Themenseiten-Hintergrund

Was uns die Bio-Siegel wirklich verraten

Bio, öko oder regional - wer sich gesund und nachhaltig ernähren möchte, hat die Qual der Wahl. Wir helfen dir, die unterschiedlichen Siegel und Standards besser zu verstehen.

Das Wichtigste zum Thema Bio-Siegel

  • Nur 6 Prozent der Deutschen kaufen ausschließlich Bio-Lebensmittel. Aber immerhin 43 Prozent geben an, sie häufig in den Korb zu legen.

  • Sich besser und gesünder zu ernähren, ist gar nicht so einfach. Viele Lebensmittel werben mit der Aufschrift "Bio" und zahlreichen unterschiedlichen Siegeln.

  • Ist überall wo Bio draufsteht, auch Bio drin? Willst auch du wissen, wer die einzelnen Siegel vergibt und was sie bedeuten, dann erklären wir dir unten einige der begehrten Labels.

Quelle zu 1: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Die Deutschen haben immer mehr Appetit auf bio

Staatliche Stempel für "Bio" und "Öko"

Seit 2001 gibt es das sechseckige staatliche Bio-Siegel. Es kennzeichnet Lebensmittel, die den EU-Vorschriften für ökologischen Landbau entsprechen und deren Produktion mindestens einmal jährlich kontrolliert wurde. Dann dürfen sie als  "Bio" oder "Öko" verkauft werden. Die Bezeichnung "aus kontrolliertem Anbau" hat damit nichts zu tun. Sie beruht auf eigenen Regeln von Produzenten und ist somit nicht geschützt! Jeder kann sie verwenden.

Zu den Kriterien des staatlichen Bio-Siegels zählen artgerechte Tierhaltung, der Verzicht auf ionisierende Bestrahlung beim Konservieren und auch auf gentechnisch veränderte Organismen. Synthetische Pflanzenschutzmittel dürfen ebenso wenig verwendet werden wie leicht lösliche mineralische Dünger. Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker, Süßstoffe und synthetische Farbstoffe sind verboten. Das gilt auch für Antibiotika und Leistungsförderer in der Tierzucht.

5.605 Unternehmen haben bisher über 84.000 Produkte in der Bio-Siegel-Datenbank registriert. Das sechseckige Siegel kann freiwillig angebracht werden. Es steht oft neben dem verpflichtenden grünen EU-Bio-Logo mit den Sternen. Dieses muss seit Juli 2010 auf allen vorverpackten Bio-Lebensmitteln zu sehen sein. Beide Siegel richten sich nach den gleichen EU-Gesetzen, die vielen Naturschutz-Organisationen aber noch nicht streng genug  sind.

So beurteilt der BUND die einzelnen Siegel

Regional kann ganz schön weit reichen

Am sichersten fährst du immer, wenn du beim Bauern oder auf dem Wochenmarkt direkt einkaufst. Denn der Begriff "regional" oder "aus der Region" ist nicht geschützt. Es gibt also keine offizielle Definition, wie groß diese Region denn nun ist. Das kann dein Landkreis sein, dein Bundesland oder gar die EU?

Einige Produzenten verwenden den Begriff "regional" für den Herstellungsort in der Nähe, auch wenn die Zutaten von weither kommen.

Einen guten Wegweiser geben dir die geprüften Regional-Siegel einiger Bundesländer wie Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Auch haben sich in ganz Deutschland verschiedene Initiativen von Erzeugern, Transportfirmen und Händlern gegründet, die den Regionalitätsgedanken wirklich leben wollen.

Gute Projekte findest du auf der Liste beim "Bundesverband der Regionalbewegung e. V." Auch beim Bundeszentrum für Ernährung erhältst du weitere Informationen.

Das bedeutet das "Haltungsform-Siegel"

  • 🥩

    Entstehung: Vertreter der Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und des Lebensmittelhandels haben als "Initiative Tierwohl" das "Haltungsform-Siegel" für verpacktes Fleisch entwickelt. In 4 Stufen zeigt es dem Verbraucher farblich gekennzeichnet, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten wurden.

  • 🛒

    Supermärkte: Bei Edeka, Rewe, Kaufland, Netto, Lidl, Aldi und Penny findest du das Label auf abgepacktem Fleisch. Gekennzeichnet sind Schwein, Hähnchen, Pute und Rind.

  • 📕

    Rot, Stallhaltung: Auf der untersten Stufe hat ein Schwein gerade mal 0,75 Quadratmeter Platz im Stall. Zur "Beschäftigung" stehen Hühnern und Puten nur trockene Einstreu zur Verfügung. Für Rinder ist "möglichst" Laufstallhaltung gefordert.

  • 📘

    Blau, Stallhaltung Plus: Hier erhält das Schwein mit 0,825 Quadratmetern 10 Prozent mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben sind. Puten und Hühner bekommen zur Abwechslung Picksteine und Stroh. Rinder dürfen nicht angebunden sein. Laufstall-Haltung ist für sie verpflichtend.

  • 📙

    Orange, Außenklima: Auch hier gibt es wieder mehr Platz für alle. "Außenklima" bedeutet jedoch nicht immer wirklich Weidegang. Es kann bei Schweinen auch ein sogenannter "Offenfrontstall" sein oder bei Rindern ein "Laufhof".

  • 📗

    Grün, Premium: Schweine erhalten mit 1,5 Quadratmeter doppelt so viel Platz als gesetzlich vorgeschrieben. Alle Tierarten können zumindest raus in den Auslauf, auf die Weide oder es gibt teilweise Freiland-Haltung.

  • 🐖

    Alternative: Viele Naturschutz- und Verbraucherschutz-Organisationen kritisieren das Siegel, da es beispielsweise nichts über Transport oder Schlachtung aussagt. Dieses Jahr soll auch ein staatliches Tierwohl-Siegel eingeführt werden.

Veröffentlicht: 16.05.2020 / Autor: Sven Hasselberg

Noch mehr zum Staunen