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Die Geheimnisse der Retouren-Könige: Diese Firma schmeißt nichts weg

Jährlich schicken Kunden hunderte Millionen gekaufte Artikel zurück - die dann häufig vernichtet werden. Diese Firma bekommt 80 Prozent weniger Retouren als die Konkurrenz und schmeißt den Rest auch nicht weg. Wie sie das schafft.

Das Problem von Retouren beim Online-Shopping

  • Versandhändler wie Amazon vernichten einen Teil der zurückgesendeten Waren. Das Umweltministerium will diese Praxis nun unterbinden und die sogenannte Obhutspflicht einführen.

  • Damit sollen Händler verpflichtet werden, die von Kunden retournierten Waren weiterzuverkaufen oder zu spenden. Die Vernichtung von zurückgesendeten Produkten soll verboten werden.

  • Einige Firmen gehen mit gutem Beispiel voran. So hat die Seite Sportspar.de seine Retouren um 80 % gesenkt.

  • Produkte, die dennoch zurückkommen, werden auch nicht mehr vernichtet. Dafür haben sie sogar eine eigene Abteilung, die jedes Produkt begutachtet.

So viele Produkte werden in Deutschland zurückgeschickt - und vernichtet

  • In Deutschland wurden 2018 etwa 280 Millionen Pakete und 487 Millionen Artikel retourniert. Diese Zahlen ermittelte eine Studie der Universität Bamberg.

  • Im Durchschnitt fallen pro retourniertem Artikel Kosten in Höhe von 11 Euro an. Am häufigsten werden übrigens Schuhe und Kleidung zurückgeschickt (46 Prozent).

  • Rund 20 Millionen retournierte Artikel wurden entsorgt - bei etwa 7,5 Millionen wäre es möglich, sie zumindest zu spenden.

  • Laut der Studie kostet die Entsorgung eines Artikels durchschnittlich 85 Cent - eine Weiterverwertung der Ware wäre deutlich teurer.

Fakten rund um Retouren und den Online-Handel

Das tut unser Retouren-King schon jetzt gegen die Retouren-Vernichtung

  • 👨‍💻

    Die Firma versucht in der Regel zurückgesendete Ware wieder zu verkaufen. Jede Rücksendung wird hier einzeln auf Fehler und Gerüche kontrolliert. Die Mitarbeiter reinigen und reparieren die Produkte, wenn das möglich ist.

  • 🛒

    Die Produkte sind extrem günstig. Die Firma kauft zum Beispiel Teile aus alten Kollektionen. Sie wissen: Produkte, die unter 10 Euro kosten, werden meist nicht zurückgeschickt.

  • 👍

    Die Versandkosten übernimmt der Kunde, auch bei Retouren. So ist die Hemmschwelle für Rücksendungen größer. Die Kunden bestellen nur das, was sie wirklich brauchen.

  • 👷

    Jeder Mitarbeiter muss mindestens einmal im Lager gearbeitet haben. So kennt der die Probleme und kann Fragen einfacher beantworten.

Das könnten Unternehmen noch tun

  • 💳

    Wer die Online-Bestellung per Vorkasse bezahlt, sendet seltener seine Waren zurück als Verbraucher, die per Rechnung zahlen. In Ländern wie Frankreich ist ein Kauf auf Rechnung nicht üblich - und die Rücksende-Quote ist deutlich niedriger als in Deutschland.

  • 📦

    Experten raten Versandhändlern, ihre Waren besser zu verpacken. Produkte, die beim Transport kaputt gehen, lassen sich oft nicht mal mehr verschenken.

  • 👗

    Online-Händler arbeiten daran, die Produktbeschreibungen zu verbessern - unter anderem mit mehr Bildern, speziellen Größentabellen und der Förderung von Kunden-Rezensionen. Gerade bei Kleidung gilt: Je aussagekräftiger die Beschreibung und allgemeingültiger die Größe, desto unwahrscheinlicher ist ein Rückversand.

Achtung: Bald zahlst du vielleicht weniger - trotz Retouren-Gebühr

  • 🙋

    Wenn Versandhändler Gebühren für die Rücksendung verlangen, könnten gleichzeitig die Produktpreise sinken. Denn die Kosten sind in der Regel bereits vom Händler in den Kaufpreis einberechnet. Bei einer eigenen Rücksende-Gebühr könnten also die Verbraucher profitieren, die auf eine Rücksendung verzichten.

Veröffentlicht: 05.05.2020 / Autor: Johannes Huyer

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