Versteinerter Tumor mit Zähnen auf Friedhof ausgegraben
Wasterlian et al/International Journal of Paleopathology

Versteinerter Tumor mit Zähnen auf Friedhof ausgegraben

vor 9 Monaten

Friedhöfe sorgen nicht umsonst bei vielen Menschen für Schauder und Gänsehaut. Denn ja, da kommen gruselige Dinge ans Licht. Manchmal auch versteinerte Tumore mit Zähnen aus dem Mittelalter. Wie jetzt in Portugal.

Der Eierstock-Tumor mit mindestens fünf gut erhaltenen Zähnen und möglicherweise Knochen-Fragmenten wurde auf einem Friedhof in Lissabon ausgegraben. Er stammt aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. Was unfassbar gruselig klingt, passiert gar nicht so selten. Vor ein paar Monaten haben wir über eine 16-Jährige berichtet, der ein Mini-Hirn und Schädel-Teile aus dem Eierstock entfernt wurden. Auch in diesem Fall wurden sie in einem Tumor gefunden.

Etwa ein Fünftel aller Eierstock-Tumore beinhalten fremdes Gewebe. Dazu gehören Haare, Knorpel, Fett, Muskel- oder  Hirngewebe und eben Zähne. In den meisten Fällen sind sie allerdings gutartig und es reicht, wenn man sie operativ entfernt. Man nennt sie Teratome. Das leitet sich vom griechischen Wort teras für Monster oder Schreckbild ab.

Einer der Zähne
Fünf wurden im Teratom gefunden.
© Wasterlian et al/International Journal of Paleopathology

Aber wie kann sich ein Teratom überhaupt entwickeln? Dazu gibt es verschiedene Theorien. Die wahrscheinlichste ist die KeimversprengungstheorieSie geht davon aus, dass Keimmaterial in der Embryonalentwicklung übrig geblieben ist und sich nicht weiterentwickeln konnte. Daraus wächst der Tumor mit „menschlichem“ Gewebe.

Im portugiesischen Friedhof wurden zwischen 2010 und 2011 42 Körper ausgegraben. Zwischen dem 15. Jahrhundert bis 1755 wurden auf ihm Menschen bestattet. Dann zerstörte ein Erdbeben die Kirche. An einem Skelett wurde das 4,3 Zentimeter große Teratom in der Beckengegend gefunden. Die Frau muss etwa 45 Jahre alt gewesen sein, als sie starb. Bisher konnten die Wissenschaftler noch nicht herausfinden, wie alt das Skelett genau ist.

Tumor

Skelett
Daran wurde der Tumor gefunden
© Wasterlian et al/International Journal of Paleopathology

Zunächst war auch nicht klar, was genau sie da gefunden hatten. Deshalb sandten die Archäologen den mittlerweile versteinerten Klumpen zur Untersuchung an die Universität Coimbra. Es gab verschiedenste Theorien – auch, dass es sich um eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter gehandelt haben könnte. Die mit dem Teratom erschien aber am wahrscheinlichsten. Ob er am Tod der Frau verantwortlich war, ist noch nicht erforscht.

In der Vergangenheit wurden schon drei Mal solche verkalkten Teratome gefunden. Das letzte vor vier Jahren in Spanien, das ungefähr 1.000 Jahre älter war. Solche Tumore sind aus wissenschaftlicher Sicht höchst interessant, weil Forscher daraus ableiten können, welche Krankheiten damals schon existierten. Damit lässt sich ausschließen, dass sie erst in der modernen Gesellschaft enstanden sind.

Tote ausgraben ist das eine, zwischen Toten wohnen für uns aber unvorstellbar. Nicht auf den Philippinen. Dort leben 2.000 Familien auf einem Friedhof. Warum sie das müssen und wie es sich dort lebt, seht ihr hier:

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