Themenseiten-Hintergrund

Zum Arzt gehen? Dafür gibt's doch 'ne Gesundheits-App

Kopfweh, Diabetes, Rückenschmerzen. Vielleicht verschreibt dir dein Arzt bald keine Medizin, sondern eine Gesundheits-App. Welche es gibt und was du beachten solltest.
Teaserbild: Zum Arzt gehen? Dafür gibt's doch 'ne Gesundheits-App

Das Wichtigste zum Thema Gesundheits-Apps

  • App auf Rezept: Die Bundesregierung beschlossen, dass Ärzte geprüfte Anwendungen fürs Smartphone als Gesundheits-Helfer verschreiben dürfen.

  • Die Digitalisierung im Gesundheitswesen soll beispielsweise Video-Sprechstunden ermöglichen, dich an deine Medikamente erinnern, den Blutzuckerspiegel messen und dir bei der Suche nach Arztpraxen helfen.

  • Nachdem eine App vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geprüft wurden, kann sie vom Arzt verschrieben werden. Die Krankenkassen kommen für die Kosten auf.

  • 2 von 3 Smartphone-Besitzern nutzen bereits Gesundheits-Apps, ergab eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom.

  • Aufpassen! Ob eine App wirklich die Gesundheit fördert, können bisher nur wenige Hersteller belegen. Die Anwendungen selbst ersetzen nicht den Besuch beim Arzt.

#AppstattArzt: Was können die Gesundheits-Helfer - per Klick?

  • 😖

    Migräne-App: Damit kannst du in einem Tagebuch dokumentieren, wann die Kopfschmerzen auftreten, wie stark sie sind und welcher Bereich des Kopfes schmerzt.

  • 💉

    Appzumarzt: Erinnert an Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen oder Zahnchecks. Für die ganze Familie geeignet.

  • 💓

    Instant Heart Rate: Einfach den Finger auf die Kameralinse legen und die App erstellt ein Echtzeit-EKG.

  • 😋

    Si Diary: Die Applikation für Diabetiker erfasst Mahlzeiten, Körpergewicht, Puls, Blutdruck, Insulingaben und Blutzucker. Gut zu wissen: Die Deutschen Diabetesverbände haben ein Siegel für empfehlenswerte Diabetes Apps entwickelt.

  • 🧘‍♀️

    Fabulous: Gesundheit als ganzheitliches Projekt: Hier werden Sport, Meditation, Yoga, Dehn- und Konzentrationsübungen miteinander kombiniert.

  • 📅

    Rücken-Profi: Enthält ein Schmerztagebuch und Tipps zur Vorbeugung von Rückenproblemen. Bei "Vivira" oder "Kaia" findest du passende Übungen von Physiotherapeuten.

Tipps: Woran du eine seriöse Gesundheits-App erkennst

  1. Digimeda ist eine Datenbank, die dir einen Überblick über Gesundheits-Apps gibt. Sie filtert Suchergebnisse und zeigt geprüfte und zertifizierte Anwendungen oben in den Ergebnissen an.
  2. DiaDigital bietet Menschen mit Diabetes einen Überblick über Apps, die von Diabetesverbänden und Nutzern für gut befunden wurden.
  3. Vor dem Download: Check das Impressum. Es sollte Name und Adresse des Herstellers sowie Kontaktmöglichkeiten nennen.
  4. Ist die Datenschutzerklärung verständlich? Lade die App nur herunter, wenn klar beschrieben ist, welche Daten die App von dir sammelt und für welche Zwecke.
  5. Damit deine Daten sicher beim App-Anbieter ankommen, sollte sie verschlüsselt oder per Passwort geschützt werden.
  6. Ist die Finanzierung offen gelegt? Verdeckte Werbung kannst du leichter identifizieren, wenn du weißt, ob jemand die App sponsert und wer dahinter steckt, wie etwa ein Pharmakonzern.

 

© Getty Images

App statt Arztbesuch: Wär das was für dich?

Nicht mehr lange in der Praxis warten: Ärzte dürfen Telefon- und Videochats anbieten. So funktioniert's!

  • 📲

    Du triffst deinen Arzt nicht in der Praxis, sondern telefonierst oder chattest mit ihm. Zusatzinformationen bekommt Dr. Digital über medizinische Messgeräte.

  • 💻

    Die deutsche Telemedizin entwickelt sich gerade erst. Wer wie viel für die Behandlungen zahlt, ist noch nicht einheitlich geregelt. Videosprechstunden können bisher meist nur bei Privatpatienten abgerechnet werden.

  • 👨‍⚕️

    Ist die Telemedizin die Lösung gegen den drohenden Ärztemangel? Besonders in ländlichen Gegenden werden die Mediziner knapp. Arztpraxen und Notaufnahmen könnten durch die digitale Medizin entlastet werden.

  • 🤒

    Bei Risiken und Nebenwirkungen ... E-Medizin wirft viele Fragen auf: Sind die medizinischen Daten sicher? Und ist die Telemedizin anfälliger für Fehldiagnosen? Der Deutsche Ärztetag hat daher Richtlinien für den Einsatz von Telemedizin festgelegt.

  • 🏥

    Es gibt verschiedene Pilotprojekte, zum Beispiel in Baden-Württemberg. Dort werden die Kosten für die Sprechstunde 2.0 von den Krankenkassen übernommen. Zwischen 250 und 300 Anrufe gehen monatlich ein. Ein bundesweites System fehlt aber bislang.

Der digitale Patient - in Estland längst Realität

Wer in Estland zum Arzt geht, braucht keine Unterlagen mitschleppen oder lange seine Krankengeschichte erzählen. Das Gesundheitswesen dort ist seit über 10 Jahren digitalisiert.

Blutwerte, Röntgenbilder, verordnete Medikamente - solche Daten sind in einer elektronischen Akte für jeden Patienten auf einem Server gespeichert. Der Doc holt sich die Daten einfach auf den Bildschirm.

Als Zugang dient ein Chip im Arztausweis. Das funktioniert auch in Notfällen. Liegt jemand bewusstlos im Krankenwagen, können Sanitäter über die Karte die Krankengeschichte und beispielsweise Unverträglichkeiten von Medikamenten checken.

 

© Getty Images

Veröffentlicht: 17.06.2020 / Autor: Alena Brandt