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Zukunft der Organspende: Bald könnte der 3D-Drucker den Spender ersetzen

Der Bundestag hat über die Zukunft der Organspende entschieden: Organspender werden dringend gesucht, aber bald werden wir wohl auf sie verzichten können.

Das Wichtigste zum Thema Zukunft der Organspende

  • Der Bundestag hat entschieden: Wer nach seinem Tod Organe spenden will, muss sich weiterhin als Spender registrieren.

  • In Zukunft könnten wir aber gar nicht mehr auf menschliche Spender angewiesen sein. Forscher wollen Organe bald künstlich züchten und dann einfach ausdrucken.

  • In Deutschland sind momentan mehr als 9.000 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Im letzten Jahr gab es aber nur 932 Organspender.

  • Auf eine Millionen Deutsche kommen nur 11,5 Organspender. Bei der Bereitschaft Organe zu spenden, ist Deutschland europäisches Schlusslicht. Zum Vergleich: In Spanien ist die Quote fast fünf Mal höher.

  • Mehr zum Thema Organspende und zur Neuregelung, die der Bundestag beschlossen hat, findest du hier.

Wenn Zellen zur Tinte werden: Wie Forscher Organe drucken

Ein Ersatzteil fürs Auto drucken? Mit einem 3D-Drucker kein Problem. Ein künstliches Hüftgelenk? Na klar. Ein menschliches Herz? Ja, auch das geht inzwischen.

"Wir haben ein menschliches Herz gedruckt", verkündete das amerikanische Unternehmen "BioLife 4D" im September 2019 . Dafür haben sie aus Blutzellen unzählig viele Herzzellen gezüchtet. Die mischten sie dann mit einem besonderen Gel - und fertig war die "Tinte" für den 3D-Drucker.

Mit Herzkammern und -klappen hat das gedruckte Mini-Herz die selbe Struktur wie ein natürliches Herz, das gedruckte Exemplar ist aber zu klein, um tatsächlich einem Menschen zu helfen.

Ein Mini-Herz aus dem 3D-Drucker liegt in der Hand eines Wissenschaftlers.

 

Ähnliches gelang einem israelischen Forscherteam im April 2019. Der Prototyp ist etwa so groß wie ein Hasenherz oder eine Kirsche. Funkionstüchtig ist es allerdings nocht nicht, weil sich die Zellen noch nicht synchron zusammenziehen können.

© picture alliance/Ilia Yefimovich/dpa

So erklärt "BioLife 4D" selbst den Herz-Drucker

Halb Mensch, halb Tier: Forscher züchten Mischwesen, um Organe zu gewinnen

Ethisch fragwürdig und in Deutschland verboten: An der Universität Tokio arbeiten Wissenschaftler seit Juli 2019 daran, dass menschliche Organe in Tieren heranwachsen.

Dafür manipulieren Forscher tierische Embryos so, dass sie ein Organ nicht ausbilden. Stattdessen pflanzen sie menschliche Stammzellen ein.

Die Idee: Weil sich Stammzellen zu jeder beliebigen Zelle entwickeln können, wird das fehlende Organ mit den menschlichen Zellen kompensiert.

Auf diese Weise könnte man zum Beispiel in einem Schwein eine menschliche Leber züchten. Schweine gelten als ideal, weil ihre natürlichen Organe ähnlich groß sind wie menschliche.

Ein kleines, süßes und etwas verschlammtes Schwein guckt in die Kamera.

Bei Menschen noch Science Fiction, aber bei Mäusen schon Science Fact

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    Was die japanischen Forscher aktuell für den Menschen erforschen, haben sie bei Mäusen und Ratten schon geschafft.

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    Sie ließen dabei Mäuse-Bauchspeicheldrüsen in Ratten heranwachsen.

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    Später setzten sie diese Bauchspeicheldrüse einer Maus ein.

  • Die Maus überlebte das nicht nur, sie war auch von ihrer Diabetes geheilt.

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    Das Transplantieren von lebens- und funktionstüchtigen Zellen zwischen zwei unterschiedlichen Spezies nennt man "Xenotransplantation".

Hör mal zu: Menschliche Ohren wachsen auf dem Rücken von Mäusen

Auf dem Rücken von Mäusen wurde in der Wissenschaft ja schon viel ausgetragen: Vor mehr als 20 Jahren sogar eine menschliche Ohrmuschel.

Nach den Forschern benannt, die das Experiment durchführten, ging diese Maus als "Vacanti-Maus" in die Geschichte ein:

Veröffentlicht: 18.01.2020 / Autor: Johannes Korsche

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