Verblüffende Studie: Die Lunge produziert Blut - und zwar viel davon
via Wikimedia / Hellerhoff / CC BY-SA 3.0

Forscher entdecken eine unerwartete Funktion der Lunge

vor 11 Monaten

Jedes Organ hat eine wichtige Funktion: Der Magen verdaut, das Herz pumpt Blut und die Lunge atmet. Das dachten wir zumindest. Doch nun fand eine neue Studie heraus: Die Lunge nimmt nicht nur Luft auf, sondern stellt auch Blut her. Und das in großen Mengen.

Natürlich war schon immer bekannt, dass das atmende Organ etwas mit Blut zu tun hat. Die Lunge nimmt Sauerstoff auf und gibt ihn an Blutkörperchen weiter. Diese fließen durch den Körper und versorgen unsere Muskeln und Organe mit dem lebenswichtigen Sauerstoff. Gleichzeitig wird unnützes Kohlendioxid aus dem Blut entfernt und ausgeatmet. Dieser Gasaustausch ist lebensnotwendig. Doch wie eine Studie herausfand, ist es bei weitem nicht alles, was die Lunge kann.

Forscher entdeckten eine komplett unerwartete Funktion: Die Lunge kann Blut produzieren. Bisher war das Herstellen von Blut die Aufgabe des Knochenmarks. Dass die Lunge das auch kann, hat bis vor kurzem niemand für möglich gehalten.

Entdeckt wurde es durch ein Experiment der University of California San Francisco. Dabei beobachteten Forscher die Lungenfunktion von Mäusen. Sie waren überrascht: In der Lunge befanden sich unerwartet viele Megakaryozyten. Das sind die Vorläuferzellen von Blutplättchen. Bisher dachte man, dass sie sich nur im Knochenmark befinden. Der unerwartete Fund stellte die Forscher vor Rätsel. Scheinbar reisen die Zellen im Blutkreislauf durch den Körper:

Also experimentierten sie weiter und entdeckten: Eine Mäuselunge stellt aus Megakaryozyten den in einer Stunde mehr als zehn Millionen Blutplättchen her. Das sind mehr als fünfzig Prozent aller Plättchen im ganzen Körper. Diese werden übrigens auch „Thrombozyten“ genannt und sind für die Gerinnung von Blut zuständig. Ohne sie könnten Wunden nicht heilen. Vorsicht, Verwechslungsgefahr: Sie sind keine sogenannten „roten Blutkörperchen“ (Erythrozyten).  Die sind nämlich für den Sauerstofftransport zuständig.

Die Forscher fanden noch etwas Unerwartetes in der Lunge: Stammzellen, die bisher nur im Knochenmark vermutet werden. Scheinbar wandern die Stammzellen und Megakaryozyten zwischen dem Knochenmark und der Lunge hin und her. Wie sie sich bewegen, sieht man auch in einem Video der University of Carolina. Hier sind sie grün gefärbt:

Es folgte ein weiterer Test: Lungen mit den wandernden Zellen wurden Mäusen mit einem Mangel an Blutplättchen eingesetzt. Durch diese Transplantation wurden schnell viele neue Blutplättchen hergestellt. Der Mangel wurde ausgeglichen.

Das funktionierte selbst bei Mäusen, die keine blutproduzierenden Stammzellen im Knochenmark hatten. Die eingesetzten Lungen schickten Megakaryozyten in das Knochenmark. Dort angekommen bildeten sie nicht nur Blutplättchen, sondern auch Immunzellen. Die werden auch „weiße Blutplättchen“ oder „Leukozyten“ genannt.

Das zeigt, dass die Bedeutung der Lunge für die Blutproduktion bisher enorm unterschätzt wurde. Sie könnte sogar zur Heilung von Blutkrankheiten und beschädigtem Knochenmark beitragen. Auch Gerinnungsstörungen könnten bald behoben werden.

Der Blick in die Zukunft ist vielversprechend. Bis sich etwas Neues tut, ist aber auch ein Rückblick spannend: Auf welchem Stand war die Medizin zu Leonardo Da Vinics Zeiten überhaupt? Die Methoden waren rabiat und Narkose gab es keine. Mehr dazu in diesem Video:

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