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Arbeiten im Bergbau: Einer der härtesten und gefährlichsten Jobs der Welt

Immer wieder sorgen Unfälle im Bergbau für Aufsehen. Wie sicher sind eigentlich Bergwerke, wie sieht das Leben eines Kumpels aus und gibt es auch Bergfrauen?

Das Wichtigste zum Thema Bergbau

  • Deutschland besitzt im internationalen Vergleich nur wenig Bodenschätze. Kohle, Edelmetalle, Erze, Salze und andere Gesteine kommen in der Erdkruste vor. Der Abbau von Steinkohle führte zum Reichtum des Ruhrgebiets.

  • Man unterscheidet zwischen dem Abbau von Rohstoffen im Tagebau, bei dem an der Erdoberfläche gegraben wird, und dem Abbau in einem Bergwerk ''unter Tage''.

  • Die Anfänge des Bergbaus liegen im Mittelalter. Damals gab es Kohleabbau in Pingen, einfachen Löcher. Im 16. Jahrhundert wurden erste Stollen gegraben.

  • Schicht im Schacht: In 2018 schloss Deutschlands letzte Steinkohlezeche. In rund 200 Jahre wurden dort fast 12 Milliarden Kubikmeter Kohle abgebaut.

  • Mindestens 10000 Bergleute fielen seit dem 19. Jahrhundert dem Abbau von Steinkohle in Deutschland zum Opfer, der letzte Kumpel starb im Dezember 2018.

Wie wird ein Bergwerk gebaut?

Zunächst wird ein Schacht senkrecht in den Boden bis zum gesuchten Bodenschatz gebohrt. Dieser dient später als Fahrstuhlschacht, der die Bergmänner hinab und die Rohstoffe nach oben bringt. Unterirdisch werden Stollen gegraben und abgesichert. Bodenschätze im Bergland erreicht man auch mit schräg gebohrten Tunneln. Das deutsche Berggesetz besagt zudem, dass es mindestens 2 Schächte geben muss, damit die Arbeiter noch hinauf kommen, sollte einer davon einstürzen. Grubenunglücke, bei denen die Bergleute keinen Ausweg haben, sind hierzulande deshalb unwahrscheinlich.

Chronik der Kohle: Die Geschichte des Bergbaus im Pott

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    Die Anfänge des Bergbaus liegen im Mittelalter. Damals gab es Kohleabbau in so genannten Pingen, einfache Löcher.

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    In den Stollen im 16. Jahrhundert war der Abbau unorganisiert. Es folgten der Schachtbau und der Einsatz von Sprengstoffen.

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    Anfang des 19. Jahrhunderts waren bereits über 200 Zechen im Ruhrgebiet in Betrieb und transportierten die Kohlen per Eisenbahn ab.

  • Erst Mitte des 19. Jahrhunderts ging man in den Tiefbau über. Dampfmaschinen ermöglichten die die dafür notwendige Wasserhaltung. Heißt: sie hielten die Grubenräume von Grundwasser frei.

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    Die Weltkriege brachten die Förderleistung zwischenzeitlich fast zum Erliegen. Entweder mussten die Bergleute an die Front oder wurden für die Rüstungsindustrie abgestellt.

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    Die Nachkriegsjahre brachten der Ruhrkohle einen letzten großen Boom, bevor sie über Jahrzehnte vom Zechensterben und Kohlesubvention geprägt war. Im Dezember 2018 schloss in Bottrop die letzte Steinkohlezeche.

Die spannendsten Schaubergwerke des Landes

Diese Dinge sollen die Unfallgefahr unter Tage senken

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    Bewetterung: Durch ein Belüftungssystem wird im Bergwerk ständig Gas abgesaugt sowie Frischluft eingeblasen und verteilt. Die Wettersteiger, Bergleute mit spezieller Ausbildung, überwachen, dass das Klima unter Tage stabil und nicht gefährlich ist.

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    Filter-Selbstretter: Diese Atemschutzgeräte mit Luftfilter, die auch "Lebensretter" genannt werden, versorgen Bergleute bei Bränden in verqualmten Stollen bis zu 50 Minuten mit Sauerstoff. Selbstretter gehören zur Arbeitskleidung eines Bergmanns.

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    Gasmessstationen: In früheren Jahrhunderten warnten Singvögel im Stollen die Bergmänner vor Gas im Schacht. Heutzutage überwachen Sensoren ständig den Methangehalt im Bergwerk und melden kritische Konzentrationen an die Grubensicherheitswarte über Tage.

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    Tastlöcher: Um Verschiebungen in Wänden und die Sicherheit der Decke im Abbauschacht zu prüfen, sind an ausgewählten Orten Löcher gebohrt. So können Veränderungen rechtzeitig erkannt werden. In Kali-Gruben werden mehrere 1000 Tastlöcher regelmäßig kontrolliert.

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    Wassertrogsperren: Sie begrenzen bei einer Explosionen unter Tage das Unglück. Die Druckwelle einer Detonation bringt an der Decke vieler Stollen hängende, mit Wasser gefüllte Wannen zum Bersten. Der sich bildende Wasservorhang löscht Explosionsflammen.

Die weltweit schlimmsten Grubenunglücke

Spätfolgen vom Bergbau: Gefahr Tagesbruch

Doch Gefahren im Bergbau gibt es nicht nur in Bergwerken, sondern auch an der Oberfläche. Auch dann, wenn das Bergwerk längst geschlossen ist. In Nordrhein-Westfalen gab es fast überall einmal Bergbau. Neben Steinkohle wurden auch Erze und Salze abgebaut. Schätzungen zufolge verbergen sich im Bundesland rund 60000 verlassene Stollen. Die Schächte und Stollen sind zum Teil schon mehrere hundert Jahre alt. Oft wurden sie nur durch Eichenbalken gesichert, die nun verrotten. Jederzeit kann darüber heute die Erde einbrechen.

Der Geologische Landesdienst und die Projektgruppe Bergbau beim Regierungspräsidium Arnsberg eine Karte im Internet, in der alle potenziellen Gefahrenherde im Untergrund aufgeführt sind. Die Karte ist im Internet frei zugänglich.

Der Einbruch eines 200 Jahre alten Erzbergbau-Schachtes hat vor der Garage eines Einfamilienhauses in Siegen ein 2 Meter tiefes Loch aufgerissen.

Die Ausrüstung eines Bergmanns

Lexikon unter Tage: Das ABC der Kumpel

Arschleder: Es diente als Schutz vorm Abwetzen des Hosenbodens und hielt Bodennässe und Kälte ab.

Backenbrecher: Mit dieser Maschine zerkleinern Bergleute harte Materialien.

buckeln: Meint das gegenseitige Rückenwaschen der Kumpel in der Waschkaue.

Bumser: Abfälliger Begriff für einen Grubenarbeiter.

Dieselkatze: Es ist das Zugfahrzeug einer Einschienenhängebahn.

Frosch: Eine historische Glühlampe, in der Öl verbrannt wird.

Futtsack:  Die Aussage "Da is Futtsack dran" meint eine knifflige Situation. Daher kommt's: Wenn früher Unruhe oder Probleme im Schacht auftraten, bekamen die Grubenpferde zur Beruhigung den "Futtersack", daraus wurde verkürzt "Futtsack".

Mottek: Bezeichnet einen schweren Berghammer.

Steiger: Er führt die Aufsicht unter Tage.

 

Gibt es auch Frauen unter Tage?

Der Bergbau ist aber nicht bloß eine Männerdomäne. Im 19. Jahrhundert war es die Regel, dass auch Frauen in Bergwerken arbeiteten. Frauenarbeit geschah vor allem bei Hilfsarbeiten und in der Aufbereitung, neben dem Erzklauben waren Frauen häufig bei der Erzwäsche eingesetzt. Bis ihnen das Allgemeine Berggesetz für die preußischen Staaten die Tätigkeiten 1865 verbot. Zu hart sei die Arbeit. Auch herrschte lange der Aberglaube: "Frauen im Bergbau bringen Unglück." Im Zuge der EU-Gleichstellungsregeln wurde das Frauenarbeitsverbot unter Tage 2008 allerdings wieder gestrichen. Seitdem ist der Prozentsatz an Frauen unter den Bergleuten jedoch noch immer verschwindend gering.

Eine Arbeiterin mit einer Lore in den 1920er Jahren

Veröffentlicht: 18.11.2019 / Autor: Melanie Khoshmashrab