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G7-Gipfel zum Ukraine-Krieg

Die G7 und G20: Welche Staaten gehören dazu und welche Macht haben sie?

Seit dem Beginn des Ukraine-Krieges stehen die Regierungsoberhäupter der G7 vermehrt im Fokus der Weltpolitik. Dazu könnte das kriegstreibende Russland aus der G20 ausgeschlossen werden. Doch wer gehört eigentlich zu diesen "G-Staaten" und warum? Und wodurch unterscheiden sich G7 und G20? Im Clip: Der G7-Gipfel auf Schloss Elmau.
Die G7 und G20: Welche Staaten gehören dazu und welche Macht haben sie?
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Das Wichtigste zu G7 und G20

  • Die G7 und G20 sind Arbeitsgruppen der international bedeutendsten Staaten. Sie umfassen die größten Wirtschafts-Nationen sowie die wichtigsten Schwellenländer. Deutschland ist Teil beider Gruppen.

  • Die G-Nationen und ihre Regierungs-Oberhäupter stehen ständig im Austausch miteinander. Jährlich treffen sich ihre wichtigsten Vertreter:innen zu großen Gipfeln. Auf diesen mehrtägigen Konferenzen klären sie wichtige weltpolitische und -wirtschaftliche Fragen und stimmen sich über gemeinsame Vorgehensweisen ab.

  • Allerdings haben die Beschlüsse keine rechtliche Basis - vielmehr müssen die Staaten darauf vertrauen, dass sie von ihren Partnern angenommen und umgesetzt werden.

  • Mit den Gruppen und Gipfeltreffen wollen die Mitglieder-Staaten dazu beitragen, dass die weltpolitische Lage stabil bleibt. So arbeiten sie zusammen an vielen verschiedenen Themenbereichen, darunter globale Finanzsysteme, Handelsgesetze, Umweltschutz oder Entwicklungshilfe.

  • Beim kommenden G7-Gipfel auf Schloss Elmau vom 26. bis 28. Juni 2022 ist Deutschland der Gastgeber. Das nächste G20-Treffen findet zwischen dem 15. und 16. November 2022 auf der indonesischen Insel Bali statt.

Wer gehört zu G7 und G20 und warum?

Die Bezeichnungen G7 und G20 stehen für "Gruppe der Sieben" beziehungsweise "Gruppe der 20". Gemeint sind damit die sieben weltweit führenden Industrie-Nationen sowie die 20 global wirtschaftlich und politisch wichtigsten Staaten. Deutschland ist als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt in beide Formate eingebunden.

Der G7 gehören neben Deutschland zudem Frankreich, Italien, Japan, Kanada, die USA und Großbritannien an. Für die G20 kommen noch die Europäischen Union als Repräsentantin ihrer 28 Staaten sowie die zwölf bedeutendsten Industrie- und Schwellenländer dazu: Argentinien, Australien, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea sowie die Türkei.

Das sind die Mitglieder der G7 und G20

G7 Illustration
Zu den G7 gehören nur die führenden Industrieländer der Welt. Aufgrund ihrer...
G20 auf Karte
Die G20-Staaten repräsentieren zusammen den Großteil der Weltbevölkerung sowie 90...
G7 Illustration
G20 auf Karte

Von G6 bis G193: Die Formate im Wandel

Beide Gruppen sind aber keine internationalen Organisationen. Sie verfügen nicht über eigenes Personal oder einen dauerhaften Amtssitz. Stattdessen werden sie als informelle Arbeitsgemeinschaften ("Klubs") angesehen.

Die Zusammensetzung der G-Klubs hat sich im Laufe der Zeit immer wieder geändert und ist bis heute flexibel geblieben. Je nach politischer und wirtschaftlicher Situation können somit auch weitere Länder dazukommen oder aber ausgeschlossen werden. Im Hinblick auf den Krieg in der Ukraine forderten einige der G20-Staaten beispielsweise, dass Russland vom diesjährigen Gipfel aus- beziehungsweise die Ukraine eingeladen werden sollte. Das Treffen findet im November 2022 in Indonesien statt.

So hat sich das G-Format bisher verändert

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G8-Gipfel 2013
G8 plus 5
Familienfoto der G20-Staaten
UN-Generalversammlung

Was passiert auf den Treffen der Wirtschaftsnationen?

Die Staats- und Regierungschefs der G-Staaten - insbesondere der G7 - stehen in ständigem Austausch miteinander. Der öffentlich wichtigste Teil dieser Kooperationen sind die jährlichen Gipfeltreffen.

Dort kommen die wichtigsten Staatsvertreter:innen zusammen, um sich über internationale politische Fragestellungen abzustimmen. Ihre Themen sind vielfältig und reichen von weltwirtschaftlichen Themen bis hin zu Außen- und Sicherheitspolitik sowie zu Entwicklungs- und Klimazielen. Die Vereinbarungen der Nationen sind nicht rechtlich bindend, sondern kommen einer politischen Selbstverpflichtungen gleich.

 

G7- und G20-Gipfel: Ähnliche Themen, personelle Unterschiede

Die Agenden der beiden Gruppen überschneiden sich zum Teil. Die G7 legt zumeist jedoch einen größeren Fokus auf politische Themen und Sicherheitsfragen, während die G20 sich eher mit weltwirtschaftlichen Aspekten und der globalen Finanzpolitik befasst.

Die G7-Gipfel finden vor allem zwischen den Regierungs-Oberhäuptern der zugehörigen Nationen statt. Diese besprechen sich zu weltpolitischen Themen wie Klimawandel, organisierte Kriminalität, Drogen- und Waffenhandel, Kernenergie, Entwicklungshilfe und Rüstungskontrolle.

G7-Gipfel zum Ukraine-Krieg


Angesichts des Ukraine-Kriegs fand Ende März 2022 ein Gipfel-Marathon in Brüssel statt. Dabei trafen sich auch die amtierenden Staatsoberhäupter der G7, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Von links: Japans und Kanadas Premierminister Fumio Kishida und Justin Trudeau, US-Präsident Joe Biden, Bundeskanzler Olaf Scholz, der englische Premier Boris Johnson sowie die Präsidenten Frankreichs und Italiens, Emmanuel Macron und Manuel Draghi.
© picture alliance/dpa/dpa-pool | Michael Kappeler

Bei den G20-Treffen kommen neben den Regierungschefs und Finanzminister:innen der Mitgliedsstaaten auch Vertreter:innen von internationalen Institutionen zusammen.

Dazu zählen:

  • die Weltbank
  • der Internationale Währungsfond (IWF)
  • der Finanzstabilitätsrat (FSB)
  • die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)
  • die Welthandelsorganisation (WTO)
  • die Internationale Arbeitsorganisation (ILO)
  • die Vereinten Nationen (UN)

Die EU wird von der Ratspräsidentschaft und der Europäischen Zentralbank (EZB) vertreten. Darüber hinaus können weitere Staaten und Organisationen von den G20 eingeladen werden. So ist auch Spanien regelmäßig auf dem Weltwirtschaftsgipfel dabei, ebenso wie die Afrikanische Union, der Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) und weitere wechselnde Gäste.

Familienfoto der G20-Staaten


Zum G20-Gipfel kommen Regierungs- und Wirtschaftsvertreter:innen aus aller Welt zusammen.
© picture alliance / ZUMAPRESS.com | Sean Kilpatrick

Neben der Wirtschaft rücken mittlerweile auch andere Themen in den Fokus der G20. In den vergangenen Jahren wendete sie sich so auch Fragen im Bereich der Digitalisierung, Weltgesundheit, Klima-, Arbeitsmarkt- und Energiepolitik sowie der Ernährungs-Sicherung zu.

 

Wie organisieren sich die Gruppen?

Für solch große internationale Konferenzen müssen sich die Staaten eng miteinander abstimmen. Deren Regierungschefs, Minister:innen und verschiedene Fach-Arbeitsgruppen halten deshalb auch außerhalb der Gipfel Kontakt.

Pro Jahr übernimmt stets ein Mitgliedsland den Vorsitz und gestaltet das Programm. 2022 fällt diese Rolle in der G7 Deutschland zu, in der G20 Indonesien.

Die Themen für die Gipfel werden durch die sogenannten Sherpas der G7- und G20-Nationen vorbereitet. Für Deutschland übernimmt der Staatssekretär Jörg Kukies diese Aufgabe.

Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen


Jörg Kukies ist als deutscher Sherpa der persönliche Beauftragte von Kanzler Olaf Scholz bei den G-Gipfeln.
© picture alliance/dpa/dpa Pool | Bernd von Jutrczenka

Im Anschluss an die Treffen geben die Regierungen meist Gipfelerklärungen (Kommuniqués) mit den wichtigsten Ergebnissen, begleitenden Erklärungen und Arbeitsplänen für die Zukunft heraus.

Deutschlands G7-Präsidentschaftsprogramm für 2022: "Fortschritt für eine gerechte Welt"

Deutschland hat für das Jahr 2022 den Vorsitz in der G7 inne und wird das kommende Gipfeltreffen vom 26. bis 28. Juni auf Schloss Elmau im bayerischen Garmisch-Partenkirchen ausrichten.

Schloss Elmau


Malerische Kulisse für den G7-Gipfel: das Schloss Elmau am Fuße des Wettersteingebirges. Dort wird Deutschland im Juni 2022 die Vertreter:innen der G7-Staaten empfangen.
© IMAGO / Peter Widmann

Das diesjährige Programm steht unter dem Motto "Fortschritt für eine gerechte Welt". Es besteht aus fünf Schwerpunkten, an denen die G7-Staaten unter deutscher Führung arbeiten sollen.

Schwerpunkte des G7-Gipfel-Programms 2022

  • 🌍

    Nachhaltiger Planet: Die G7 hat Klima- und Umweltschutz zu einer ihrer Priorität erklärt. Als G7-Vorsitzender will Deutschland sich in diesem Jahr mit anderen Nationen zu einem "Klima-Club" zusammenschließen. So soll die globale Energiewende beschleunigt und der internationalen Klimaschutz vorangetrieben werden.

  • 💱

    Wirtschaftliche Stabilität und Transformation: Die G7 wollen daran arbeiten, dass die Weltwirtschaft sozial gerechter wird. Dazu versprechen sie, sich für nachhaltige wirtschaftliche Erholung und globales Wachstum einzusetzen, um die Wirtschaft nach der Corona-Pandemie wieder anzukurbeln und sich gemeinsam mit allen Ländern auf eine nachhaltige Zukunft einzustellen.

  • Gesundes Leben: Bereits in den Jahren vor der Corona-Pandemie hatte sich die G7 mit der Verbreitung von Krankheiten auseinandergesetzt. Das soll unter dem Vorsitz Deutschlands weitergeführt werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert, dass bis zur Mitte von 2022 mindestens 70 Prozent der Weltbevölkerung gegen Corona geimpft sind. Um dieses Ziel zu erreichen, will die G7 globale Impfkampagnen sowie Initiativen unterstützen, die einen weltweit gleichmäßigen und gerechten Zugang zu Covid-19-Impfstoffen gewährleisten. Das gilt auch für lokale Impfstoff-Produktionen in Entwicklungsländern.

  • 🤝

    Investitionen in eine bessere Zukunft: Die UN hat bis zum Jahr 2030 große Entwicklungsziele (Agenda 2030) für die Welt vorgegeben. Als führende Wirtschaftskraft liegt es vor allem bei der G7, ökonomisch schwächere Schwellen- und Entwicklungsländer sozial und wirtschaftlich zu fördern. Deutschland hat sich in seinem G7-Programm dazu entschieden, als Schwerpunkt globale Hunger-Krisen zu bekämpfen sowie die Rechte benachteiligter Mädchen zu stärken.

  • 🌐

    Starkes Miteinander: Die G7 ist durch gemeinsame Werte von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten eng verbunden. Deshalb setzen sich die G7-Staaten allgemein für stärkere soziale Gerechtigkeit und als Vermittler für Frieden und Sicherheit ein. So suchen ihre Regierungen vor allem in internationalen Krisen nach Lösungen und versuchen gleichzeitig, international geltendes Recht zu verteidigen.

Veröffentlicht: 04.04.2022 / Autorin: Laura Geigenberger