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1. Mai: Partys und Demos gibt’s auch diesmal - aber anders!

Ob Maibaum, Wanderung oder Tanz in den Mai: Viele Regionen in Deutschland pflegen Bräuche zum „Tag der Arbeit“. Aber was ist in der Corona-Krise noch erlaubt?

Diese Bräuche gibt's in Deutschland

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    Eine lange Tradition hat etwa der Tanz in den Mai. Sein Ursprung liegt in der Walpurgisnacht (30. April) im Mittelalter, in der angeblich Hexen ihr Unwesen trieben. Der Tanz ums Lagerfeuer sollte die bösen Geister verbannen und den Frühling begrüßen. Das Feiern ist bis heute geblieben, wenn auch eher als Club-Partys.

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    In eher südlichen Gemeinden stellen die Menschen prachtvoll verzierte Maibäume an zentralen Plätzen auf - als Symbol für Fruchtbarkeit und Glück. Wär’ da nicht der beliebte Maibaum-Klau: Nachbargemeinden versuchen, sich gegenseitig die Maibäume zu stehlen. Zur Auslöse fließt in der Regel Bier.

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    Ebenso üblich sind dort Liebesmaien: Männer stellen geschmückte junge Birken an das Haus ihrer Angebeteten - als Symbol für Kraft und Lebenswillen. Auch hier gilt Vorsicht vor Dieben: Bei besonders beliebten Herzdamen schalten sich Mitbewerber teils gegenseitig aus.

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    Weiter im Norden Deutschlands ziehen hauptsächlich viele mit Bollerwagen zur Mai-Wanderung los. Eigentlich sollen die Spazierausflüge Naturverbundenheit ausdrücken. Meist geht’s jedoch eher ums Gruppengefühl und viel Alkohol.

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    Ursprünglich ging’s am 1. Mai eher um was Ernstes: Bereits im 19. Jahrhundert demonstrierten Arbeiter an diesem Tag für bessere Job-Bedingungen. 1919 war der Tag der Arbeit erstmals ein gesetzlicher Feiertag. Auch heute noch wird landesweit für Arbeitnehmer-Rechte demonstriert.

Das ist in Corona-Zeiten noch möglich

📏 Mit Dis-Tanz in den Mai

Als Schutzmaßnahmen gegen weitere Infektionen sind Großveranstaltungen zunächst bis zum 31. August verboten. Gilt also auch für den traditionellen Tanz in den Mai.

Stattdessen steigt die Party bei dir zu Hause: DJs, Sänger und Bands versorgen uns zurzeit regelmäßig mit Live-Streams. Beim Benefizkonzert "One World: Together At Home" traten zum Beispiel Lady Gaga, Usher und Alicia Keys auf.

😍 Der Liebesbeweis muss nicht pausieren

Social Distancing gilt auch beim Aufstellen von Maibäumen und Liebesmaien. Daher haben viele Gemeinden entschieden, den Brauch auszusetzen. Einige Städte wollen hingegen nicht komplett auf die Tradition verzichten und stellen die Maibäume daher heimlich auf. Die Bewohner sollen dann später ein Video der Aktion im Netz finden.

Solange die gültigen Schutzvorgaben eingehalten werden, dürfen Verliebte auch Liebesmaien verteilen. Gemeinsame Diebstähle mit anschließender Auslöse sind wegen der geltenden Maßnahmen in der Corona-Krise aber nicht erlaubt.

Maibaum vor Haus


Mit Liebesmaien geschmückte Häuser sind ein Liebessymbol.
© picture alliance/Ralph Goldmann

 

👫 Duo-Maiwandern

Weil die Kontaktbeschränkungen in größeren Gruppen unmöglich eingehalten werden können, fällt die traditionelle Maiwanderung mit Bollerwagen ins Wasser. Auch wenn dir deine Freunde zurecht fehlen, ist die Verbreitungsgefahr des Corona-Virus einfach zu groß.

Gegen einen ausgedehnten Spaziergang allein, mit Angehörigen aus deinem Haushalt oder einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person spricht hingegen nichts. Achte aber immer auf den Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Menschen.

 

📺 Solidarisch ist man nicht allein

Zum ersten Mal seit der Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Jahr 1949 veranstaltet der DGB keine Demos auf den Straßen. Stattdessen gehen die Kundgebungen online.

Unter dem Hashtag #SolidarischNichtAlleine informiert der DGB über das Programm am 1. Mai. Ab 11 Uhr soll es zum Beispiel einen Live-Stream auf Facebook und YouTube geben. Darin präsentiert unter anderem ein virtueller Chor den Kult-Song "You'll never walk alone".

 

💚 Netz-Streik fürs Klima

Für die Klimabewegung Fridays for Future fällt der 1. Mai passenderweise auf einen Freitag - allerdings ohne Demos auf den Straßen. Auch hier lautet die Parole: digitales Protestieren.

Der #NetzstreikFürsKlima umfasst nicht nur Live-Streams. Auch teilen die Aktivisten Bilder von Demonstrationen ohne Teilnehmer: Immerhin können Protestierende "Flagge zeigen" - und ihre Plakate an einem gemeinsamen Ort ablegen.

Fridays for Future Plakate Demonstration ohne Teilnehmende


Auf dem Trammplatz in Hannover haben Aktivisten von Fridays for Future Banner und Plakate gesammelt abgelegt.
© picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa

Veröffentlicht: 01.05.2020 / Autor: Alexander Duebbert

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