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Jetzt kommt der Brexit sicher: Aber was bedeutet das eigentlich?

Premierminister Boris Johnson hat mit deutlicher Mehrheit die Parlamentswahl gewonnen. Jetzt kommt der Brexit sicher. Das hat Folgen - und zwar diese hier.

Das Wichtigste zum Thema Brexit

  • Durch Neuwahlen hat sich Premierminister Boris Johnson die absolute Mehrheit im Parlament gesichert. Er versprach noch am Wahlabend, dass das Vereinigte Königreich am 31. Januar 2020 die EU verlassen werde.

  • Die britische Regierung ist sich mit der Europäischen Union prinzipiell über ein Abkommen zum Brexit einig.

  • Gibt es bis zum 31. Januar 2020 keine Zustimmung zum Abkommen, droht ein EU-Austritt ohne Vertrag, der sogenannte „harte Brexit“.

  • Doch ganz so einfach wird es nicht. Erstmal müssen die Bedingungen für den Brexit mit der EU ausgehandelt werden. Hier muss Johnson versuchen, das Beste für sein Land rauszuholen.

  • In Schottland triumphierte die Scottish National Party (SNP). Die will in der EU bleiben und hat schon angekündigt, sich mit einem Unabhängigkeitsreferendum von England lösen zu wollen.

Diese Waren werden in Deutschland teurer

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    Bei einem EU-Austritt ohne Abkommen drohen bei Scotsh Whiskey und britischem Gin Lieferengpässe. Denn Großbritannien ist das wichtigste Spirituosen-Importland für Deutschland. Sollte der britische Whiskey mit Zöllen belegt werden, könnten stattdessen irische Marken beliebter werden.

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    Die Preise für Hering und Makrele werden bei einem harten Brexit wohl steigen. Deutsche Fischer fangen beide Fischarten ausschließlich in britischen Gewässern - möglich macht das das EU-Fischereiabkommen. Mit einem harten Brexit dürfen die deutschen Fischer nicht mehr in diesen Gewässern fischen. Sie könnten auf andere Fanggründe ausweichen, müssten dafür allerdings höhere Kosten für die Zugangsrechte in Kauf nehmen.

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    Die Preise für in Großbritannien produzierte Autos könnten steigen - neben britischen Marken wie Aston Martin, Jaguar und Mini könnten auch Renault, Toyota und Honda betroffen sein, da sie Werke in Großbritannien haben.

Chaos an den Grenzen

Ein EU-Austritt Großbritanniens ohne Vertrag bedeutet an den Grenzen vor allem eines: Kontrollen. Vor allem am Ärmelkanal zwischen Frankreich und England erwarten Experten kilometerlange Lkw-Staus. Worst-Case-Szenarien gehen gar von verstopften Straßen aus, die von Calais bis nach London reichen könnten. Wenn Lastwagen zwei bis drei Wochen auf die Abfertigung warten müssten, wären vor allem verderbliche Lebensmittel wohl nicht zu retten.

Neben den Fährhäfen drohen auch beim Eurotunnel zwischen Großbritannien und der Kontinent Verzögerungen in Folge der Grenzkontrollen. Lange Lkw-Staus hätten auch Auswirkungen auf Reisende: So würden sich die Autobahnen zum Ärmelkanal zum Parkplatz für die wartenden Lastwagen verwandeln.

Das ändert sich bei Reisen nach Großbritannien

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    An Flughäfen, beim Eurotunnel und an den Häfen müssen sich Reisende bei einem harten Brexit auf längere Wartezeiten einstellen. Bei einem geregelten Austritt Großbritanniens hingegen gilt durch das Austrittsabkommen die europäische Reise-Freizügigkeit - zumindest bis Ende 2020.

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    Bei einem Deal zwischen EU und GB sind Reisende weiterhin über ihre gesetzliche Krankenversicherung versichert. Gibt es kein Abkommen, verliert die deutsche Reisekrankenversicherung ihre Gültigkeit. Experten empfehlen den Abschluss einer eigenen Reisekrankenversicherung.

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    Die Vorteile der europäischen Roaming-Regeln fallen bei einem harten Brexit weg. Telefonieren und Surfen wird während eines Urlaubs in Großbritannien teurer. Möglicherweise unterwirft sich das Vereinigte Königreich freiwillig den Regeln des EU-Roaming (wie zum Beispiel Norwegen oder Island).

Wie kam es zum Brexit?

    1. Juni 2016: In einem Referendum entscheiden sich die Briten mit einer Mehrheit von 51,9 Prozent für den Austritt aus der Europäischen Union. Während Waliser und Engländer mehrheitlich den Austritt befürworteten, lehnten ihn Schotten und Nordiren ab. Klare Unterschiede gab es auch im Altersvergleich. Unter den 18- bis 24-Jährigen stimmten 75 Prozent für den Verbleib in der EU, hätten nur die unter 50-Jährigen abgestimmt, wäre beim Referendum der Brexit abgelehnt worden.
  • Hinter der „Leave“-Kampagne steckten Boris Johnson und Nigel Farage, die unter anderem mit falschen Aussagen für den Brexit warben. So behaupteten sie, Großbritannien zahle jede Woche 350 Milllionen Pfund an die EU. Eine Summe, die nach dem Brexit ins britische Gesundheitswesen fließen solle. Die proeuropäische Organisation „InFacts“ hat allerdings andere Zahlen errechnet. So zahlt GB dank eines britischen Sonderstatus sowie finanzieller Unterstützung durch die EU 110 Millionen Pfund pro Woche, also nur etwa ein Drittel der von Johnson und Farage genannten Summe.

  • In der Vergangenheit hatte Großbritannien in der EU eine Sonderrolle. Die konservative Premierministerin Margaret Thatcher erreichte 1984 bei der EU einen sogenannten Briten-Rabatt, laut dem Großbritannien einen Teil seiner Zahlungen in den EU-Haushalt zurückerstattet bekam. Dem Schengen-Abkommen trat Großbritannien nicht vollständig bei, auch eine Einführung des Euro lehnte es ab.

Veröffentlicht: 13.12.2019 / Autor: Johannes Huyer

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