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Ein Automat für alle Fälle: Süßigkeiten, Wurst, Angelköder oder Werkzeuge

Die roten Kaugummi-Automaten zum Drehen sind Kult. Die neuen Automaten haben aber mehr als nur Süßes zu bieten - vom Angelköder bis zum Werkzeug.
Teaserbild: Ein Automat für alle Fälle: Süßigkeiten, Wurst, Angelköder oder Werkzeuge

Das Wichtigste zum Thema Automaten

  • Sie sind praktisch, immer geöffnet und können echte Lebensretter sein: Automaten.

  • Tickets ziehen für die Bahn, einen Becher Kaffee kaufen oder Geld abheben - all das machen wir selbstverständlich an Automaten.

  • Aber auch andere teils skurrile Dinge können wir über diese Quelle kriegen. Wir verraten dir, für was es alles Automaten gibt.

Das waren die ersten Automaten weltweit

Ihren Ursprung haben Automaten in der Antike. Dort gab es automatische Theater- und Musik-Maschinen. Mit dem Niedergang des Römischen Reichs verschwanden auch die antiken Automaten (vorerst) wieder von der Bildfläche.

Auf der arabischen Halbinsel ging die Zeit der Automaten aber weiter. Der muslim-arabische Ingenieur und Autor Al-Dschazari erbaute im 13. Jahrhundert den ersten menschenähnlichen Automaten. Ein weiteres Projekt: die lebensgroße Nachbildung eines Elefanten, der mit Hilfe einer Wasseruhr die Zeit ansagen konnte.

Spielautomaten hingegen gibt es erst seit 1887. Damals entwickelte der US-amerikanische Maschinenbauer Charles August Fey den ersten einarmigen Banditen namens "Liberty Bell".

Spielautomaten


Die wollen nur spielen: Männer in einer Spielhalle 1961 in Paris.
© picture alliance/akg-images

 

Das erste Patent für einen Automaten wurde ein Jahr später beantragt - und zwar in Berlin. Unter der Überschrift "Selbstthätiger Verkaufsapparat" ließ Max Sielaff seinen Waren-Automaten patentieren. Seitdem wird vieles in den meist klobigen Boxen verkauft: Zigaretten, Kaffee, Kondome, Getränke oder Süßigkeiten.

Erinnerst du dich? Diesen Kult-Automat kennen viele noch aus ihrer Kindheit

Einen regelrechten Hype gab's um die roten Kaugummi-Automaten. Die mit Süßigkeiten bespickten Blechkästen kamen in der Nachkriegszeit zu uns und waren besonders in West-Deutschland beliebt.

Später wurden auch andere Dinge wie Schlüsselanhänger oder winzige Taschenmesser als zusätzliche Gimmicks in die Automaten gefüllt.

Süßigkeiten in einem alten Automaten

© picture alliance/imageBROKER

 

Heute, so schätzt der Verband Automaten-Fachaufsteller, gibt es in Deutschland noch zwischen 500.000 bis 800.000 Exemplare von diesen roten und zumeist schon rostigen Automaten.

Ein Klassiker unter den Automaten: die Fotobox

Der Franzose Ernest Enjalbert soll 1889 den ersten funktionsfähigen Fotoautomat entwickelt haben. Der wurde auf der Pariser Weltausstellung vorgeführt. Das alte Exemplar im Bild steht in Berlin-Friedrichshain.

Diese skurrilen Dinge kannst du dir am Automaten ziehen

  • 🍖

    In einigen deutschen Städten gibt es Automaten, die abgepackte Wurst, Grillfleisch und sogar Eier- oder Nudelsalate anbieten. Alles natürlich gut gekühlt.

  • 🙏

    Du brauchst neues Lego? Kein Problem! Am Münchner Hauptbahnhof steht ein Legostore-Automat. Hier kannst du dich zwischen Lego-Schachteln zu "Star Wars"-Figuren, Rittern oder Schiffen entscheiden.

  • 🐟

    Außerdem findest du in München einen Automaten für Angelköder und Zahnbürsten.

  • 🍕

    Auch fertige Pizzen lassen sich an Automaten heutzutage ziehen. Wie die wohl schmecken?

  • 🍟

    In den USA soll es Automaten geben, die dir Pommes, Zwiebelringe oder eine Frikadelle auf Knopfdruck ausliefern.

  • 💰

    Alles nicht nach deinem Geschmack? Dann das hier vielleicht: In Singapur kann man sogar Gold und Silber am Automaten ziehen.

Der neueste Trend: Toolbot

Du brauchst mal wieder einen Akkubohrer oder eine Stichsäge? Aber für viel Geld ein eigenes Gerät anzuschaffen, lohnt sich nicht? Das dürfte bald kein Problem mehr sein - dank dem Toolbot.

Das ist ein Automat, bei dem du dir Werkzeuge gegen eine Gebühr ausleihst.

Die Idee der Erfinder: Bevor sich 1.000 Menschen Billigwerkzeug kaufen, sollen sie sich doch lieber über den Toolbot hochwertiges Werkzeug ausleihen, das regelmäßig gewartet wird. Das sei nachhaltiger, erklärt Jan Gerlach, Gründer des Start-Ups.

So soll der Toolbot zukünftig aussehen


So soll der Toolbot zukünftig aussehen
© Presse toolbot

 

Über eine App kannst du dich registrieren, reservierst das gewünschte Werkzeug und leihst es aus. Bezahlt wird mit Kreditkarte. Eine Kaution muss nicht hinterlegt werden - anders als in Baumärkten.

Eine weitere tolle Sache: Durch das Ausleihen kannst du Elektroschrott vermeiden und sparst zudem CO2 ein.

Bislang stehen die Werkzeug-Automaten nur in Berlin - und zwar in 3 Spätkauf-Läden ("Spätis") in Friedrichshain, Neukölln und Prenzlauer Berg.

Auch zu Corona-Zeiten kommen Automaten zum Einsatz

In Polen können an einigen Automaten Gesichtsmasken, Handschuhe und Desinfektionsmittel gekauft werden - so wie hier in Krakau.

© picture alliance / NurPhoto

Veröffentlicht: 26.06.2020 / Autor: Benjamin Reibert