Wie eine erfundene Krankheit die Nazis austrickste und Dutzenden Menschen das Leben rettete
via Flickr/University of Liverpool Faculty of Health & Life Sciences/CC BY-SA 2.0

Wie eine erfundene Krankheit die Nazis austrickste und Dutzenden Menschen das Leben rettete

vor 2 Jahren

Die Gräueltaten der Nazis sind bekannt. Aber zum Glück gab es immer wieder clevere und mutige Menschen, die es  schafften, einige ihrer potentiellen Opfer vor ihnen zu retteten. In diesem Fall mit einem besonders gewagten Trick: mit einer ausgedachten Krankheit.

Es war im Herbst 1943, als im besetzten Italien die Nazis nach und nach um die 10.000 Juden in Konzentrationslager schafften. Aber es gab einige regimekritische Ärzte, die Dutzenden Juden das Leben retteten. Sie schufen eine mysteriöse Krankheit – so ansteckend und gefährlich, dass die Nazis nicht mal im gleichen Raum mit den Infizierten sein wollten.

Die List kam erst 60 Jahre später ans Licht. Zwei Ärzte aus der Nähe von Rom – Vittorio Sacerdoti und der Chirurg Giovanni Borromeo – hatten sie sich ausgedacht, als die Nazis eine Gruppe Juden im Krankenhaus Fatebenefratelli festsetzen wollten. Um zu funktionieren, musste die Krankheit tödlich und hoch ansteckend sein. Also erfanden sie ein Schauermärchen von hochansteckenden Infizierten. Und ja, ein Kontakt mit ihnen wäre tödlich.

Nazis

Giovanni Borromeo
Einer der Ärzte, der sich Syndrom K ausdachte.
© via Wikipedia/Fabio-Staffetta/CC BY-SA 3.0

Die Krankheit bekam den Namen Syndrom K. Darauf kam der Antifaschist Dr. Adriano Ossicini. Denn irgendwie musste man ja die „falschen“ Patienten von den richtigen unterscheiden können. Auf ihren Papieren bei der Einweisung wurde die Krankheit Syndrom K angegeben und jeder im Krankenhaus wusste, dass es sich dabei um einen Flüchtling handelte.

Das „K“ stand für Kesselring oder auch Kappler. Albert Kesselring, ein Nazi-Kommandant, der für Hitlers Invasion in Italien verantwortlich war. Oder Herbert Kappler, der als SS-Führer hauptverantwortlich für das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen war. Also ein passender Name für eine „Krankheit“, die andere dahinraffte.

Um es den Soldaten so glaubhaft wie möglich zu verkaufen, wurden ganze Patientenzimmer für „Patienten“ mit Syndrom K hergerichtet – mit dem Verweis auf die Gefährlichkeit und das hohe Ansteckungspotential der Infektion. Und das funktionierte so gut, dass die Nazis nicht mal auf die Idee kamen, die „Erkrankten“ genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Ärzte unterrichteten die jüdischen Flüchtlinge – unter ihnen auch Kinder – , wie man ordentlich hustet, wenn man eine schlimme Krankheit hat. Die deutschen Soldaten nahmen Reißaus. Und die Gesuchten wurden damit gerettet.

Erst über ein halbes Jahrhundert später kam ans Licht, was die Ärzte vollbracht hatten. Sie wurden ausgezeichnet, interviewt und retteten so etwa 25 Menschen vor dem KZ (die genaue Zahl ist nicht bekannt). Das Krankenhaus selbst bekam auch eine Auszeichnung, auch weil es jüdischen Ärzten – wie Sacerdoti selbst – die Möglichkeit gab, zu arbeiten, während sie woanders für ihre Herkunft gefeuert wurden.

Leider gibt es auch heute noch viele Anhänger der Nationalsozialisten. Einige von ihnen wachen auf. Und wollen raus aus der Szene. Wir haben so jemanden begleitet. Einen Nazi-Aussteiger, der uns mit viel Mut von seiner Entscheidung und seinem neuen Leben erzählt:

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