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9-Euro-Ticket

Was kommt nach dem 9-Euro-Ticket?

Das 9-Euro-Ticket nutzen Millionen von Menschen, am 31. August 2022 läuft es jedoch aus. Ein Überblick über mögliche Nachfolger und nachahmenswerte Angebote anderer Länder. Im Clip: Wer soll kostenlose Bus- und Bahntickets bezahlen?
Was kommt nach dem 9-Euro-Ticket?
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Das Wichtigste zum Thema Nachfolge 9-Euro-Ticket

  • Das 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn kam am 1. Juni 2022 und ist noch bis 31. August 2022 erhältlich. Nun wird über einen Nachfolger diskutiert.

  • Der Verband Deutscher Verkehrs-Unternehmen (VDV) hat sich für ein dauerhaftes 69-Euro-Ticket ab 1. September 2022 ausgesprochen. Die Fahrkarte soll ebenfalls bundesweit für den öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) gelten, aber nicht auch automatisch für Abonnent:innen.

  • Weitere Vorschläge reichen vom 29-Euro-Monatsticket bis zum 365-Euro-Jahresticket. Die Frage nach der Finanzierung steht noch offen.

  • Die Bundesregierung beschloss das 9-Euro-Ticket als Teil eines Entlastungspakets. Auslöser war Russlands Krieg gegen die Ukraine, der zu stark erhöhten Energie-Preisen führte. Zudem wollte man mit dem Angebot Autofahrer:innen zu einem umweltfreundlichen Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel bewegen.

  • Das 9-Euro-Ticket gilt als Erfolg. Im Juni wurde es rund 21 Millionen mal verkauft.

Wie soll das Nachfolge-Ticket finanziert werden?

Das 9-Euro-Ticket finanziert der Bund mit rund 2,5 Milliarden Euro. Als Nachfolger plant die Bundesregierung ein vergünstigtes "Klima-Ticket". Zunächst aber ginge es darum, ein stimmiges Preis-Leistungsverhältnis auszuloten und die Finanzierung zu klären. "Wir brauchen ein Modell, das in die Haushalte der Länder und auch in den Haushalt des Bundes passt", so Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP). Ein Nachfolge-Ticket soll Ende des Jahres oder Anfang 2023 kommen.  

Der VDV plädiert für ein 69-Euro-Ticket und schätzt die jährlichen Kosten auf etwa zwei Milliarden Euro. Die ließen sich 2022 noch über den mit der Politik ausgehandelten Rettungsschirm für Verkehrs-Unternehmen finanzieren. Für das neue Jahr brauche es dann eine neue Regelung. 

Andere Länder, andere Tickets: Was wir uns abschauen können

  • 🇦🇹

    In Wien und Salzburg kann man für umgerechnet einen Euro pro Tag mit den "Öffis" fahren - dank des 365-Euro-Tickets. Seit 2021 gibt’s das "KlimaTicket Ö" für 1.095 Euro (3 x 365 Euro) im Jahr. Aktuelle Aktion: Wer sich für das Angebot entscheidet, bekommt ein "KlimaMonat" geschenkt und darf das Ticket 13 Monate nutzen.

  • 🇱🇺

    "Gratis fahren mit Bus, Bahn und Tram": Das gilt in Luxemburg seit 1. März 2020. Damit ist das Großherzogtum das erste Land weltweit, das den öffentlichen Transport kostenlos gemacht hat.

  • 🇲🇹

    Malta möchte am 1. Oktober 2022 den kostenlosen Nahverkehr einführen. Dabei handelt es sich nicht um eine Reaktion auf den Ukraine-Krieg, die Regierung kündigte den Plan bereits im Oktober 2021 an. Eines der Ziele, das erreicht werden soll: weniger Abhängigkeit vom Auto.

  • 🇪🇪

    In der estnischen Hauptstadt Tallinn dürfen seit 2013 alle dort gemeldeten Bürger:innen Bus und Bahn zum Nulltarif nutzen. Und zwar deshalb, weil sich viele Einheimische in der Finanzkrise keine Tickets mehr leisten konnten. Mittlerweile gilt die Umsonst-Regelung auch in den meisten Landkreisen Estlands.

  • 🇫🇷

    Die Bewohner:innen der französischen Stadt Dünkirchen müssen ebenfalls nichts bezahlen, wenn sie in öffentliche Verkehrsmittel steigen. Seit 2018 lautet die Devise, "die Leute wieder in die Busse zu bringen". Laut einer Studie klappte das: Die Hälfte der Befragten gab an, viel öfter Bus zu fahren als zuvor. Etwa fünf Prozent sagten, sie hätten ihr Auto verkauft oder sich gegen den Kauf eines zweiten Autos entschieden.

Veröffentlicht: 20.07.2022 / Autorin: Heike Predikant