Atlantropa: Als die Nazis das Mittelmeer trockenlegen sollten
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Atlantropa: Als die Nazis das Mittelmeer trockenlegen sollten

vor 2 Monaten

Seit Montag, 04. Dezember gibt es eine neue Galileo-Rubrik: Galileo What The Fakt. Dort nehmen wir krasse WTF-Momente und erklären euch die Fakten dahinter. Immer 20 Uhr geht’s auf ProSieben los und den ganzen Tag gibt’s spannende Fakten und skurrile Geschichten auf unserer Facebook-Seite.

Das Mittelmeer trockenlegen und Afrika und Europa zu einem neuen Kontinent verbinden. Ja, diese Pläne gab es tatsächlich mal. In der Nazi-Zeit, aber auch schon vorher. Das waren die Ideen „verrückter“ Wissenschaftler.

Menschen tun die verrücktesten Dinge, um berühmt zu werden. So auch Herman Sörgel. Nur wollte der gar nicht unbedingt berühmt werden. Und „verrückt“ war seine Idee auch nicht. Zumindest nicht in seinen Augen.

Herman Sörgel hatte 1929 das erste Mal diesen Gedanken. Nazi war er überhaupt nicht, ganz im Gegenteil – er war überzeugter Pazifist. Aber er hatte kein Problem damit, den Nationalsozialisten stolz von seinen Plänen zu berichten. Sörgel war Architekt und Kulturphilosoph. Manche würden sagen, er war hochbegabt. Andere, dass er einfach ein bisschen durchgeknallt war.

Mittelmeer

Er nannte seinen Masterplan Atlantropa und so auch sein gleichnamiges Buch, das er 1932 veröffentlichte. So wollte er den neuen Kontinent nennen, der durch die Trockenlegung des Mittelmeers entstünde – wenn man Afrika und Europa miteinander verbinden würde. Dazu plante er einen Staudamm an der Straße von Gibraltar. Das war zumindest die erste Maßnahme.

Denn hinzu kamen die Pläne für zwei weitere Staudämme. Einer zwischen Sizilien und Tunesien und einer vor Istanbul. Alleine das Fundament vor Gibraltar sollte 2,5 Kilometer breit und bis zu 300 Meter hoch sein. Woher die für den Bau benötigten Materialen stammen sollten, ist unklar. Genauso wie die von ihm geplanten 200.000 Arbeiter, die ihn in zehn Jahren errichten sollten.

Mittelmeer

Atlantropa
Eingezeichnet sind die geplanten Staudämme.
© via Wikimedia/Devilm25/CC BY 3.0

Und obwohl ihr jetzt schon so viel darüber wisst, stellt ihr euch wahrscheinlich noch immer die Frage: „Warum das Ganze?“. Tatsächlich hatte er seine Gründe.

Er prognostizierte, dass es in absehbarer Zeit drei große Mächte auf der Welt geben würde: Asien, Europa und Amerika. Afrika würde sich auf Grund seiner „zivilisatorischen Rückständigkeit“ abkoppeln und nur noch dazu dienen, Rohstoffe zu liefern. Es sei denn, Europa würde sich mit Afrika „zusammentun“.  Dann könnte man gemeinsam etwas erreichen.

Durchaus ehrbar Und Sörgel stellte fest, dass Kohle und Erdöl knapp bzw. teuer werden würden. Also wollte er Energie aus der Wasserkraft des Mittelmeers schöpfen. Die trockengelegten Gebiete – mit einer Größe der Fläche Spaniens – sollten dem Anbau verschiedener Nahrungsmittel dienen. Nach dem ersten Weltkrieg hoffte Sörgel, die Länder so zu vereinen – ohne Kriege. Und dann kamen die Nazis an die Macht. Wie das ausging, wissen wir.

Obwohl die Öffentlichkeit und die Medien begeistert von Sörgels Plänen waren, lehnten die Nazis sie ab. Er kämpfte bis zu seinem Tod im Jahr 1952 für Atlantropa – erfolglos, wie wir heute wissen. Keiner wollte das wohl größte (und nicht bis zum Ende durchdachte) Projekt seiner Zeit finanzieren. Nach Sörgels Tod interessierte sich keiner mehr für die Trockenlegung des Mittelmeers.

Ja, Sörgel hatte an viele Dinge nicht gedacht: Gefahren durch Plattentektonik, Tsunamis, Druckveränderung in den Ländern, Verringerung der Niederschläge in Nordafrika, niedrigere Ernteerträge, ökologische Folgen, ansteigender Salzgehalt der Restmeeres, Vernichtung des Lebensraumes unzähliger Arten, Klimawandel in der Mittelmeerregion, politische Folgen, Auswirkungen auf internationalen Warenhandel durch Schiffsverkehr, Steigung des Meeresspiegels weltweit …

Ihr seht also: wohl doch eher Wahnsinn als Genie.

Wer noch mehr zu der verrückten Idee lesen möchte, dem sei die Seite von Toon Lambrechts empfohlen.

Ein paar Nazi-Überreste findet man immer noch. In Polen ist ein mysteriöser Zug aus der NS-Zeit aufgetaucht. Wir waren dort und haben geschaut, was man im Inneren noch so findet:

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