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Adonis-Komplex: Wenn die Sucht nach mehr Muskeln zur Depression führt

vor 3 Jahren

Wann ist ein Mann männlich? Wenn er erfolgreich im Beruf ist? Wenn er klug ist? Wenn er souverän durchs Leben geht und ihn nichts erschüttern kann? Wenn es um die persönlichen Eigenschaften eines Mannes oder um dessen Charakterzüge geht, dann lässt sich „Männlichkeit“ heutzutage nur schwer definieren. Wen es um Äußerlichkeiten geht, ist das schon einfacher. Muskeln sind männlich. Punkt. Das war schon immer so und das wird wohl auch immer so bleiben.

Kein Wunder also, dass sich so mancher Mann mehr Muckis wünscht. Dieser Wunsch nach mehr Muskeln kann aber schnell zur Sucht werden. Dann spricht man von Muskelsucht, Bigorexie oder Adonis-Komplex. Viele Namen für ein und dasselbe Problem: Eine Störung des Selbstbilds die vorwiegend bei Männern anzutreffen ist. Der eigene Körper wird als viel zu schwach und mickrig wahrgenommen.

Wie eine aktuelle Studie, die von Forschern an der University Sydney durchgeführt wurde, ergeben hat, neigen Betroffene häufig dazu, auf Steroide zurückzugreifen, was wiederum zu psychischen Störungen führen kann. Dieses Krankheitsbild wird laut dem Forschungsleiter Scott Griffiths viel zu selten festgestellt.

Er erklärte, dass Betroffene zu einem hohen Risiko neigen, an Depressionen zu erkranken – zum Teil als Folge der eigenen Vorstellung, wie heutzutage ein Mann auszusehen hat. Und das Stigma „Ein richtiger Mann hat keine Depressionen“ macht das Problem noch schlimmer. Aus Scham und Angst wird dann darauf verzichtet, Hilfe zu suchen. Ein Teufelskreis.

“Darüber hinaus berichten Männer, dass sie sich minderwertig fühlen, wenn sie um Hilfe bitten. Und das geht oft mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Essstörungen einher, die nicht diagnostiziert werden“, erklären die Autoren.

Die Studie ergab darüber hinaus, dass in den zehn Jahren, zwischen 1998 und 2008, die Zahl extremer Diäten und Essstörungen bei Männern stärker angestiegen ist, als bei Frauen.

Unter 2000 Studienteilnehmern, bestehend aus Männern und Frauen, klagten sieben von zehn darüber, dass sie unzufrieden mit ihrem Körper seien. Dabei waren 60 Prozent der Männer und immer noch eine Mehrheit von 80 Prozent der Frauen mit ihrem Körper unzufrieden.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Studie zeigt zum einen, dass Männer viel häufiger Probleme mit ihrem Körper haben, als man denken würde. Aus Scham sprechen sie aber oft nicht darüber, was die ganze Sache noch schlimmer macht. Zum anderen kann der übertrieben Körperkult aber auch zu weiteren psychischen Erkrankungen führen.

Das Wichtigste: Wenn man Probleme hat, dann sollte man unbedingt mit jemanden darüber sprechen und sich Hilfe suchen. Die gibt es da draußen nämlich zu genüge. Beispielsweise bei der Telefonseelsorge Deutschland. Über diese Nummer könnt ihr euch kostenlos beraten und vermitteln lassen: 0800/11 0111

Die Studie wurde im Fachmagzin Public Health veröffentlicht.

Wer nun noch wissen will, was eigentlich im Körper passiert, wenn es einem schlecht geht, der sollte sich diesen Beitrag nicht entgehen lassen:

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