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Darfst du einen gefundenen Schatz behalten?

Am 16. August fanden Geocacher durch Zufall einen Koffer voll Silbertafeln in Sachsen. Kein Einzelfall: In November 2019 entdeckten 2 Iren Goldmünzen im Wert von 100.000 Euro - und dürfen den Schatz behalten. Dürfte man das in Deutschland auch?
Wem gehört ein gefundener Schatz? Darfst du den in Deutschland einfach behalten?

Der Silberschatz von Brandis

  • Beim Geocaching sucht man anhand von Koordinaten einen "Schatz", meist versteckte Kleinigkeiten. Anders kam es für 2 Pärchen in Sachsen.

  • Bei der Schnitzeljagd fanden sie durch Zufall einen echten Schatz: eine gelbe Truhe voller Silbertafeln im Wert von 2.500 bis 3.000 Euro.

  • Die ehrlichen Finder übergeben den Schatz an die Polizei. Und die sucht jetzt mit Hochdruck nach dem Eigentümer.

Die über 900 Silberbarren und eine Unze lagern jetzt in der Polizeidirektion Leipzig.

So fanden 2 Iren einen 100.000-Euro-Schatz

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    Im nordirischen Ballycastle suchten 2 Männer mithilfe von Metalldetektoren den Ehering eines Freundes. Als die Geräte anschlugen, fanden sie einen Schatz.

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    Insgesamt entdeckten sie an die 90 Goldmünzen. Die älteste soll aus dem Jahr 1512 stammen und 6.000 Euro wert sein. Eine offizielle Schätzung gibt es noch nicht, insgesamt soll der Schatz einen Gegenwert von 100.000 Euro haben.

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    Da das Feld einem der beiden Männer aus dem englischen Yorkshire gehört, dürfen sie den Schatz behalten.

Wem gehört ein gefundener Schatz?

  • Solche herrenlosen Funde gehören bei in Deutschland immer dem Staat - sobald der Fund als "archäologisches oder paläontologisches Kulturdenkmal" eingestuft wird.
  • Bayern ist hier die Ausnahme: Im Freistaat stehen Fundstücke dem Finder und Grundstückseigentümer zu gleichen Teilen zu.
  • Bomben zählen übrigens nicht dazu: Klingt absurd, aber findet man eine Bombe im eigenen Garten, darf man sie gerne behalten - oder muss die Entsorgung bezahlen.
  • Ob ein gefundener Gegenstand wertvoll ist, zeigt meist erst eine genaue Prüfung. Wer einen Schatz findet, muss es den Behörden melden. Am besten unverzüglich.
  • Antike Funde behalten, ist keine gute Idee. Man macht sich wegen Fundunterschlagung oder sogar Raubgrabung strafbar. Ohne Genehmigung Sondengänge durchzuführen, ist ebenfalls nicht erlaubt.
  • Gibt es einen Finderlohn? Das ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Sachsen etwa hat man gute Chancen auf eine Belohnung.

Abenteurer, aufgepasst! Diese Schätze wurden nie gefunden

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    Das Bernsteinzimmer: Im 18. Jahrhundert ging das komplett mit Bernstein ausgekleidete Zimmer als Geschenk an den russischen Zaren Peter den Großen. Die Nazis raubten die Wandverkleidung und die Möbel und stellten alles im Königsberger Schloss aus. Nach 1945 verliert sich die Spur. Spekuliert wird bis heute: Befindet sich das Bernsteinzimmer in einem unterirdischen Bunker oder gar auf dem Meeresgrund?

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    Das Nazi-Gold: Das nationalsozialistische Regime erbeutete viele Wertgegenstände von Juden und anderen Verfolgten. Was davon im Chaos der letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs verschwand, ist unklar. Jedenfalls soll ein ganzer Goldzug existieren. Außerdem wird von einem Schatz im Solpsee (Brandenburg), Toplitzsee (Österreich) oder Leinawald (Thüringen) gemunkelt.

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    Der Schatz von Thomas Beale: Er scheint ein Fan von Rätseln gewesen zu sein. Anfang des 19. Jahrhunderts versteckte er angeblich einen Goldschatz. Die dazugehörige verschlüsselte Botschaft (das "Beale-Chiffre") ist nach wie vor ungelöst. Bisher wurde nur der 2. Teil mit Hilfe der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung geknackt.

  • Die wertvolle Fracht der San Miguel: Die spanische Silberflotte fuhr vom 16. bis zum 18. Jahrhundert zwischen Spanien und der "Neuen Welt" hin und her. Die Fracht: Gold, Silber, Juwelen. 1715 sanken 11 Schiffe während eines Hurrikanes. 7 wurden gefunden. Die "San Miguel", auf der der größte Schatz vermutet wird, ist noch immer verschollen.

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    Die verschwundene Inka-Stadt: Kurz bevor die letzte Inka-Festung eingenommen und ihr Herrscher hingerichtet wurde, flohen - so die Legende - deren Bewohner in den Regenwald im Osten Perus. Ihre Reichtümer nahmen sie mit und errichteten eine neue Stadt. "Paititi" soll voller Gold, Silber und Edelsteine sein. Keiner hat sie je entdeckt.

Veröffentlicht: 23.09.2020 / Autor: Lisa Carbonaro