Der Nobelpreis in Naturwissenschaften - reserviert für Männer?

Der Nobelpreis in Naturwissenschaften – reserviert für Männer?

vor 2 Jahren

Bisher haben nur sechsmal Frauen den Nobelpreis in Physik oder Chemie ergattert. Ist das der komplett maskulin geprägten Forschungskultur weit bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts geschuldet?

Leider nein, das Gegenteil scheint der Fall: in den letzten 50 Jahren hat gar nur eine Frau den Nobelpreis in diesen augenscheinlichen Männerdomänen erhalten! Vorher landete er 3 von 5 mal bei Mutter und Tochter Curie. Wie kann das sein?

Sechsmal durften sich bisher weibliche Physiker bzw. Chemiker über den Nobelpreis freuen . Die Ausbeute ist mehr als mager! Auch 2015 durften wieder ausschließlich Männer in den Disziplinen Physik und Chemie den Nobelpreis entgegennehmen – wahrlich keine Überraschung. Immerhin wurden seit 1901 zwölfmal Frauen mit dem Medizin-Nobelpreis gekürt. Die Chinesin Tu Youyou wurde dieses Jahr diese Ehre zuteil. Die Pharmakologin isolierte den zur Behandlung von Malaria eingesetzten Pflanzenstoff Artemisinin aus dem Kraut Einjähriger Beifuß – ein Wundermittel gegen die schwere Krankheit. Millionen Menschen wurde mit dem Heilstoff bereits das Leben gerettet.

Doch wieso werden für den Nobelpreis Frauen so selten berücksichtigt? Den Physik-Nobelpreis bekam lediglich Marie Curie vor über hundert Jahren und Maria Goeppert-Mayer in den Sechzigern. An zu wenig Physikerinnen kann es nicht liegen – die Zahl der ausgebildeten Wissenschaftlerinnen in diesem Feld nimmt stetig zu, doch trotzdem konnte sich über fünfzig Jahre lang schon keine Frau mehr mit dem bedeutenden Preis auszeichnen.

Wieso der Preis früher bereits selten an eine Frau ging, kann man sich vielleicht noch gut erklären. Frauen in der Wissenschaft hatten es damals besonders schwer. So musste die Chemikerin Lise Meitner in Holzkellern arbeiten, um Ihre Experimente durchzuführen. Der Zugang zu den adäquaten Experimentierräumen in den Instituten blieb ihr verwehrt. Dasselbe passierte auch den Nobelpreisträgerinnen Marie Curie oder Levi-Montalcini. Letztere funktionierte sogar Ihr Schlafzimmer in einen Forschungsort um.

Der bereits erwähnten Forscherin Meitner blieb der Preis übrigens trotz größter Mühen und Errungenschaften rund um die Entdeckung der Kernspaltung  verwehrt. Es wurde nur der Kernphysiker Otto Hahn, mit dem sie zusammenarbeitete, hierfür geehrt. Die entscheidene Mitwirkung von Meitner blieb ohne Würdigung. Keine Ausnahme: Es gibt viele weitere Beispiele an Frauen, die entscheidend an Nobelpreis-gekürten Themen mitgewirkt haben, selber aber nicht geehrt wurden.

Die Ausbildung oder der Zugang zu passenden Forschungsstätten bleibt Frauen jedoch schon lange nicht mehr verwehrt. Wieso gibt es bis heute kaum weibliche Nobelpreisträger in den Naturwissenschaften? Vielleicht liegt es doch an den fehlenden oder unzureichenden Möglichkeiten die Karriere und Kinder unter einem Hut zu bringen?

Die Medizin-Nobelpreisträgerin Nüsslein-Volhard ist der Meinung, sie hätte den Nobelpreis nicht erreicht, hätte Sie Kinder gehabt. Aus diesem Zweck hat die deutsche Biologin mit der Nüsslein-Volhard-Stiftung eine finanzielle Unterstützung für talentierte Doktorandinnen ins Leben gerufen. Nüsslein-Volhard erklärt, dass Wissenschaft kein normaler Routine-Job ist.

Nicht zuletzt ist die Nobel-Gesellschaft noch immer zu großen Teilen ein Männerbund. Männer sind in den jeweiligen Komitees, die für drei Jahre gewählt werden, in der Überzahl. 2015 bestand das Nobelkomitee für Chemie aus einer Frau und fünf Männern. Das Nobelkomitee für Physik aus immerhin zwei Frauen und vier Männern. Nüsslein-Volhard verweist auch bei der Benachteiligung von Frauen auf einen interessanten Aspekt: Wissenschaftlerinnen im Rahmen einer Kommission, vor allem wenn Sie wenige oder bisweilen die einzigen unter vielen Männern sind, geraten schnell in den Verdacht der Vetternwirtschaft. Als Frau eine Frau favorisieren gilt als verdächtig.

Alle Nobelpreisträgerinnen in den naturwissenschaftlichen Sparten findest du in diesem Video:

Wer war Alfred Nobel? Erfinder des Dynamits und Stifter des wichtigsten Wissenschaftspreises der Welt. Wir erzählen euch ein echt explosives Leben:

Facebook WhatsApp

Diese Beiträge könnten dir auch gefallen: