Darum siehst du auf einigen Fotos dicker aus als du bist
Dan Vojtech

Darum siehst du auf einigen Fotos dicker aus als du bist

vor 2 Jahren

Unschöne Fotos hat jeder von sich. Denn die wenigsten sind so fotogen (wie einer meiner Kollegen), dass sie auf jedem Bild gut aussehen. Und meistens regen wir uns natürlich darüber auf, dass wir viel fülliger wirken als in der Realität. Dass das nicht nur eine Ausrede, sondern tatsächlich wahr ist, beweist uns dieser Fotograf:

Dan Vojtech ist ein junger, tschechischer Fotograf, der uns in einem Experiment zeigt, welche Auswirkungen welche Kameraeinstellung auf unser Aussehen hat. Das geht allerdings nicht nur in die eine, sondern auch in die andere Richtung. Man könnte sich also auch dünner schummeln.

Man sagt immer, dass man auf Fotos oder Videos bis zu fünf Kilo schwerer aussehen würde, als man es tatsächlich ist. Da ist was dran. „Schuld“ ist die Perspektive. Das liegt zum einen an der Brennweite des Objektivs, also der Entfernung zwischen Linse und Brennpunkt. Und zum anderen an der sogenannten tonnenförmigen Verzeichnung (wird oft als optische Verzerrung bezeichnet, ist aber falsch). Damit ist gemeint, dass eine Kamera-Linse unter Umständen gerade Linien rund erscheinen lässt. Ganz extrem sieht man das beim bekannten Fischaugen-Effekt.

Fotos

Tonnenförmige Verzeichnung
So sieht der Fischaugen-Effekt aus.
© via Flickr/Sarah Scicluna/CC BY-ND 2.0

Welchen Unterschied die Brennweite machen kann, zeigt uns Vojtech in seinem Foto-Projekt. Dazu hat er das Model mit Brennweiten von 20 mm, 24 mm, 28 mm, 35 mm, 50 mm, 70 mm, 105 mm, 150 mm und 200 mm aufgenommen. Das ist das Ergebnis:

Krass, oder? Das funktioniert, indem Vojtech die Kamera bei höherer Brennweite physisch weiter weg vom Model platziert. Denn je höher die Brennweite, umso kleiner wird sonst das Sichtfeld. Damit die Fotos aus dem gleichen Abstand geschossen werden können (oder es zumindest so aussieht), rutscht der Fotograf also weiter weg. Die Perspektive und der Abstand zum Objekt sind also essentiell.

Für die Fotos aus nächster Nähe benutzt er ein Weitwinkelobjektiv, für die aus größerer Entfernung ein Teleobjektiv.

Das sind die riesigen Objektive, mit denen beispielsweise Sport-Fotografen arbeiten. So auch beim Fußball. Weil die Fotografen so weit vom Fußballfeld entfernt sein, brauchen sie ein Objektiv mit großer Brennweite, um „nah“ an die Spieler heranzukommen. Wenn wir dann manchmal Fotos oder Videos vom Spielfeldrand sehen, wirkt es, als stünden die Spieler direkt nebeneinander. Sehen wir dann aber Aufnahmen von oben (wie von der Spidercam), fällt auf, wie weit die beiden eigentlich voneinander entfernt sind.

Im GIF sieht das dann so aus, als würde das Model auf uns zukommen. Das nennt man den Vertigo-Effekt – offiziell Dolly-Zoom. Alfred Hitchcock hat ihn 1958 als erster im Film „Vertigo“ genutzt:

Aber welche Brennweite kommt dem Original am nächsten? Vojtech selbst erklärt auf seinem Blog, dass das Model mit einer Brennweite zwischen 70 und 100 mm am ehesten der Realität entspricht. Wollt ihr euch also dünner schummeln, nehmt ihr eine kleinere Brennweite. Wollt ihr hingegen etwas rundlicher wirken, nehmt ihr die größere.

Hier seht ihr nochmal alle Aufnahmen:

Fotos

Fotos
mit freundlicher Genehmigung vom Fotografen
© Dan Vojtech

Für die kleinste Brennweite fotografierte Vojtech aus etwa 20 Zentimetern Entfernung, für die größte aus etwa drei Metern.

Die Kunst der Fotografie ist mittlerweile sehr vielfältig geworden. Das sah zu den Anfängen noch ganz anders aus. Kommt mit uns auf eine kleine Zeitreise und staunt, wie aus riesigen Geräten unsere kleinen, handlichen Digitalkameras wurden:

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