Chimärismus: Wenn dein Geburtsmal dein eigener, von dir absorbierter Zwilling ist
via Facebook/Taylor Muhl
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Chimärismus: Wenn dein Geburtsmal dein eigener, von dir absorbierter Zwilling ist

vor 4 Monaten

Taylor Muhl erregte kürzlich Aufsehen, als sie in einer Talkshow sagte, sie wäre ihr eigener Zwilling. Das passiert zwar selten, ist aber möglich. Die Besonderheit bei ihr: Ein Geburtsmal verläuft längs über ihren Bauch. Es ist das Immunsystems ihres ungeborenen Zwillings.

Schon als kleines Kind hatte Taylor das Gefühl, dass da irgendwo ein Zwilling ist. Mit ihren Freundinnen wollte sie immer Zwilling spielen, die gleichen Kleider tragen. Sie hat sich nicht vollkommen gefühlt. Dass das mit dem riesigen Geburtsmal auf ihrem Bauch zusammenhängt, war ihr nicht bewusst.

Eine Seite ist deutlich dunkler als die andere, das Mal verläuft genau in der Mitte ihres Bauchs. Auch ist ihre linke Seite minimal größer als die rechte. Als Teenager hat sie sich dafür geschämt, hat es auf Strandfotos wegretuschiert. Jetzt – mit 31 Jahren – ist die Sängern und Model aus Kalifornien stolz darauf, zeigt es und erzählt ihre Geschichte.

Dazu veranlasst hat sie eine TV-Dokumentation über Chimärismus. Das bedeutet, dass ein Organismus aus genetisch unterschiedlichen Zellen aufgebaut ist, aber trotzdem ein einheitliches Individuum ergibt und als solches agiert.

2009 ging sie dann erstmals zum Arzt und der bestätigte ihren Verdacht: Sie trägt ihren eigenen, ungeborenen Zwilling in sich. Er ist mit ihr verschmolzen. Schon in der Gebärmutter. Dort, wo jetzt das Geburtsmal ist.

Ihr Zwilling ist sogar noch da. Irgendwie. Sie hat zwei Immunsysteme, zwei Blutbahnen. Die Pigmentierung ihres Zwillings ist klar auf Taylors Bauch sichtbar. Und das ist selten, denn meist sind Chimären nur intern „sichtbar“. So war es auch bei Lydia Fairchild. Ihr Fall war einer der ersten, der durch die Medien ging, weil sich bei einer Untersuchung herausstellte, ihre Kinder seien gar nicht ihre (Spoiler: sind sie doch, aber DNA-Proben wiesen auf eine andere Mutter hin – ihren ungeborenen Zwilling). Ihre Geschichte wurde in einem Dokumentarfilm erzählt. Eben jenem Dokumentarfilm, der Taylor bewegte, zum Arzt zu gehen:

Solche Chimären sind extrem selten. Nur wenige Fälle sind bekannt. Taylor hat ihren jetzt in einer Talkshow öffentlich gemacht. Obwohl sie trotz zweier DNA häufig von Erkältungen und Allergien geplagt wird (ihr Körper möchte die DNA ihres Zwillings, eines Fremdkörpers, loswerden), kann sie stolz auf sich sein. Auf ihren Körper und auf ihren Zwilling. Schließlich ist sie etwas ganz Besonderes:

Zwillinge an sich sind schon besonders. Aber diese beiden Inder verbindet noch etwas ganz anderes: Seit 14 Jahren teilen sie sich den gleichen Körper – und gelten damit als Geschenk des Himmels in ihrem Dorf. Wir haben sie besucht:

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