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Altkleider-Kollaps in Corona-Zeiten: Wohin mit den gebrauchten Klamotten?

Corona hat ein grundsätzliches Problem verdeutlicht: Wir kaufen zu viel Billig-Mode, die wir rasch entsorgen - erkennbar an den überquellenden Altkleider-Containern überall. Hamburg hat seine Container bereits abgeschafft, andere Bundesländer wie Bremen, wollen folgen. Wohin dann mit den alten Klamotten?
Der Container für Altkleider sind prallvoll.

Altkleider-Container quellen über - wieso?

  • 👗

    Die viele Zeit zu Hause lädt dazu ein, Kleiderschrank und Keller mal so richtig auszumisten. Aber: In Corona-Zeiten gibt es da gleich mehrere Probleme.

  • 😬

    Wir kaufen generell zu viel Kleidung und entsorgen sie zu schnell. Laut Greenpeace sind das pro Jahr 60 Teile. Angeheizt wird das Problem durch ein beunruhigende Phänomen namens "Fast Fashion", also Mode, die so billig ist, dass wir sie nach 2 bis 3 Mal tragen einfach wegwerfen.

  • 🏢

    Sortierfirmen trennen die gut erhaltenen Stücke von den beschädigten. Nur sind viele zur Zeit in Kurzarbeit. Und selbst wer arbeiten kann, wird die sortierte Kleidung nicht los.

  • 🌍

    Ein Großteil der Altkleider wird sonst in Osteuropa oder in afrikanischen Ländern weiterverkauft. Momentan kommen die Klamotten da aber gar nicht hin.

  • Kleidersammlungen und Secondhand-Shops platzen wegen der langen Zwangspause und dem großen Angebot aus allen Nähten. Zudem sind viele Menschen noch nicht wieder in Kauflaune.

  • Was also tun, um einen Altkleider-Kollaps zu verhindern? Mit diesen Tipps entsorgst du deine Altkleider nachhaltig - auch nach der Corona-Krise.

Der Altkleider-Berg wird immer höher

Momentan landen bundesweit rund 25 Tonnen alte Klamotten täglich in den Containern - doppelt so viel wie in normalen Zeiten.

Die Branche bemüht zwar sich um Lagerflächen. Aber die sind aktuell sehr teuer, weil auch viele andere Waren gelagert werden müssen. Im Extremfall landen die gebrauchten Textilien direkt in der Müllverbrennung.

Überlege dir also am besten vor der nächsten Shopping-Tour, was du wirklich brauchst. An qualitativ-hochwertigen Stücken wirst du länger Freude haben und sie nicht so schnell entsorgen.

Was wir jetzt tun können: Lagern, aber nicht auslagern!

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    Du hast deinen Schrank ausgemistet? Top! Lagere deine Kleiderspende aber erst mal zu Haue und warte ab, bis die Corona-Krise vorüber ist. Dazu rät der Dachverband Fairwertung, ein Netzwerk gemeinnütziger Altkleider-Sammler.

  • Was wir lieber nicht machen: Altkleider einfach vor Secondhand-Läden oder vor vollen Altkleider-Containern deponieren. Denn dann landen sie ziemlich sicher im Müll.

Der Weg der alten Kleidung

Der Weg der alten Kleidung

Der Weg der alten Kleidung

Wie werden unsere alten Lieblings-Stücke recycelt? Die Antwort dazu gibt's im Video.

6 Ideen, wie du alte Klamotten entsorgen kannst

  • 1️⃣

    Frage bei Kleiderkammern - zum Beispiel vom DRK oder der Caritas nach, ob sie etwas gebrauchen können. Dann kommt deine ausgediente Kleidung auch sicher bei den Bedürftigen an. Wahrscheinlich sind die Lager derzeit aber übervoll.

  • 2️⃣

    Spende sie an soziale Einrichtungen. Infos geben dir Stadtverwaltung, Kirchenverbände, Bahnhofsmissionen oder Flüchtlingsheime. Über wohindamit.org findest du soziale Einrichtungen in deiner Umgebung.

  • 3️⃣

    Verkaufe sie online. Das geht ohne großen Aufwand über diverse Flohmarkt-Apps wie Kleiderkreisel oder Ebay-Kleinanzeigen. So machst du noch ein bisschen Geld und verlängerst den Lebenszyklus deiner alten Lieblings-Teile.

  • 4️⃣

    Mach sie zum Putzlappen. Auch wenn du ein Shirt nicht mehr tragen möchtest, kannst du es ja vielleicht weiter verwenden? Zum Beispiel als Putzlappen oder Reinigungstuch fürs Gesicht. Auch damit entlastest du die überfüllten Container und tust der Umwelt was Gutes.

  • 5️⃣

    Bringe sie in den nächsten Oxfam-Laden. Dort werden die Sachen weiter verkauft. Der Erlös geht an soziale Projekte. Hier findest du einen Laden in deiner Nähe. Achte darauf, dass deine Sachen sauber und unbeschädigt sind.

  • 6️⃣

    Gib sie in Sozialkaufhäusern ab. Zum Beispiel das "Fairkaufhaus" in Berlin oder der "Weiße Rabe" in München. Dort nehmen sie nicht nur Kleidung, sondern auch Küchengeschirr oder Möbel.

Welche alten Klamotten eignen sich für einen Self-Made-Mundschutz?

  • 😷

    Masken aus Stoff bieten zwar keinen zuverlässigen Schutz vor einer Infektion, können aber andere Personen schützen, weil sie einen Teil der Tröpfchen auffangen.

  • 🌡

    Wichtig ist vor allem, dass der Stoff bei mindestens 60 Grad waschbar ist. Außerdem sollte er robust sein und nicht kratzen.

  • 😷

    Teste vorher, ob du durch den Stoff atmen kannst. Falte ihn dazu doppelt und lege ihn über Mund und Nase.

  • 🌬

    Hilfreich ist auch, wenn der Stoff rasch wieder trocknet.

  • 👍

    Geeignet sind: Molton, Baumwollköper, Baumwollfahnentuch, Baumwoll-Voile, Batist oder Popeline.

  • 👎

    Nicht geeignet: B1 Molton. B1 ist eine Brandschutzklasse. Der Stoff ist mit einer Chemikalie beschichtet, damit er nicht schnell brennt. Und die sollten wir nicht permanent einatmen. Auch Microfaser-Tücher solltest du lieber nicht verwenden.

So nähst du dir deinen Mundschutz ganz einfach selbst

Veröffentlicht: 08.09.2020 / Autor: Viviane Osswald