Ein Biss in diese Chili kostete einem 47-Jährigen fast das Leben
via Flickr/Eli Christman/CC BY 2.0

Ein Biss in diese Chili kostete einem 47-Jährigen fast das Leben

vor 3 Wochen

Wettessen sind sowieso eine schwierige Angelegenheit. Wenn es dabei noch um Chilis geht, gehört auch eine ordentliche Portion Mut dazu. Die wurde einem US-Amerikaner fast zum Verhängnis und endete mit einem Loch in seiner Speiseröhre.

Ihr habt vielleicht schon mal von der Scoville-Skala gehört. Mit ihr kann man die Schärfe von Chilis messen. Entwickelt wurde sie bereits 1912. Der Scoville-Wert hängt vom Anteil des Capsaicins in der getrockneten Frucht ab. Das reizt unsere Schleimhäute und lässt uns Schärfe – und meistens auch Schmerz – spüren.

Zum Vergleich: Unsere Gemüsepaprika hat zwischen 0 und 10 Scoville. Eine Peperoni hat 100 bis 500, Tabasco 2.500 bis 5.000. Eine Jalapeno geht bis 8.000 Scoville. Vielleicht kennt ihr noch Habaneros: die reichen von 100.000 bis 350.000 Scoville. Im folgenden Fall hat ein US-Amerikaner allerdings eine Bhut Jolokia gegessen. Die erreicht 1.000.000 Scoville. Da hört der Spaß dann auf. Denn der Mann wäre dabei fast draufgegangen.

In einem Restaurant in San Francisco wurde ein Burger-Esswettbewerb veranstaltet. Klingt harmlos. Darauf befand sich allerdings eine Paste bestehend aus der aus Indien stammenden Bhut Jolokia. Mit Würgen und Brechen (ja, wortwörtlich) kam er in die Notaufnahme im Krankenhaus von San Francisco. Dort wurden seine Magenschmerzen immer schlimmer. Er konnte aber noch erwähnen, dass er den ganzen Burger geschafft hatte.

Während Wasser natürlich überhaupt nicht seine Schmerzen linderte, taten es auch nicht die von den Ärzten verabreichten Magen-Darm-Mixturen. Seine Herzfrequenz stieg auf 106 Schläge pro Minute (normal ist zwischen 50 und 100). Er wurde hypoxisch, es kam nicht genug Sauerstoff zu seinen Organen.

Die Ärzte nahmen ihn mit in den Operationssaal, um ihm einen Schlauch in die Brust zu stecken (Thoraxdrainage), der überschüssige Flüssigkeiten (die Details ersparen wir euch an dieser Stelle) absaugen sollte. Dabei fiel ihnen ein Riss in der Speiseröhre auf. Der war zweieinhalb Zentimeter lang. Es brauchte insgesamt drei Thoraxdrainagen und eine Magensonde, bis der 47-Jährige anfing, gesund zu werden.

Die Aufblähung der Lungenflügel ist gut zu erkennen.

Röntgenaufnahme der Brust des Patienten
Die Aufblähung der Lungenflügel ist gut zu erkennen.
© via Science Direct

Nach 17 Tagen konnte er zumindest wieder Flüssigkeit zu sich nehmen. Nach 23 Tagen konnte er das Krankenhaus verlassen. Nahrung nahm er weiterhin nur über die Magensonde auf.

Chili

MRT-Ergebnisse
Man erkennt den Riss in der Speiseröhre.
© via Science Direct

Aber wie kam es zum Reißen der Speiseröhre? Dieses „Phänomen“ nennt sich Boerhaave-Syndrom. Es ist sehr selten (bis 1990 waren in der medizinischen Fachliteratur gerademal 900 Fälle bekannt) und tritt hauptsächlich auf, wenn man sehr viel und sehr stark brechen muss. Bekommt man nicht schnell genug medizinische Versorgung, liegt die Sterbequote bei über 90 Prozent. Bisher gab es keinen bekannten Fall, in dem das Syndrom als Folge vom Essen von Chilis aufgetreten ist. Das macht diesen Fall auch sehr besonders, so dass er jetzt veröffentlicht wurde.

Übrigens: Die Kerne, die wir meistens als besonders scharf empfinden, beinhalten gar kein Capsaicin. Sie befinden sich aber in direktem Kontakt mit der extrem scharfen Plazenta und werden deshalb gerne von uns gemieden.

Und wie bekommt ihr diese Kerne am einfachsten aus der Schote? So:

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