Bilder aus der Pressefoto-Ausstellung 2019.

Das beste Pressefoto 2020 - und seine Geschichte

Jedes Jahr kürt die World Press Photo Foundation das beste Pressefoto. Hinter dem aktuellen Gewinner-Bild steckt eine beeindruckende Geschichte.

Das Wichtigste zum Thema Pressefotos des Jahres

  • Seit 1955 gibt es die Auszeichnung. Wie angesehen der Preis ist, lässt sich an diesen Zahlen ablesen: 2020 haben sich mehr als 4.200 Fotografen aus 125 Ländern mit knapp 74.000 Fotos um den renommierten Titel beworben.

  • Das Pressefoto des Jahres 2020 zeigt eine Gruppe von Protestierenden im Dunkeln während eines Stromausfalls. Im Zentrum der junge Wortführer der Menge - angestrahlt von Handy-Lichtern.

  • Aufgenommen hat es der japanische Fotograf Yasuyoshi Chiba am 19. Juni 2019 im Sudan. Der Titel: "Straight Voice".

  • "Straight Voice" gibt uns einen tiefen Einblick in die Geschichte des nordafrikanischen Landes und zeigt zugleich die Schicksale der Sudanesen. Wir haben die Geschichte hinter dem "Pressefoto des Jahres" aufgeschrieben.

Das Pressefoto des Jahres 2020: "Straight Voice", aufgenommen von Yasuyoshi Chiba

Das Pressefoto des Jahres 2020 zeigt eine sudanesische Protestgruppe.

© Yasuyoshi Chiba/AFP / World Press Photo / dpa

So entstand das Foto

Es ist die Nacht des 19. Juni 2019. In Sudans Hauptstadt Khartum fällt der Strom aus. "Dann, plötzlich, fingen Leute an, in der Dunkelheit zu klatschen", erinnert sich der Fotograf Yasuyoshi Chiba.

Sie holen ihre Handys heraus, um einen jungen Mann in ihrer Mitte zu beleuchten. Der trägt ein bekanntes Protestgedicht vor. Und immer, wenn er Luft holt, rufen die Umstehenden "Revolution" auf arabisch ("thawra"). So schildert es der Fotograf.

"Ich war völlig fasziniert von seiner Mimik und Stimme," erzählt Chiba weiter. Er habe gar nicht anders gekonnt, als seine Kamera auf den Mann zu fokussieren und den magischen Moment festzuhalten. So entstand das "Pressefoto des Jahres 2020".

Warum die Sudanesen protestieren

Um das besser zu verstehen, hier ein kurzer Blick in die Geschichte des Sudan:

1989 putschte sich der Soldat Omar al-Bashir an die Macht. Seit 1993 hatte er offiziell auch den Titel "Staatspräsident" inne. Er regierte autoritär - noch während seiner Amtszeit erließ der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag einen Haftbefehl gegen ihn. Sein Amt verlor er nach etwa 30 Jahren genauso, wie er es einst bekommen hatte: durch einen Militärputsch.

Und damit sind wir bei dem berühmten Foto: Die Sudanesen demonstrieren für eine Zivilregierung. Denn seit dem Putsch am 11. April 2019 und dem Sturz von al-Bashir regiert das Militär.

"Kho, die Entstehung einer Revolte" von Romain Laurendeau ist die Foto-Story des Jahres

Veröffentlicht: 17.04.2020 / Autor: Johannes Korsche