Warum können wir uns nicht selbst kitzeln?
via Flickr/Stewart Black/CC BY 2.0

Warum können wir uns nicht selbst kitzeln?

vor 2 Jahren

Gebt es zu: Ihr alle habt schon mal probiert, euch selbst zu kitzeln. Bei den wenigsten dürfte es funktioniert haben. Aber warum? Bei anderen klappt es doch ganz wunderbar.

Die Frage lässt sich eigentlich in einem Satz beantworten: Euer Körper erwartet die Bewegungen eurer Hand und gibt diese Informationen an das Gehirn weiter. Der „Überraschungseffekt“ bleibt aus.

Für diese Art von Bewegungskontrolle gibt es einen Fachbegriff, Reafferenzprinzip. Grob gesagt sorgt es dafür, dass unser zentrales Nervensystem bestimmte Reize ausblenden kann – beispielsweise, wenn sie erwartet werden.

Jetzt fragt ihr euch bestimmt, warum andere Menschen euch kitzeln können – denn das erwartet ihr ja auch (wenn es nicht total überraschend kommt). Das liegt daran, dass unser Organismus zwischen Signalen von unserem Körper und denen von unserer Umwelt unterscheiden kann. Unsere eigenen Bewegungen können wir steuern und kontrollieren. Die von anderen Menschen nicht.

Zu verdanken haben wir das unserem Kleinhirn, das genau weiß, welche Bewegung wir als nächstes machen. Diese Informationen leitet es an das Großhirn weiter, das dafür sorgt, dass die Nervensignale an den betroffenen Stellen heruntergeschraubt werden. Deshalb empfinden wir fast nichts, wenn wir uns selbst kitzeln.

Was Kitzeln mit dem Pawlowschen Hund zu tun hat

Das hängt auch mit der Reiz-Reaktions-Theorie des berühmten Verhaltensforschers Pawlow zusammen. Sie besagt, dass die Reaktion auf einen Reiz der Auslöser für die nächste Muskelkontraktion ist. Ihr kennt bestimmt den Pawlowschen Hund. Mit diesem Experiment hat er herausgefunden, dass die Speichelbildung bei Hunden nicht erst startet, wenn sie anfangen zu fressen, sondern schon beim Anblick vom Futter. Das kann man durch Training verstärken, indem man beispielsweise schon immer vor dem Fressen ein Handy klingeln lässt (im Original war es eine Glocke). Irgendwann wird die Speichelbildung bereits anfangen, wenn ein Handy klingelt, selbst wenn gar kein Futter da ist.

Das Reafferenzprinzip selbst hat sich recht langsam verbreitet. Erst in den 1950er Jahren wurde es vom deutschen Verhaltensbiologen Erich von Holst entdeckt, beschrieben und publiziert. Aber erst ab 1980 wurden seine Erkenntnisse in anderen Arbeiten aufgegriffen.

Aber warum sind wir an manchen Körperstellen kitzliger als an anderen? Wir sind an empfindlichen Stellen am kitzligsten. Denn die müssen am meisten beschützt werden und unser Gehirn sendet ein Signal als Schutzmechanismus aus. Es ist eine Abwehrhaltung für den Fall, dass uns beispielsweise ein Insekt sticht. Wir zucken zusammen, sind in Alarmbereitschaft oder schlagen um uns.

Und das Lachen? Dafür gibt es verschiedene Theorien. Die wahrscheinlichste ist, dass unser Körper den „Schock“ in Lachen wandelt, wenn er feststellt, dass wir nicht in Gefahr sind und das Kitzeln keine wirkliche Bedrohung darstellt.

Aber am meisten mögen wir es doch, wenn wir als Zeichen von Nähe und Zuneigung gekitzelt werden. Auf eine liebevolle Weise, selbstverständlich.

Und wenn wir dabei lachen. Denn schließlich ist lachen ja gesund. Aber warum eigentlich? Und was genau passiert dabei in unserem Körper? Hier sind die Antworten:

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