Wissenschaftler glauben, dass wir einen sechsten Geschmackssinn haben
via Flickr/Lindsey Turner/CC BY 2.0

Wissenschaftler glauben, dass wir einen sechsten Geschmackssinn haben

vor 3 Wochen

Salzig, süß, bitter, sauer, umami – diese fünf Geschmackssinne sind bekannt. Forscher sind nun der Meinung, dass wir noch einen sechsten haben. Für Wasser. Was ja eigentlich geschmacklos ist. Oder?

Fun Fact am Rande: Die Karte von unserer Zunge, die wir in der Schule gelernt haben – nach der unsere Zunge in Geschmackszonen eingeteilt werden kann – ist falsch. Wir haben das hier für dich genauer erklärt.

Aber zurück zum sechsten Geschmackssinn. Schon seit Jahrtausenden versuchen „Forscher“ herauszufinden, ob wir Wasser tatsächlich schmecken können oder ob es nicht nur einen Geschmack von dem im Mund zurücklässt, das wir davor getrunken oder gegessen haben.

Davon ging zumindest schon Aristoteles 330 vor Christus aus. Wasser hätte keinen eigenen Geschmack. Diese Meinung bekam großen Aufwind in den 1920er und 1980er Jahren – durch eine Reihe von Experimenten, nach denen sogar unser eigener Speichel mehr Geschmack hätte als Wasser.

Vor wenigen Jahren waren Wissenschaftler dann der Meinung, dass Geschmack gar nicht so wirklich auf der Zunge entstehe, sondern im Gehirn. Und so würde auch Wasser eine Region im Gehirn anregen, die es uns dort schmecken lässt – nicht aber auf der Zunge. Aber die Theorie alleine kann auch nicht stimmen, da Mund und Zunge uns mitteilen, wenn wir keinen Durst mehr haben. Lange, bevor unser Körper, unser Blut, unser Darm, das unserem Gehirn mitteilen können. Die Diskussion geht also weiter.

Von vielen Insekten weiß man, dass sie Wasser schmecken können. Warum nicht auch Säugetiere? Der Biologe Yuki Oka und sein Team vom California Institute of Technology haben tatsächlich Geschmacksrezeptoren gefunden, die speziell auf normales Trinkwasser reagieren. Nur nicht dort, wo man sie erwarten würde.

Das haben sie mit elektrischen Impulsen bei Mäusen herausgefunden. Die Nerven haben zunächst auf süß, salzig, sauer, bitter und umami reagiert. Aber auch auf Wasser. Es gibt also Geschmackszellen, die extra auf Wasser anspringen. Danach haben die Forscher getestet, wie die Zellen reagieren, wenn die Nervenbahnen einer bestimmten Geschmacksrichtung unterbrochen werden. Das Ergebnis war wie erwartet: „Klemmt“ man salzig ab, wird salzig nicht mehr erkannt. Süß aber weiterhin wie gehabt.

Das Überraschende: Alle Geschmackssinne verhielten sich unabhängig voneinander, außer sauer und Wasser. Die beiden scheinen nicht voneinander trennbar zu sein. Klemmt man sauer ab, kann man auch Wasser nicht mehr schmecken. Daraus schließen die Biologen, dass wir Wasser durch die sauren Geschmacksnerven schmecken. Das beweist auch dieses Experiment:

Die Mäuse wurden ausgetrickst, dachten, sie würden Wasser trinken, weil ihr Gehirn es ihnen suggerierte. Tatsächlich leckten sie an einem Laserstrahl, der die „sauren“ Zellen animierte. Das änderte sich auch nicht, als den Mäusen bewusst wurde, dass ihr Durst nicht nachließ.

Jetzt stellt sich die Frage: Warum sind die sauren Geschmacksnerven und die für Wasser so eng miteinander verbunden? Die Wissenschaftler wollen das herausfinden, indem sie untersuchen, was genau die sauren Zellen an unser Gehirn weitergeben. Vielleicht ist sauer gar nicht sauer. Oder ganz anders, als wir es wahrnehmen.

Jetzt muss erstmal untersucht werden, ob von Mäusen auch auf den Menschen geschlossen werden kann. Und wenn das so ist, wer weiß, was sich dann noch alles in den Geschmacksnerven versteckt hält. Vielleicht haben wir einen Extrasinn für Avocados, Mozzarella oder Eier.

Dass wir fünf unterschiedliche Geschmacksrezeptoren für fünf unterschiedliche Geschmäcker haben, ist wohl zu leicht gedacht. Bisher.

Und wenn wir schon bei Wasser sind. Es ist so wichtig für uns. Wenn wir nur fünf Stunden kein Wasser trinken, passiert nämlich das mit unserem Körper:

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