Elliott Brown via Flickr / Ausschnitt

Hirnerkrankung macht Italiener zum Franzosen

vor 3 Jahren

Dieser kuriose Fall eines Italieners stellt Forscher vor ein Rätsel: Der 50-jährige JC gibt nach einer Hirnerkrankung den perfekten Klischee-Franzosen ab.

JC spricht ausschließlich Französisch, kauft französische Produkte und kocht französische Rezepte. Jeden Morgen lässt er vom Fenster aus ein fröhliches „Bonjour!“ ertönen. All das wäre nicht verwunderlich, wenn es sich bei JC um einen Franzosen handeln würde. Der 50-Jährige ist aber Italiener und lebt auch in Italien. Dass ihn dort kaum einer versteht, scheint ihm aber nichts auszumachen.

Die „Karikatur eines Franzosen“

Sein Französisch ist wirklich schlecht – kein Wunder, denn zuletzt hat er es vor 30 Jahren in der Schule gesprochen. Was ihm an Sprachkenntnissen mangelt, macht er mit bemerkenswerter Inbrunst wieder wett: Seine übertriebene Intonation und Gestik sollen an die Schauspieler aus französischen Filmen erinnern. Ach ja, für französische Filme und Magazine hat er inzwischen auch eine Schwäche entwickelt. Forscher bezeichnen ihn als die perfekte „Karikatur eines Franzosen“.

JC war nicht immer so, erst nach einer Hirnerkrankung und einer anschließenden OP entdeckte er den Franzosen in sich. Den Wissenschaftlern gibt sein merkwürdiges Verhalten seitdem Rätsel auf. Die Neuropsychologin Nicoletta Beschin und ihre Kollegen haben sich mit seinem Fall im Fachjournal „Cortex“ auseinandergesetzt. Sein Krankheitsbild ähnelt in Ansätzen dem Fremdsprachen-Akzent-Syndrom, bei dem Betroffene zum Beispiel nach einem Schlaganfall plötzlich in einem fremden Akzent sprechen. Nur geht JC eben noch viel weiter.

Französisch-Kurse für die Nachbarn

Abgesehen von leichten Gedächtnisstörungen hat JC keine Probleme. Auch wenn sein Verhalten merkwürdige Blüten treibt: Seine schlechten Französisch-Kenntnisse halten ihn nicht davon ab, den Nachbarn Französisch-Unterricht anzubieten. Insgesamt beschreiben die Forscher sein Verhalten als enthemmt. So kauft er zum Beispiel statt zwei Kleiderbügeln gleich 70 oder bäckt „zum Kummer seiner Frau tonnenweise Brot“.

Auch das Gehirn dieses Mannes fasziniert die Forscher: Henry Mareiles. Sein Gehirn ist für die Neurowissenschaft aus aller Welt ein Fundstück. Ein kleiner chirugischer Eingriff löschte sein Langzeitgedächtnis, dennoch lebte er 50 Jahre weiter.

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