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Abenteurer, Kommandeur, Mediator - was hat es mit dem "16-Personalities-Test" auf sich?

Sternzeichen waren gestern, jetzt sind Persönlichkeitstests im Trend: "16 Personalities" ordnet dich einem von 16 Typen zu. Kennen wir das nicht irgendwoher? Ein Ausflug in die Psychologie.

Das Wichtigste zum Thema 16-Personality-Test

  • Der Test aus London begegnet uns als Empfehlung von Freunden, in Whatsapp-Chats, auf Social Media. "Ich bin Aktivist und was bist du?" - nicht unwahrscheinlich, dass dich das demnächst jemand fragt.

  • "Sie finden sich oft in Tagträumereien wieder, wenn Sie in der Natur unterwegs sind." 60 Fragen wie diese kreuzt du auf einer Skala von "stimmt nicht" bis "stimmt" an. Nach etwa 12 Minuten siehst du das Ergebnis.

  • Laut "16 Personalities" zählst du zur Familie der Analysten, Diplomaten, Wachen oder Forscher. Die 4 Gruppen unterteilen sich wiederum in jeweils 4 Typen.

  • Woher weiß der Test, wie ich ticke? Viele Menschen sind überrascht von der Genauigkeit und teilen die Ergebnisse mit ihren Freunden.

16 Typen - kommt dir bekannt vor?

Der "16-Personalities-Test" beruht auf dem Prinzip des Myers-Briggs-Typenindikators. Der orientiert sich wiederum an Theorien, mit denen sich der Psychologe Carl Gustav Jung vor fast 100 Jahren (1921) bereits beschäftigt hat.

Die Amerikanerin Katherine Cook Briggs und ihre Tochter Isabel Briggs Myers entwickelten seinen Ansatz 1945 weiter. So entstand der berühmte "Myers-Briggs-Indikator".

Psychologe Carl Gustav Jung


Carl Gustav Jung legte den Grundstein für den Test. Sein berühmtes Zitat: "Normal zu sein, ist das Ideal der Mittelmäßigen."
© picture alliance/Mary Evans Picture Library

 

Vor allem in den USA ist der "Myers-Briggs-Test" ein beliebtes Hilfsmittel bei Bewerbungsverfahren. Extrovertierter Idealist? Gute Führungskraft. Empathischer Enthusiast? Toller Teamplayer. Beim Myers-Briggs-Indikator haben die Persönlichkeits-Typen komplizierte Buchstaben-Kombinationen, wie "ENFP-T".

Der "16-Personalities-Test" macht die Typen durch Titel wie "Abenteurer" oder "Mediator" nun kostenlos für alle greifbar. Die Beschreibungen sind unterhaltsam und gehen über die Berufswelt hinaus. Du erfährst auch, wie du liebst, Freundschaften pflegst oder als Elternteil tickst.

Reine Typsache? Jeder tickt anders

  • 🧘

    Du bist ein ein Advokat? Dann bist du ein "ruhiger und mystischer, aber sehr inspirierender und unermüdlicher Idealist" - und die seltenste Persönlichkeit der Welt. Nur etwa 1,5 Prozent der Menschheit sind Advokaten.

  • 😇

    Du bist ein Verteidiger? Dann bist du "ein äußerst hingebungsvoller Verteidiger und Beschützer" und hast viele Seelenverwandte. Diese Persönlichkeit kommt mit rund 13 Prozent weltweit am häufigsten vor.

  • 🌎

    Extroviertiert oder introvertiert? Das ist laut Test auch kulturell bedingt. So sind die Spanier eher extrovertiert, die Deutschen eher introvertiert. Hier findest du die weltweiten Unterschiede auf einen Blick.

Kennt mich "16 Personalities" wirklich? Das sagt die Wissenschaft dazu

  • 🧐

    Der Test hat auch Kritiker. Wissenschaftlich gesehen ist er zwar fundierter als ein Horoskop, aber die psychologische Forschung hat da trotzdem so ihre Zweifel.

  • 😵

    Die Kritik: Das Testergebnis sei stimmungsabhängig und könne sich je nach Laune ändern - und die Persönlichkeit des Einzelnen sei facettenreich und ließe sich nicht pauschal in 16 Typen unterteilen.

  • 🌌

    Den Hype sehen Forscher damit begründet, dass die Typ-Beschreibungen ähnlich wie Horoskop-Aussagen sind: Generisch und charmant. Deshalb identifiziert man sich so gerne damit.

  • 😉

    Fazit: Über die Genauigkeit lässt sich streiten, aber ein unterhaltsamer Zeitvertreib ist der Test allemal. Und ein paar Komplimente haben schließlich noch keinem geschadet.

Veröffentlicht: 16.04.2020 / Autor: Carina Neumann-Mahlkau

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