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Du schämst dich? In dem unguten Gefühl liegt ungeahnte Kraft

Das ist ja peinlich! Scham ist ein unangenehmes Gefühl, das wir alle kennen. Wieso du bei Scham rot wirst und warum wir uns auch fremdschämen, erfährst du auf dieser Seite. Außerdem: So machst du aus deiner Verletzlichkeit eine Stärke.
Sich schämen ist zwar ein ungutes Gefühl, hat aber auch seine positiven Seiten - und kann dich noch stärker machen.

Das Wichtigste zum Thema Scham

  • Scham ist nicht angeboren. Sie entwickelt sich bei Kindern etwa im Alter von 2 bis 3 Jahren.

  • Menschen schämen sich, wenn sie sich schwach fühlen und gesellschaftliche Regeln brechen.

  • Hinter Scham steckt die Angst, abgelehnt oder von einer Gruppe ausgeschlossen zu werden. Sie hat eine soziale Schutzfunktion.

  • Scham- und Verletzlichkeitsforscherin Brené Brown aus den USA offenbarte in einem wissenschaftlichen Talk eine schwache Seite von sich - das Video ging viral.

  • Die Forscherin zeigt, wie aus dem unangenehmen Gefühl der Schwäche eine Stärke werden kann (siehe Video auf dieser Seite).

Warum erröten Menschen, wenn sie sich schämen?

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    Körper und Psyche beeinflussen sich gegenseitig. Schämst du dich, wird dein Kopf stärker durchblutet. Die Gefäße weiten sich und füllen sich mit mehr Blut. Das passiert auch bei hohen Temperaturen oder beim Sport.

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    Die Reizschwelle ist von Person zu Person unterschiedlich. Auch die Dicke der Haut und der Teint beeinflussen, wie schnell und wie stark jemand rot wird.

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    Wir laufen nur rot an, wenn andere Menschen anwesend sind. Erröten hat eine soziale Funktion und beschwichtigt. Studien zeigen: Ein roter Kopf macht sympathisch.

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    Du kannst das Erröten nicht willentlich steuern. Tipp: Versuche nicht, es zu unterdrücken - das führt nur zu noch mehr Stress. Besser: Erforsche und notiere, welche Gedanken genau zur Scham führen.

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    Beim Erröten fühlt man sich kurzzeitig krank wie bei einer Infektion. Tatsächlich löst Scham eine Immunantwort aus, fand die US-Psychologin Sally Dickerson anhand von Speichelproben heraus.

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    Teufelskreis! Wer sich vorm Erröten fürchtet, der glüht schon bald. Für die Angst vorm roten Kopf gibt es sogar einen medizinischen Fachgegriff: Erythrophobie.

Du bist so peinlich! Das Phänomen des Fremdschämens

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    Der Kollege referiert mit offenem Hosenstall, der Freund schafft es nicht einzuparken - und alle im Restaurant sehen es- und im TV machen sich Prominente zum Affen: Typische Situationen zum Fremdschämen.

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    Wir können uns für etwas schämen, was uns gar nicht betrifft. Dafür gibt es den Begriff "fremdschämen", der seit 2009 sogar im Duden steht.

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    Im Gehirn sind beim Fremdschämen ähnliche Bereiche aktiv wie beim Mitgefühl für körperliche Schmerzen - fanden Marburger Forscher heraus.

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    Die Person bemerkt ihr peinliches Verhalten gar nicht - aber du schämst dich trotzdem? Das kann passieren, weil du dich in die Lage der Person versetzt.

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    81 Prozent der Deutschen schämen sich im Urlaub für ihre Landsleute - ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts "Yougov" im Jahr 2017.

Scham los! Brené Brown macht aus Verletzlichkeit eine Stärke

Verletzlichkeit und Scham - das ist tatsächlich ein Forschungsgebiet. US-Professorin Brené Brown von der Uni Houston sagt: Scham sei zur Epidemie geworden. Aber sie weiß auch das Gegenmittel: Verletzlichkeit zeigen.

Ausgerechnet der wissenschaftliche Talk, für den sie sich selbst am meisten schämte - ging viral. Über 35 Millionen Menschen schauten den Vortrag. Brené Brown erzählte darin von ihrem Nervenzusammenbruch  - später konnte sie es nicht fassen, dass sie dies vor einer Kamera preisgegeben hatte. Sie wollte alles rückgängig machen. Doch was geschah? Die Menschen fühlten sich mit der Forscherin verbunden, da sie ihre schwache Seite gezeigt hatte. Das Leben von Brené Brown nahm einen neuen Lauf.

Brené Browns Vortrag

Take-aways aus dem Vortrag

  • Nach ihrem Video-Hit fragten sie viele Unternehmen für Vorträge an. Die Forscherin sollte aber bitte nicht über Scham und Verletzlichkeit sprechen. Sondern? Über Innovation, Kreativität und Veränderung. Genau dafür sei Verletzlichkeit aber der Schlüssel, meint die Bestseller-Autorin.
  • Wer offen mit Freunden und Familie über Schwächen und Unsicherheit spricht, schafft emotionale Nähe und erlebt mehr Verbundenheit, Freude und Liebe - zeigen viele Forschungsergebnisse.

  • Menschen denken, sie seien die Einzigen, denen etwas Peinliches passiert. Aber wer Schwächen zugibt, hört oft: Das kenn ich auch. Offenbart sich einer, öffnet das Türen zum anderen.

  • Scham verschließt, isoliert und lähmt. Es ist anstrengend, sein Handeln immer nur anderen Menschen rechtzumachen.

  • Brené Brown rät: Rein in die Arena des Lebens. Gehe das Risiko ein, unperfekt zu sein. Dann kann sich dein Potenzial offenbaren und du bist authentisch.
  • Der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Männer wollen stark wirken, Frauen streben nach Perfektion.

Brené Brown hat mehrere Bestseller geschrieben. Zu ihren Büchern zählen: "Verletzlichkeit macht stark", "Die Gaben der Unvollkommenheit", "Laufen lernt man nur durch Hinfallen", "Führung wagen".

Gemeinsam gegen die Scham: Frauen zeigen ihre Bäuche!

Veröffentlicht: 23.06.2020 / Autor: Alena Brandt