Du könntest die Erinnerungen deiner 400 Jahre alten Vorfahren in dir tragen
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Du könntest die Erinnerungen deiner 400 Jahre alten Vorfahren in dir tragen

vor 10 Monaten

Die meisten von uns kennen ihre biologischen Eltern und Großeltern. Bei den Urgroßeltern hingegen wird es da schon schwieriger. Doch egal, ob wir sie persönlich kennengelernt haben oder nicht – in uns schlummert ein Teil von all unseren Vorfahren. Und dieser biologische Fußabdruck geht zurück bis zur Entstehung der Menschheit. Forscher haben jetzt in einer Studie herausgefunden, dass es nicht nur unsere Gene sind, die wir weitervererben, sondern auch spezielle Erinnerungen, die in unseren Genen festgeschrieben werden – und das sogar über 14 Generationen hinweg.

Wissenschaftler rund um Adam Klosin haben dies jetzt an gentechnisch veränderten Fadenwürmern getestet. Den Würmern wurde ein zusätzliches Gen in ihre DNA eingesetzt, das ein fluoreszierendes Protein enthält. Wenn dieses Gen aktiv ist, dann leuchten die Fadenwürmer unter ultraviolettem Licht. Um zu untersuchen, wie die Umwelt sich auf die Aktivität dieses Gens auswirkt, haben die Forscher die Würmer in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe wurde bei 20 Grad Celsius untersucht, die andere bei 25 Grad Celsius.

Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass das eingefügte Gen bei höheren Temperaturen aktiver war. Das Ergebnis: Die Würmer leuchteten stärker. Kurz darauf wurden sie wieder der Ausgangstemperatur ausgesetzt.

Das Erstaunliche: Die Forscher konnten beobachten, dass diese Würmer stärker glühten als ihre Artgenossen, die den wärmeren Temperaturen nicht ausgesetzt waren. Dies legt nahe, dass sie eine Art „Umweltgedächtnis“ der wärmeren Temperaturen beibehielten. Diese höhere Aktivität des Gens – und damit die stärkere Leuchtkraft – wurde dann sogar an die nachfolgenden 14 Generationen der Fadenwürmer weitervererbt, die selbst jedoch nie in Temperaturen über 20 Grad Celsius gelebt hatten.

„Wir wissen nicht genau, warum das passiert, aber es könnte eine Form der biologischen Zukunftsplanung sein“, erklärt Adam Klosin. Dies ist bei den Würmern auch sehr sinnvoll, da ihre Lebenserwartung nur gering ist. Um das einmal zu verdeutlichen: Diese 14 Generationen der Fadenwürmer umfassen gerade einmal eine Zeitspanne von 50 Tagen. Daher ist es für die Würmer sinnvoll, eine Art Erinnerung über die derzeitigen Lebensumstände weiterzuvererben. So sind ihre Nachkommen optimaler an die aktuelle Umwelt angepasst.

Doch auch beim Menschen konnten ähnliche Vererbungs-Phänomene nachgewiesen werden. Beispielsweise haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Nachkommen von Holocaust-Überlebenden ein niedrigeres Level des Hormons Cortisol besitzen. Dieses hilft dem Körper, sich von einem Trauma zu erholen.

Ob diese Erinnerungen jedoch auch beim Menschen über 14 Generationen hinweg vererbt werden, ist bisher noch offen. Klar ist jedoch, dass die Evolution noch viel komplexer ist als wir häufig annehmen. Und dass in unseren Genen vielleicht umweltbedingte Erinnerungen von unseren Vorfahren von vor Hunderten von Jahren schlummern, ist eine erstaunliche Vorstellung.

Was sich die Evolution bei diesen verrückten Tieren gedacht hat, erfahrt ihr hier:

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