auf den Menschen überspringen - und andersrum. Warum sie "alte Bekannte" der Medizin-Geschichte sind und wie man sich vor ihnen schützen kann.

Was sind zoonotische Infektionskrankheiten - und wie entstehen sie?

Das wollten wir von der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen an der Berliner Charité wissen.

Dr. Ilia Semmler ist Tierärztin, Virologin und Koordinatorin des Forschungsnetzes für zoonotische Infektionskrankheiten. Sie sagt: 

"Zoonosen begleiten den Menschen schon seit sehr langer Zeit. Es sind Infektionskrankheiten, die wechselseitig zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. Sie können immer dann entstehen, wenn Menschen und Tiere eng zusammenleben."

Bei Zoonosen hilft laut Dr. Semmler oft der "Zufall" mit:

  • Zum Beispiel, wenn der Mensch in bisher unbesiedelte Bereiche vordringt - wie Urwaldregionen oder abgelegene Höhlen.
  • Dann entstehen neue "Tier-Mensch-Kontakte", und bisher unbekannte Erreger können "überspringen".
  • Das kann auch passieren, wenn Tierarten auf engem Raum zusammentreffen, die sich in der Natur nicht begegnen würden - wie auf Tiermärkten.

Was hat die Fledermaus mit Corona zu tun?

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    COVID-19 wurde mit großer Wahrscheinlichkeit auf einem Wildtier-Markt in Wuhan (China) durch Fledermäuse übertragen.

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    "Fledermäuse tragen zahlreiche Viren in sich, darunter Corona-Viren. Mehrere Eigenschaften machen sie zu einer 'guten Quelle' für Zoonosen: Sie sind Säugetiere und somit näher am Menschen als Vögel oder Reptilien. Deshalb können sich ihre Viren besser an den Menschen anpassen", so die Virologin.

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    "Fledermäuse leben in sehr großen Gruppen zusammen - dadurch können viele Tiere infiziert werden, ohne dass die "Infektionskette" abreißt. Außerdem können sie fliegen - und die Erreger so über große Distanzen verbreiten."

Das Wichtigste zum Thema Zoonosen

  • Rund 75 Prozent der neu auftretenden Infektionskrankheiten sind Zoonosen. Corona zählt auch dazu.

  • Weitere Zoonosen sind Ebola, HIV, Malaria, MERS (Middle-East Respiratory Syndrome), das erste SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome), Influenza (als Vogel- und später Schweinegrippe) und BSE. "Alte" Zoonosen sind die Pest und Tollwut.

  • Zoonosen können von Viren, Bakterien, Parasiten oder exotischen Erregern verursacht werden. Viele Tiere können zum Wirt werden - wild lebende genauso wie Nutztiere.

Wie können wir uns gegen Zoonosen schützen? Die Virologin rät:

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    Wissen hilft: Ein wichtiges Werkzeug ist gute Forschung. Die kann neue Risiken frühzeitig erkennen, Erreger diagnostizieren, Impfstoffe und Therapien entwickeln.

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    Auch wichtig: Hygiene. Wer weiß, wo Übertragungsrisiken entstehen, kann diese vermeiden.

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    Springt eine Zoonose auf den Menschen über, helfen frühzeitige Eindämmungsmaßnahmen, um die Verbreitung zu reduzieren - oder im besten Fall zu stoppen.

  • 🌴

    Das Risiko würde sinken, wenn Menschen nicht in Urwälder vordringen und verschiedene Tier-Arten auf enger Fläche halten, verkaufen und schlachten würden.

Veröffentlicht: 12.05.2020 / Autor: Carina Neumann-Mahlkau

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