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49-Euro-Ticket: Was du über das Deutschlandticket wissen solltest

Das bundesweite 49-Euro-Ticket kommt. Wir klären, ab wann das sogenannte Deutschlandticket verfügbar sein soll, wo es gilt und wie es finanziert wird. Im Clip: So könnte kostenloser ÖPNV finanziert werden.
49-Euro-Ticket: Was du über das Deutschlandticket wissen solltest
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Das Wichtigste zum Thema 49-Euro-Ticket

  • Das 9-Euro-Ticket ist Geschichte: Die Flatrate-Fahrkarte für Bus und Bahn war als Teil eines Entlastungspaketes vom 1. Juni bis 31. August gültig.

  • Aus 9 wird 49: Seit Monaten haben Politiker:innen und Verbände über ein Nachfolge-Ticket diskutiert. Jetzt haben sich Bund und Länder auf einen bundesweiten Fahrschein für 49 Euro pro Monat geeinigt.

  • Das All-Inclusive-Paket für den ÖPNV soll bestenfalls zum Jahresbeginn 2023 und spätestens im Frühjahr starten. Wie das 9-Euro-Ticket wird der Fahrschein bundesweit im Nahverkehr gelten. Ausgenommen sind Fernzüge wie der ICE.

  • Größter Streitpunkt war die Finanzierung. Denn die Bundesländer forderten für eine Beteiligung an den Kosten mehr Geld für den Ausbau des Nahverkehrs.

49-Euro-Ticket für Deutschland: Das ist geplant

Einfach, transparent und gut für die Umwelt: Für einen günstigen Fahrschein im ÖPNV spricht vieles. Politiker:innen, Verbände und Gewerkschaften waren sich deshalb schnell einig, dass ein Nachfolger für das 9-Euro-Ticket her muss. Uneinig war man sich hingegen darüber, wie viel das Ticket kosten soll - und wer es finanziert.

Jetzt haben sich Bund und Länder auf ein 49-Euro-Ticket festgelegt. Der Fahrschein wird bundesweit im Nahverkehr gelten und personalisiert, also nicht übertragbar, sein.

Das Ticket soll im digitalen Abo für 49 Euro im Monat angeboten werden. Heißt: Anders als im 9-Euro-Modell wird der Fahrschein nicht am Automaten oder am Schalter verfügbar sein, sondern nur in den Apps und auf den Webseiten der Verkehrsverbünde. Das Abo ist monatlich kündbar.

Mit 49 Euro liegt das bundesweite Ticket im Durchschnitt deutlich unter den Preisen für Monatskarten bei den regionalen Verkehrsverbänden. Zum Vergleich: In Köln kostet das günstigste Monatsticket im Abo 68,10 Euro pro Monat. Nach einem Jahr Laufzeit könnte sich der Preis für den bundesweiten Fahrschein aber erhöhen, erklärten Bund und Länder im Entschlusspapier.

Verkehrsminister Volker Wissing visiert als Startdatum den 1. Januar 2023 an. Dieser Termin scheint aktuell aber kaum umsetzbar. Wahrscheinlicher ist eine Einführung im Frühjahr. 

Wo du das 49-Euro-Ticket nutzen kannst

  • 🚌

    Linienbusse

  • 🚋

    S- und U-Bahnen sowie Straßenbahnen

  • 🚊

    Regional- und Regionalexpress-Züge (2. Klasse)

  • Keine Gültigkeit hat das Spar-Ticket bei Fernreisen. Also bei IC, ICE, EC und bei Fernbussen.

Wie soll das 49-Euro-Ticket finanziert werden?

Größtes Streitthema in der Debatte war die Finanzierung. Während Finanzminister Christian Linder (FDP) dem möglichen 9-Euro-Ticket-Nachfolger früh eine Absage erteilen wollte, hielt Verkehrsminister und Partei-Kollege Volker Wissing an einer Realisierung fest. Allerdings nur, wenn sich die Bundesländer beteiligen.

Das 9-Euro-Ticket finanzierte der Bund mit rund 2,5 Milliarden Euro. Für das 49-Euro-Modell werden sich Bund und Länder die Kosten von drei Milliarden Euro teilen. Diesem Deal stimmten die Bundesländer aber erst zu, als der Bund weitere Zuschüsse für den Ausbau und die Instandhaltung des ÖPNV zusicherte.

Zu teuer? Das 49-Euro-Ticket in der Kritik

  • Ein Nachfolger für das 9-Euro-Ticket müsse "für alle bezahlbar sein", forderte die Linken-Chefin Janine Wissler. 49 Euro seien für einkommensschwache Personen und Familien keine akzeptable Lösung, sagte auch der Sozialverband Deutschland.

  • Zeitgleich kritisieren Politiker:innen und Expert:innen fehlende Investitionen in die Infrastruktur und Personal. "Was nützt ein günstiges Ticket, wenn die Züge nicht mehr fahren", sagte die saarländische Verkehrsministerin Petra Berg (SPD).

  • Auch der Deutsche Städtetag appelliert an die Politik, dass der Ausbau des Nahverkehrs nicht in den Hintergrund rücken darf. Man müsse auch weiter in die öffentlichen Verkehrsmittel investieren, damit sich ein günstiges Ticket überhaupt auszahlt.

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29 Euro pro Monat oder 365 Euro pro Jahr: Diese Vorschläge gab es noch

🚉 Das regionale 29-Euro-Ticket

Umweltverbände forderten als schnelle Nachfolge für das 9-Euro-Ticket ein Ticket für 29 Euro pro Monat. Auch die Grünen unter dem Vorsitz von Ricarda Lang unterstützen ein Monats-Ticket für 29 Euro - dann aber auf regionaler, statt auf bundesweiter Ebene.

🚉 Das 69-Euro-Ticket

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) schlug hingegen ein 69-Euro-Monatsticket als Nachfolge-Modell vor. Der VDV schätzte die jährlichen Kosten für ihren Vorschlag auf etwa zwei Milliarden Euro.

🚉 Das 365-Euro-Ticket

Schon vor der Einführung des 9-Euro-Tickets heiß diskutiert: Das 365-Euro-Modell. Als Jahres-Abo für Schüler:innen, Studierende und Azubis ist das Ticket bereits in mehreren Bundesländern gültig und kostet die Fahrgäste damit einen Euro pro Tag. Auch CSU-Chef Markus Söder sprach sich für das 365-Ticket als Nachfolger aus.

Das 9-Euro-Ticket in der Bilanz

  • 🚉

    52 Millionen verkaufte Tickets zählten die Deutsche Bahn und die regionalen Verkehrsverbände im Sommer insgesamt. On top kommen monatlich noch 10 Millionen Abo-Besitzer:innen, die nicht zusätzlich ein eigenes 9-Euro-Ticket kaufen mussten.

  • 👀

    Jede:r fünfte Inhaber:in des 9-Euro-Tickets hätte die öffentlichen Verkehrsmittel neu für sich entdeckt, teilte die Deutsche Bahn mit.

  • 🗣

    Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zieht eine positive Bilanz. Umfragen zeigten, dass "wir viele Umsteiger haben", so VDV-Geschäftsführer Oliver Wolff.

  • 🚘

    Jede:r Zehnte hat mindestens eine Fahrt mit Bus oder Bahn gemacht, die sonst mit dem Auto erledigt worden wäre. Dadurch seien laut VDV rund 1,8 Millionen Tonnen CO2 eingespart worden.

  • 👍

    Auch Forschungs-Ergebnisse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und des Statistischen Bundesamts zeigen: Das 9-Euro-Ticket hat die Mobilität der Menschen in Deutschland verändert.

  • 📈

    In den ersten Juni-Tagen verzeichnete das Statistische Bundesamt einen Anstieg der Nutzung von 56 Prozent zum Vergleichs-Jahr 2019. Und auch Mitte August blieb die Anzahl der Bahnfahrten noch 40 Prozent über dem Vor-Corona-Niveau.

  • 🚞

    Laut DLR-Studie galt der Flatrate-Fahrschein aber vor allem als preiswerte Ausflugs-Alternative. Nur 18 Prozent der Befragten nutzten das Ticket für ihren täglichen Arbeitsweg.

Andere Länder, andere Tickets: Was wir uns abschauen können

  • 🇦🇹

    In Wien und Salzburg kann man für umgerechnet einen Euro pro Tag mit den "Öffis" fahren - dank des 365-Euro-Tickets. Seit 2021 gibt’s das "KlimaTicket Ö" für 1.095 Euro (3 x 365 Euro) im Jahr - das gilt sogar für ganz Österreich. Aktion bis Ende Dezember: Wer sich für das Angebot entscheidet, bekommt ein "KlimaMonat" geschenkt und darf das Ticket 13 Monate nutzen.

  • 🇱🇺

    "Gratis fahren mit Bus, Bahn und Tram": Das gilt in Luxemburg seit 1. März 2020. Damit ist das Großherzogtum das erste Land weltweit, das den öffentlichen Transport kostenlos gemacht hat.

  • 🇲🇹

    Malta hat am 1. Oktober 2022 den kostenlosen Nahverkehr eingeführt. Dabei handelte es sich nicht um eine Reaktion auf den Ukraine-Krieg, die Regierung kündigte den Plan bereits im Oktober 2021 an. Eines der Ziele, das erreicht werden soll: weniger Abhängigkeit vom Auto.

  • 🇪🇪

    In der estnischen Hauptstadt Tallinn dürfen seit 2013 alle dort gemeldeten Bürger:innen Bus und Bahn zum Nulltarif nutzen. Und zwar deshalb, weil sich viele Einheimische in der Finanzkrise keine Tickets mehr leisten konnten. Mittlerweile gilt die Umsonst-Regelung auch in den meisten Landkreisen Estlands.

  • 🇫🇷

    Die Bewohner:innen der französischen Stadt Dünkirchen müssen ebenfalls nichts bezahlen, wenn sie in öffentliche Verkehrsmittel steigen. Seit 2018 lautet die Devise, "die Leute wieder in die Busse zu bringen". Laut einer Studie klappte das: Die Hälfte der Befragten gab an, viel öfter Bus zu fahren als zuvor. Etwa fünf Prozent sagten, sie hätten ihr Auto verkauft oder sich gegen den Kauf eines zweiten Autos entschieden.

Monheim macht's vor: Gratis-Fahren in Deutschland

Eine deutsche Stadt hat den kostenlosen ÖPNV bereits eingeführt. Die Stadt Monheim am Rhein in Nordrhein-Westfalen bietet seit 2020 den Einwohner:innen eine Gratis-Nutzung von Bus und Bahn an.

In Tübingen, Ulm und Neu-Ulm können Fahrgäste zumindest samstags ohne Ticket die Buslinien nutzen.

Die häufigsten Fragen zum 49-Euro-Ticket

  • ⁉️

    Wie funktioniert das 49-Euro-Ticket?

    Mit dem Ticket wird die Regierung einen deutschlandweit gültigen Fahrschein für 49 Euro pro Monat einführen. Das 49-Euro-Ticket soll im Abo-Modell verfügbar sein und monatlich kündbar sein.

  • ⁉️

    Für was gilt das 49-Euro-Ticket?

    Das 49-Euro-Ticket gilt deutschlandweit im kompletten Regional-Verkehr: Also in Bus, S- und U-Bahn, Straßenbahnen und Regionalzügen. Ausgenommen sind nur Fernzüge wie IC, ICE und Fernbusse.

  • ⁉️

    Wo kaufe ich das 49-Euro-Ticket?

    Das 49-Euro-Ticket wird nur digital verfügbar sein - also über die Apps und Webseiten der Verkehrsverbünde. Am Schalter und am Automaten soll das Ticket nicht angeboten werden.

  • ⁉️

    Ab wann gibt es das 49-Euro-Ticket?

    Ursprünglich sollte das 49-Euro-Ticket zum 1. Januar 2023 eingeführt werden. Aktuell ist das Startdatum aber noch unklar. Viele Expert:innen halten März oder April für realistischer.

Veröffentlicht: 22.11.2022 / Autorin: Heike Predikant