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Atommüll-Endlager: Könnte auch eins in deiner Nähe entstehen?

Wohin mit dem strahlenden Atommüll? Laut der Bundesgesellschaft für Endlagerung eignen sich in Deutschland 90 Gebiete. Wir zeigen dir, wieso diese Endlager-Suche momentan für Aufruhr sorgt und ob ein mögliches Endlager auch in deiner Nähe liegt.
Teaserbild: Atommüll-Endlager: Könnte auch eins in deiner Nähe entstehen?

Befindet sich ein geeignetes Endlager in deiner Nähe?

Für die endgültige Entsorgung von Deutschlands Atommüll muss ein Standort gefunden werden. Nur wo? Laut einem Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) eignen sich in Deutschland 90 Gebiete aufgrund ihrer geologischen Eigenschaften. Das Problem: Niemand will den strahlenden Müll in seiner Nähe haben. Der Plan: Bis 2031 will die BGE einen Standort festlegen, ab 2050 soll der Atommüll dort lagern.

Demonstranten feiern in Gorleben


Kein Endlager in Gorleben: Dafür hatten Demonstranten lange gekämpft. Nun haben sie gewonnen.
© picture alliance/Markus Scholz/dpa

Lange Zeit war der Salzstock in Gorleben, Niedersachsen, Favorit dafür. Immerhin diente er schon als Zwischenlager. Doch nun hat die BGE dieses Gebiet ausgeschlossen. Ob in deiner Nähe ein mögliches Endlager liegt, erfährst du hier im Zwischenbericht.

Endlager: Übersicht der Teilgebiete

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung hat insgesamt 90 Gebiete für geeignete Endlager-Standorte erklärt. Geeignet sind Salz- (grün und hellblau), Ton- (blau und lila) oder Kristallin-, also vor allem Granit-Gestein (orange).

Grafik: Bundesgesellschaft für Endlagerung mbh

Atommüll: Wie entsteht er überhaupt?

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    Es gibt 2 Arten von radioaktivem Abfall. Die hochradioaktiven wärmeentwickelnden Abfälle, wie zum Beispiel die verbrauchten Brennelemente aus den Reaktoren, machen rund 10 Prozent des Atommülls aus. Sie enthalten jedoch 99 Prozent der gesamten Radioaktivität.

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    Die anderen 90 Prozent Müll sind schwach- und mittelradioaktiv. Sie entstehen bei der Arbeit in Kernkraftwerken - etwa durch Schutzkleidung, Werkzeuge oder Filter - oder bei deren Rückbau.

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    Kleinere Mengen an Müll werden auch in der Medizin, Forschung und Industrie produziert. Radionukluide zerfallen und setzen dabei radioaktive Strahlung frei.

Endlager-Suche: Das Problem mit dem Atommüll

In Deutschland ging 1960 das erste Kernkraftwerk in Betrieb, ohne dass die Lagerung von Atomabfall geklärt wurde. Bis heute streiten Experten und Politiker über eine Lösung.

Der radioaktive Müll ist aber bereits da: In den rund 60 Jahren Atomstrom-Erzeugung hat allein Deutschland 75 Schwimmbecken voll (30.000 Kubikmeter) Atommüll angehäuft.

Bis 2011 entstanden in deutschen Atomkraftwerken jährlich rund 400 Tonnen radioaktiver Müll. Der wurde durch die Abschaltung von 8 AKW im Jahr 2011 zwar auf jährlich 230 Tonnen reduziert - doch er bleibt ein Problem.

Aktuell lagert unser Atommüll zum größten Teil in sogenannten Castor-Spezialbehältern in Zwischenlagern, während die Suche nach einem Atommüll-Endlager läuft.

Zwischenlager in Deutschland

Bis ein geeignetes Endlager gefunden ist, müssen alle radioaktiven Abfälle nach dem Atomgesetz in Zwischenlagern deponiert werden. Die liegen meist in der Nähe des Atomkraftwerks, das den Müll produziert. Ausnahmen gibt es trotzdem: in Gorleben zum Beispiel.

Deutschlands Zwischenlager - und wie viel Platz sie noch haben

Das optimale Endlager ...

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    ... muss sicher sein und der Atommüll dort eine Million Jahre gelagert werden können! Grund dafür sind lange Halbwertszeiten: Nach jeder Halbwertszeit hat sich die Strahlung halbiert, bis sie irgendwann ganz verschwunden ist. Die Halbwertszeit von Plutonium zum Beispiel liegt bei rund 24.000 Jahren.

  • ... ist unterirdisch, mit einer Mindest-Tiefe von 300 Metern.

  • ... wird von einer mindestens 100 Meter dicken Gesteinsschicht abgeschirmt. Geeignet sind hierfür die sogenannten Wirtsgesteine Granit, Salz und Ton.

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    ... darf nicht in Erdbeben-Regionen liegen.

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    ... sollte in einer möglichst unbewohnten Gegend liegen.

Quelle: DW

Wirtsgesteine: Was sie sind und was sie können

Forscher testen Wirtsgestein für ein Atommüllendlager.


Im Schweizer Juragebirge untersuchen Forscher auch Wirtsgestein aus Deutschland für ein mögliches Atommüllendlager.
© picture alliance/Christiane Oelrich/dpa

Atommüll soll in sogenannten Wirtsgesteinen eingelagert werden. Die sind sehr robust und können die Ausbreitung von Radioaktivität am besten verhindern. Doch jede Gesteinsart hat hierbei Vor- und Nachteile.

Granit

  • 👍

    Kann Strahlung gut abschirmen, da er sehr massiv ist.

  • 👎

    Granitschichten sind brüchig. Wasser dringt somit leichter ein. Die Castoren bräuchten einen zusätzlichen Schutz.

Ton

  • 👍

    Ist weich und schließt die Radioaktivität gut ab.

  • 👎

    Der radioaktive Müll produziert Wärme, die Ton nicht gut ableiten kann. Durch hohe Temperaturen könnte er seine Struktur verändern.

Salz

  • 👍

    Leitet die Wäme gut ab und schließt Risse schnell.

  • 👎

    Falls Wasser eindringt wird es gefährlich, da Salz wasserlöslich ist. Radioaktive Stoffe könnten in unseren Wasserkreislauf gelangen.

Ein Endlager gibt es bereits

Der große Schachte des Endlagers in Salzgitter.


Spacig: Konrad - das einzige nach Atomrecht genehmigte Endlager.
© picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa

In Salzgitter, Niedersachsen, liegt das Endlager "Schacht Konrad" in einem Eisenerz-Bergwerk. Momentan ist es aber nur für schwächer radioaktive Abfälle geeignet und muss daher noch umgebaut werden. 2027 soll alles fertig sein.

Das Endlager in Salzgitter.


Olaf Lies, niedersächsischer Umweltminister (rechts), und Thomas Lautsch, technischer Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung im Atom-Endlager "Schacht Konrad".
© picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa

Radioaktivität: Was ist das überhaupt?

  • Radioaktivität bedeutet so viel wie Strahlungstätigkeit. Zu der kommt es, wenn Atomkerne zerfallen. Dies kann entweder auf natürlichem Wege passieren oder künstlich herbeigeführt werden.

  • Die bei dem Zerfalls- oder Umwandlungsprozess freiwerdende Energie wird dabei als Strahlung freigesetzt. Für uns Menschen ist die nicht direkt spürbar, allerdings überträgt die Strahlung, sobald sie auf biologische Zellen stößt, einen Teil ihrer Energie. Dies wiederum kann unsere Zellbestandteile verändern und etwa Krebs hervorrufen. So gelten unter anderem die radioaktive Stoffe Uran, Plutonium und Radon als krebserregend.

  • Der oft verwendete Begriff "radioaktive Strahlung" ist genau genommen also nicht korrekt, da die Strahlung selbst nicht radioaktiv ist, sondern eine Folge der Radioaktivität.

Veröffentlicht: 07.10.2020 / Autor: Sophia Gumbinger