Dieses Sprachgenie spricht über 30 Sprachen
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Dieses Sprachgenie spricht über 30 Sprachen

vor 3 Jahren

Michal spricht über 30 Sprachen. Er lernt innerhalb von ein paar Wochen eine völlig neue Sprache – nur für uns. Und obwohl er das Abi nicht geschafft hat, studiert er inzwischen.

Ich muss zugeben: Als ich die Geschichte von Michal hörte, war ich skeptisch. Wie soll das funktionieren? So viele Sprachen zu lernen? Und das ohne eine der anderen wieder zu verlernen? All das ohne Lehrer. Ohne Unterricht. Aber gleichzeitig hatte mich Michal natürlich neugierig gemacht.

Michal im Gespräch mit einem Kunden aus Schweden – natürlich auf schwedisch

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Michal im Gespräch mit einem Kunden aus Schweden – natürlich auf schwedisch

Ich bin immer noch skeptisch. Michal will das ändern. In einem Duty Free Shop im Düsseldorfer Flughafens. Er hat hier einen Studentenjob: Er steht an der Kasse oder berät Kunden. Kunden, die auf einem Flughafen natürlich aus der ganzen Welt kommen. Sie sprechen also die unterschiedlichsten Sprachen und Michal sagt, er könne sich trotzdem mit fast allen unterhalten. Als mein Kamerateam und ich ankommen, ist Michal im Gespräch mit seinem Chef. Sie sprechen türkisch! Meine Zweifel werden weniger.

Trotzdem hoffe ich, dass heute Leute aus vielen verschiedenen Ländern unterwegs sind. Nur so kann Michal zeigen, dass er wirklich so viele Sprachen spricht, wie er behauptet. Was dann passiert, übertrifft allerdings alle meine Erwartungen: Wir treffen Menschen aus Schweden, Japan, Ungarn, Rumänien, Holland und sogar Israel – und mit allen kann sich Michal in ihrer Muttersprache unterhalten.

Hindi hat ein außergewöhnliches Schriftsystem.

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Hindi hat ein außergewöhnliches Schriftsystem.

Meine Skepsis ist verflogen. Das ganze Team ist sprachlos. Von meinem Kameramann höre ich immer mal wieder nur ein „Abgefahren!“. Die meisten Kunden sind kurz verwirrt. Oft passiert es sicherlich nicht, dass Sie auf Deutsche treffen, die ihre Sprache sprechen. Als wir dann erklären, warum wir Michal mit der Kamera begleiten, sind alle beeindruckt. Nur einmal muss Michal passen: Als eine Gruppe Inder in den Laden kommt, gesteht er: „Mit den indischen Sprachen habe ich mich noch nicht beschäftigt.“ Aber das soll sich bald ändern!

Denn für uns will Michal eine neue Sprache lernen. Um zu zeigen, dass er nicht nur viele Sprachen spricht, sondern auch innerhalb von wenigen Wochen eine neue lernen kann. Michal entscheidet sich für: Hindi. Die Amtssprache Indiens. 650 Millionen Menschen auf der Welt sprechen Hindi. Nur Chinesisch und Englisch wird von noch mehr Menschen gesprochen. Es ist also sicherlich nicht unpraktisch Hindi zu lernen. Aber vor allem auch nicht gerade leicht. Ein eigenes Schriftsystem. Ein für uns völlig ungewohnter Klang. Und natürlich jede Menge neue Vokabeln. Das will Michal sich in vier Wochen selbst beibringen.

Michals Bude ist vollgestopft mit Wörterbüchern.

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Michals Bude ist vollgestopft mit Wörterbüchern.

Ich bin fest überzeugt, dass Michal das schafft. So wie ich ihn kennengelernt habe, ist er ein Kämpfer. Wenn er etwas wirklich will, dann schafft er das auch.
Ein gutes Beispiel dafür: Sein Kampf um einen Studienplatz. Denn, dass Michal studiert ist nicht selbstverständlich. Das Abi hat er trotz seiner offensichtlichen Begabung nicht geschafft. Während ihm auch schon in der Schule alles was mit Sprachen zu tun hatte leicht fiel, tat er sich mit vielen anderen Fächern schwer. Vor allem mathematische Aufgaben waren für ihn unlösbare Rätsel. Diese Schwäche verfolgt ihn auch an der Uni noch: Er braucht bei Klausuren mehr Zeit als andere. Analytisches Denken, also das interpretieren von Texten zum Beispiel, fällt ihm schwer. Den Bachelor hat er inzwischen geschafft. Allerdings erst im zweiten Anlauf.

Kann Michal sich nach nur vier Wochen tatsächlich mit einem Inder unterhalten?

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Kann Michal sich nach nur vier Wochen tatsächlich mit einem Inder unterhalten?

Aber wie kann es dann sein, dass Michal ausgerechnet das Lernen von Sprachen so leicht fällt? Wir besuchen Sebastian Geukes. Er ist Psychologe und Neurowissenschaftler an der Universität in Münster. Als wir mit Michal dort ankommen treffen wir auch die Institutsleiterin auf dem Gang. Sie kommt aus den Niederlanden und schnell entwickelt sich ein Gespräch zwischen ihr und Michal. Natürlich auf holländisch. Die beiden scheinen sich zu amüsieren. Ich stehe daneben und verstehe kein Wort.

Um eine Sprache gut und schnell zu lernen, gibt es einige Vorraussetzungen. Eine gute Lautwahrnehmung um eine Sprache zu verstehen, die Fähigkeit fremde Laute nachzuahmen und ein gutes Gedächntnis. Das ist etwas, das bei Michal ganz besonders ausgeprägt ist. Wie sonst könnte er über 30 Sprachen und Tausende von Wörtern in diesen Sprachen im Kopf haben. Wie außergewöhnlich sein Gedächtnis ist, will er uns aber auf eine andere Art Beweisen.

Schon bei unserem ersten Treffen erzählt Michal mir, dass er alles über den Eurovision Songcontest weiß. Mit alles, meine ich: alles! Austragungsorte, Teilnehmer, Songs, Platzierungen der Bands, sogar die genaue Punktzahl von jedem einzelnen Teilnehmerland. Und das, seitdem der Wettbewerb das erste Mal ausgetragen wurde: Das war 1956. Eine unglaubliche Menge an Daten ist das. Und Michal behauptet, er habe sie alle im Kopf…

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