Das Mädchen und das Eisen
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Das Mädchen und das Eisen

vor 4 Jahren

Sophia steht aufrecht. Den Blick in den Spiegel gerichtet. Sie atmet tief ein, zieht die Schultern zurück und drückt die Brust nach vorn. Die ganze Zeit überprüft sie aus den Augenwinkeln ihre Silhouette. Nicht etwa, um den Sitz des bauchfreien Tops oder den Halt ihrer Frisur zu checken. Nein, die 19-Jährige kontrolliert ihre Körperspannung. Die Füße stellt sie noch ein paar Zentimeter mehr auseinander. Dann hebt sie ihren Unterarm. Beugt ihn ganz langsam Richtung Schulter. In der Hand  – eine 10-Kilo -Hantel. 

Das Mädchen aus der Nähe von Rosenheim in Bayern ist bildschön. Ihre langen, blonden Haare hat sie zu einem Pferdeschwanz gebunden. Eine Strähne fällt in ihr ungeschminktes Gesicht.  Eine Wiederholung, zwei, drei, Sophia ist extrem konzentriert. Der Bizeps angespannt. Vierte Wiederholung. Sie presst die Lippen aufeinander. Fünfte Wiederholung. Unter der Belastung ziehen sich ihre Augenbrauen immer mehr zusammen. Sechste Wiederholung. An ihrer Schläfe hämmert das Blut. Noch einmal spannt sich der Armmuskel an,  hebt, die Hantel erneut nach oben. Sophia beißt die Zähne zusammen. Keucht, presst die Luft aus ihren Lungen. Allein das Zusehen ist anstrengend.  „Das ist das Biest in mir“, erklärt die schöne Rosenheimerin dem Galileo-Team in der Satzpause.

„Das ist das Biest in mir!“

Noch vor zwei Jahren war sie übergewichtig. 80 Kilo zeigt damals die Waage an. „Mich hat das sehr belastet. Das Gefühl, sich in der eigenen Haut unwohl zu fühlen.“ Der Ansporn etwas zu ändern war groß. Nur wie? Diverse Diäten, halbherzige Joggingrunden oder einfach nur tagelanges Hungern zerrten die Abiturientin immer mehr aus. Die Rückschläge waren heftiger, der Traum von einer Bikinifigur scheinbar unerreichbar. Aber dann der Wendepunkt: „Ein Freund hat mich ins Gym eingeladen“, erzählt sie und grinst. Der Sport hat sie von der ersten Übung an begeistert. Ihr großer Kämpferwille wurde gefordert. Außerdem:  „Wer Kraftsport macht, braucht Energie. Also genug Essen. Das ist bei jedem Sport so – war mir aber einfach nicht so bewusst. Alle denken immer, es ist wichtig Salat zu essen und Ewigkeiten auf dem Laufband zu verbringen. Heute weiß ich, das ist Unsinn – jedenfalls zum Abnehmen.“, erinnert sich das Mädchen.  Sie stellt ihre Ernährung um, isst sich satt – und trainiert sich im Gegenzug platt. Der Plan geht auf. Das Mädchen verliert ihren Babyspeck und baut sich eine athletische Muskulatur auf. Anfeuern, tut sie dabei nicht nur ihr Gym-Buddy – nein, auch das Netz fiebert mit. Denn ihre Fortschritte und Ernährungsstrategien beschreibt sie in einem Videotagebuch. Und während sie abnimmt – nimmt die Zahl der Youtube-Follower immer mehr  zu.

Ihre Veränderung beeindruckt viele junge Menschen. Denn immer mehr Deutsche haben Gewichtsprobleme. Zu viel Zucker, zu viele Kalorien, zu wenig Bewegung. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamts sind  52 Prozent der Erwachsenen übergewichtig. Besonders dicke Kinder haben es schwer, im Erwachsenenalter alte Angewohnheiten zu ändern. Doch Sophias Erfolg konnte bereits einige Betroffene für eine Veränderung begeistern  – dazu beitragen Sport in den Alltag zu integrieren. Das Mädchen macht es vor. Bis heute gestaltet Sophia ihr Training extrem fordernd. Denn sie will noch mehr. Viel mehr.

Langsam weicht die Röte aus ihren Wangen. Sechs Mal die Woche trainiert sie in „Ercan‘s Body Gym“ in München. Zwei Stunden lang drillt Ercan Demir seine Schülerin.  In seiner Jugend war Demir Weltmeister im Schwergewicht. Und auch mit 40 Jahren schaffte er es in der Seniorenklasse als Vizemeister auf das Podest. Der Deutschtürke mit bayrischem Dialekt ist in der Szene Kult. Sein Studio ist inzwischen eine Pilgerstätte für Kraftsport-Fans. Ercans Oberarm hat wohl den gleichen Umfang wie Sophias Oberschenkel. Wer die zwei beobachtet könnte denken:  was für  ein ungleiches Trainingspaar. Jedenfalls optisch. „Es spielt keine Rolle, wie alt du bist oder welche Hautfarbe du hast. Wir zwei sind uns tatsächlich extrem ähnlich – wir habe den  inneren Kämpfer in uns.“

„Ich bin mir darüber im Klaren –  vielen gefällt es nicht wie ich aussehe. Die vielen Muskeln sind für manche nicht gerade das Idealbild einer Frau.“

Das Mädchen vertraut der jahrelangen Wettkampf-Erfahrung ihres Lehrers. Sophia will es jetzt auf der Wettkampfbühne allen, aber besonders sich selbst beweisen. Sie bereitet sich für die internationalen Wettbewerbe im Bodybuilding vor. Gemeinsam mit Ercan holt sie das absolute Optimum aus ihrem Körper: formt und bildet die einzelnen Körperpartien so gut wie möglich aus. Straffe Oberarme – bombenfeste Oberschenkel und ein knallhartes Sixpack am Bauch.  „Ich bin mir darüber im Klaren –  vielen gefällt es nicht, wie ich aussehe. Die vielen Muskeln sind für manche nicht gerade das Idealbild einer Frau. Aber es geht für mich nicht mehr darum, was andere schön finden. Wenn ich eine sehr muskulöse Frau anschaue, dann sehe ich die Arbeit, und die Disziplin, welche dahinter steht. Jeder soll für sich selbst entscheiden, was er schön findet und was nicht!“

Sixpack war gestern. Sophia zeigt ihren Eightpack.

Sophia Thiel Bodybuilding
Sixpack war gestern. Sophia zeigt ihren Eightpack.

Wenn Sophia nach einer Übung die Gewichte zurückstellt ist der ein oder andere Mann im Studio immer noch leicht irritiert. Anerkennend nicken sie ihr zu. Doch sie lässt sich von nichts ablenken. Sophia nimmt einen großen Schluck Wasser aus ihrer Trinkflasche. Nur noch wenige Wochen bis zum Wettkampf.

Drei Tage lang hat unser Galileo-Team  das Mädchen begleitet. Im Studio, in ihrer Freizeit und während des großen Wettkampfs. Sie sind gespannt, wie sich Sophia auf der Bühne geschlagen hat?  Die Antwort gibt’s in diesem Beitrag.

 

 

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