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Ist Verhütung bald Männersache? Frau würde es freuen!

Gibt es noch andere Verhütungsmöglichkeiten beim Mann außer Vasektomie und Kondome? Hier erfährst du mehr über die Zukunft der Verhütung - von der Pille für den Mann bis zum Vasalgel.

Welche Verhütungsmethoden gibt es für den Mann?

  • Kondome sind das meist genutzte Verhütungsmittel beim Mann. Im Gegensatz zur Pille für die Frau schützen sie jedoch nicht so zuverlässig vor Schwangerschaft. Das zeigt dir der Pearl Index. Wie hoch die Werte sind, erfährst du unten.

  • Die Vasektomie (Sterilisation Mann) verhindert dagegen sehr sicher eine Schwangerschaft. Der Eingriff sollte gut überlegt sein. Aber: Man kann ihn auch wieder rückgängig machen. Mehr zu den Risiken und Kosten weiter unten.

  • An der Pille für den Mann wird seit langem geforscht. Das hormonelle Verhütungsmittel enthält Testosteron und soll die Spermienproduktion hemmen. Das Problem: Nebenwirkungen.

  • Eine neue Verhütungsmethode könnte bald das Vasalgel sein. Es wird in den Samenleiter injiziert und versperrt den Spermien den Weg - und zwar für 10 Jahre.

  • Beim Coitus interruptus wird der Geschlechtsverkehr vor dem Samenerguss abgebrochen. Diese Methode ist aber sehr unsicher und ein echter Spaßverderber.

Hormonelle Verhütung für den Mann: Pille für den Mann

Seit Jahren ist immer wieder die Pille für den Mann im Gespräch. Das Wirkprinzip: Da dem Körper das Hormon Testosteron zugefügt wird, fährt er die eigene Produktion in den Hoden herunter - und so auch die Spermienproduktion.

Warum gibt es keine Pille für Männer?

Durchgesetzt hat sich diese Alternative zur Pille für die Frau aufgrund zu vieler Nebenwirkungen wie Akne, Depressionen und Libidoverlust bisher nicht.

Doch nicht nur an Pillen mit Testosteron wird getüftelt, sondern auch an Testosteron-Spritzen und -Gelen für die Haut. Ob solche hormonellen Verhütungsmethoden beim Mann eine Zukunft haben? Sicher ist das nicht.

Verhütung ohne Hormone: Das Vasalgel soll 10 Jahre wirken

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    Eine neue hormonfreie Verhütungsmethode könnte in Zukunft das Vasalgel sein.

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    Das Gel wird direkt in beide Samenleiter injiziert und versperrt den Spermien den Weg. Flüssigkeit gelangt noch durch das Gel. Das Ergebnis: Eine Ejakulation ohne Spermien.

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    Das Spritzen des Vasalgels soll 15 Minuten dauern und nicht schmerzen. 10 Jahre soll es dann vor einer Schwangerschaft schützen.

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    Willst du doch plötzlich Kinder, kann der Arzt ein Gegenmittel spritzen, das das Gel auflöst.

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    Derzeit befindet sich das Vasalgel noch in der Entwicklungsphase, die allerdings vielversprechend aussieht.

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    Vasalgel Kosten: Wie teuer das Vasalgel sein wird, ist noch nicht bekannt.

Kondom - die erste Wahl

Das meist genutzte Verhütungsmittel beim Mann ist das Kondom - bei sachgemäßer Anwendung eine einigermaßen sichere Verhütungsmethode. Der große Vorteil gegenüber anderen Verhütungsmethoden, egal ob bei Mann oder Frau: Kondome schützen zusätzlich vor übertragbaren Krankheiten wie HIV oder Syphilis.

Wichtig: Achte unbedingt auf das Haltbarkeitsdatum und eine passende Größe (nicht zu groß 😉), sonst verrutscht das Kondom beim Geschlechtsverkehr.

Kondom in Hosentasche


Kondome solltest nicht in die Hosentasche oder den Geldbeutel quetschen und sie keiner Hitze oder der prallen Sonne aussetzen. Das empfindliche Material kann so undicht werden.
© Getty Images

Der Pearl Index zeigt, wie sicher eine Verhütungsmethode ist

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    Je niedriger der Pearl Index, desto besser schützt ein Verhütungsmittel vor einer ungewollten Schwangerschaft.

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    Er sagt aus, wie viele von 100 gebärfähigen Frauen trotz einer bestimmten Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres schwanger werden.

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    Der Pearl Index sollte dir aber nur als grober Schätzwert dienen, da er unter anderem nicht beachtet, dass einige Frauen mehr Sex haben oder fruchtbarer sind als andere.

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    Pearl Index Vasektomie (Sterilisation Mann): 0,1 bis 0,15

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    Pearl Index Mikropille (Östrogen, Gestagen) für die Frau: 0,1 bis 0,9

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    Pearl Index Sterilisation Frau: 0,2 bis 0,5

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    Pearl Index Kondom: 2 bis 12

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    Pearl Index Coitus interruptus: 4 bis 18

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    Pearl Index keine Verhütungsmittel: 85 bis 90

Vasektomie (Sterilisation Mann)

Die sicherste Verhütungsmethode beim Mann ist die Vasektomie, also die Sterilisation (Pearl Index 0,1 bis 0,15). Bei dem kleinen Eingriff werden die Samenleiter durchtrennt. Die Enden werden vernäht und/oder verödet. So gelangen die Spermien nicht mehr in die Samenflüssigkeit.

Übrigens: Einige Wochen bis Monate nach der Vasektomie sind noch Spermien in den oberen Samenleitern. Du musst also zusätzlich verhüten, solange bis der Arzt keine Spermien mehr in der Samenflüssigkeit findet.

Das passiert bei der Vasektomie

Risiken Vasektomie: Potenzverlust?

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    Viele Männer scheuen sich vor einer Sterilisation, aus Angst vor Potenzverlust.

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    Die gute Nachricht: Die Potenz bleibt bei der Vasektomie voll erhalten.

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    Die Hormone, die Lust, die Erektion, der Orgasmus und der Samenerguss funktionieren wie vor dem Eingriff.

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    Allerdings kann die Vasektomie psychische Probleme verursachen. Einige Männer fühlen sich nicht mehr als ganzer Mann und brauchen Hilfe.

Wie schmerzhaft ist die Vasektomie?

Die Vasektomie an sich ist nicht schmerzhaft, da der Urologe die Hoden örtlich betäubt. Generell ist der Eingriff einfach, risikoarm, dauert 30 Minuten und erfolgt meist ambulant.

Der Arzt schneidet die Hodenhaut auf beiden Seiten mit dem Skalpell für 1 bis 2 Zentimeter auf, schiebt die OP-Instrumente durch die Öffnung und durchtrennt die Samenleiter. Bei der no-scalpel-Vasektomie punktiert der Arzt sogar nur die Haut.

Nach der Sterilisation können die Hoden einige Tage schmerzen. Sehr selten klagen die Männer über Dauerschmerzen in den Hoden, die Ursache ist bis jetzt unbekannt.

Was kostet eine Vasektomie?

Eine Vasektomie kostet zwischen 300 und 500 Euro. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nur bei medizinisch notwendigen Eingriffen.

Schwanger trotz Vasektomie?

In sehr seltenen Fällen wächst der durchtrennte Samenleiter wieder nach einiger Zeit zusammen - und eine Schwangerschaft ist möglich, daher liegt der Pearl Index auch nicht bei Null.

Kann man die Vasektomie rückgängig machen?

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    Ja, heute ist die Vasektomie im Prinzip reversibel. Bei einem erneuten Eingriff näht der Arzt die Enden der Samenleiter wieder zusammen. Die Mehrheit der Patienten ist danach wieder fruchtbar, teils jedoch nicht in dem Maße wie vorher.

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    Der Eingriff ist kompliziert, kostet zwischen 2.000 und 5.000 Euro, und es gibt keine Garantie für Fruchtbarkeit. Überlege dir daher vor der Vasektomie ganz genau, ob du noch einen Kinderwunsch verspürst.

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    Wenn die Familienplanung bei dir und deiner Partnerin abgeschlossen ist, ist der Eingriff aber eine gute Möglichkeit, deiner Liebsten die Hormon-Bomben zu ersparen.

Internet-Mythos: Thermische Verhütung beim Mann

Heißes Wasser oder durch Geräte zugeführte Hitze soll die Spermien abtöten. Diese vertragen nämlich keine höheren Temperaturen, daher befinden sich die Hoden auch außerhalb des Körpers. Wissenschaftlich belegt ist aber keine dieser Methoden.

Internet-Mythos: Verhütung "Mann" mit Papaya

Männer, die regelmäßig Papyakerne essen, sollen vorübergehend unfruchtbar werden, weil die Kerne die Spermien-Qualität beeinträchtigen.

Papayakerne

© Getty Images

 

In Indien, Pakistan und Sri Lanka sollen Papayasamen bereits seit Jahrhunderten zur Verhütung eingesetzt werden. Wissenschaftliche Studien fehlen aber. Ein sicheres Verhütungsmittel ist das also wirklich nicht.

Veröffentlicht: 19.07.2020 / Autor: Larissa Melville

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