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Längst durchgekaut? Nein, diese Kaugummi-Facts kennst du sicher nicht

Wer Kaugummi kaut, ist attraktiv. Glaubst du nicht? Dann schau dir unten im YouTube-Video das Experiment an. Oben im Video erfährst du, wer auf die Kaugummi-Idee kam.

Die größten Kaugummi-Mythen im Check

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    Kaugummikauen hilft beim Abnehmen - Stimmt nicht. Wer vor dem Essen Kaugummi kaut, isst nicht weniger. Das fanden US-Forscher der Universität in Buffalo heraus.

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    Kaugummi-Kauen ist gut beim Fliegen - Stimmt. Vielleicht kennst du das unangenehme Gefühl bei Start oder Landung. Der Grund: Läuft der Druckausgleich im Mittelohr nicht optimal, wird das Trommelfell eingedrückt. Kaugummi hilft. Denn: Beim Schlucken oder Kauen öffnet sich die Eustachische Röhre, was den Druckausgleich möglich macht.

  • Kaugummi-Kauen steigert die Konzentration - Stimmt teilweise. Japanische Forscher haben bewiesen, dass das Kauen von Kaugummi die Blutzufuhr im Gehirn um bis zu 25 Prozent erhöht. Die Ursache ist aber nicht der Kaugummi, sondern die Kaubewegungen. Man könnte also auch auf Luft kauen.

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    Kaugummi ersetzt das Zähneputzen - Stimmt nicht. Kaugummi-Kauen wirkt nicht gegen Plaque. Es regt aber den Speichelfluss an, neutralisiert Säuren und verbessert so die Mundhygiene.

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    Kaugummi schützt vor Sodbrennen - Stimmt. Wie gerade schon gesagt: Kaugummi-Kauen regt die Speichelproduktion an. Die Spucke neutralisiert die Magensäure nach dem Essen.

  • Kaugummi-Kauen beeinflusst den Alkoholtest - Stimmt teilweise. In vielen Kaugummis steckt "mehrwertiger Alkohol". Alkohol-Messgeräte, die man im Internet kaufen kann, schlagen auf Ethanol oder Menthol an. Die Geräte der Polizei messen aber viel genauer, Kaugummi am Steuer ist also kein Problem.

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    Kaugummikauen macht einen markanten Kiefer - Stimmt nicht. Jede Kaubewegung stärkt die Kaumuskulatur. Für einen markanteren Kiefer müsstest du schon jeden Tag stundenlang Kaugummi kauen.

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    Ein geschluckter Kaugummi verklebt den Magen - Stimmt nicht. Kaugummi klebt wunderbar an Oberflächen. Im Körper allerdings nicht. Dort legt sich ein Feuchtigkeitsfilm auf den Kaugummi und verhindert den Kontakt mit der Körperoberfläche. Die Kaumasse wird einfach wieder ausgeschieden.

  • Kaugummi verursacht Durchfall - Stimmt bedingt. In einigen Kaugummis steckt das Süßungsmittel Sorbitol, das auch als Abführmittel benutzt wird. Wer viele Kaugummis an einem Tag kaut, muss unter Umständen auch öfter auf die Toilette.

In aller Munde: 9 Fakten über Kaugummi

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    Volker und Thomas Martin aus Freiburg besitzen die größte Sammlung von Streifen-Kaugummis (über 15.500): unter anderem mit Ginseng, Kaffee, Rosenblüte, Fichtennadel oder Knoblauch. Sie stehen im Guiness-Buch der Rekorde.

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    Susan Montgomery Williams aus San Francisco hält den Rekord in der Disziplin "Größte Kaugummiblase aus nicht mehr als 3 Kaugummis". Der Durchmesser: 58,4 Zentimeter.

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    Das teuerste Kaugummi der Welt wurde bei Ebay für rund 460.000 Euro verkauft. Es gehörte dem Ex-Trainer von Manchester United, Sir Alex Ferguson.

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    Seit 1992 ist Kaugummi in Singapur aus Gründen der Sauberkeit und Müllbekämpfung verboten. Seit 2004 darf Kaugummi gegen Vorlage eines Rezepts und des Personalausweises in Apotheken gekauft werden.

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    Aus Kleidung löst sich ein Kaugummi am besten, indem du ihn mit einem Eiswürfel abkühlst.

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    Viele Hobbyköche schwören auf Kaugummi beim Zwiebelschneiden. Wenn du kontinuierlich kaust, sollen Tränen fernbleiben.

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    Wenn du im Iran "Adams" bestellt, bekommst du Kaugummis. Der Erfinder von Kaugummi hieß Thomas Adams, deswegen heißen sie im Iran noch immer so.

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    Ein Kaugummi läutete die Ära der computergesteuerten Kassen ein. Es war das erste Produkt der Welt, das 1974 durch einen Laser gescannt wurde.

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    Kaugummikauen macht attraktiver. Das hat ein Experiment im Museum of Contemporary Art Buenos Aires bewiesen. Besucher beurteilten identische Zwillingspaare nach Beliebtheit, Attraktivität und Sympathie. Das Ergebnis: 73 Prozent fanden den Zwilling mit Kaugummi attraktiver.

Das Experiment im Museum of Contemporary Art Buenos Aires

Was man mit Kaugummis alles machen kann

Was kaust du da eigentlich?

Hast du dir mal die Inhaltsliste auf der Kaugummi-Verpackung angeschaut? Die ist bei den meisten Sorten endlos. Was sich genau hinter dem Wort "Kaumasse" versteckt, darüber schweigen die Hersteller. Aber: Der Grundstoff sind Polymere, also Kunststoffe und damit Erdöl-Produkte.

Außerdem stecken Füllstoffe, Weichmacher, Feuchthaltemittel, Antioxidantien, Aromen, Säuren, Farbstoffe, Emulgatoren und Zucker oder Süßstoffe drin.

Die Herstellung von Kunststoffen auf Basis von Erdöl und Erdgas stößt Umwelt-Freunden übel auf. Nicht nur wegen der knapper werdenden Rohstoffe, sondern auch wegen politischen Problemen und Umweltrisiken bei der Erdöl-Gewinnung.

Kaugummi: Geht's auch ohne Plastik im Mund?

Ja, es gibt natürliche Alternativen. Sie sind aus Chicle, dem Milchsaft des Breiapfelbaums. Aber auch hier gibt es einen Haken. Zwar handelt es sich dabei um einen nachwachsenden Rohstoff, jedoch hat auch Chicle keine perfekte Ökobilanz: Er er muss erst aus Mittelamerika hertransportiert werden.

Breiapfelbaum mit Früchten

Das Wichtigste zum Thema Kaugummis

  • Schon in der Steinzeit war Kaugummi beliebt. Das beweisen schwarze Klumpen aus prähistorischem Teer, die Forscher in Nordeuropa fanden. Die Neandertaler kauten auf Birkenharz und Honig.

  • Das erste Patent zur Herstellung gab es 1869. Die Masse für den Kaugummi, Chicle, gewann man aus dem Saft des Breiapfelbaums in Zentralamerika. Heute besteht die Kaumasse meist aus synthetischen Stoffen wie Kunststoff, Weichmachern und Verdickungsmitteln.

  • Weltweit kauen wir pro Jahr fast 600.000 Tonnen. Besonders beliebt sind sie bei 14- bis 19-Jährigen, im Schnitt kaut jeder von ihnen 2,5 Kilo pro Jahr. Der jährliche Umsatz der Kaugummi-Industrie liegt hierzulande bei etwa 560 Millionen Euro.

  • Kaugummi aus dem Supermarkt ist nicht biologisch abbaubar. In Deutschland werden jährlich schätzungsweise 900 Millionen Euro ausgegeben, um sie von Straßen zu entfernen.

  • Einen Kaugummi auf die Straße zu spucken, kostet: Bis zu 250 Euro Bußgeld sind in Baden-Württemberg fällig, in München und Hamburg 55 Euro.

Veröffentlicht: 08.05.2020 / Autor: Melanie Khoshmashrab

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