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Ein Klo für Kühe? Warum das gut für das Klima wäre

Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe - und extrem viel Treibhausgas. Durch ihre Ausscheidungen - mindestens 50 Kilo pro Tag - produzieren die Wiederkäuer ein Gas, das sogar schädlicher ist als Kohlendioxid. Warum ein Klo für Kühe die Lösung sein könnte.

Teaserbild: Ein Klo für Kühe? Warum das gut für das Klima wäre

Das Wichtigste zum Thema Kuh-Klo

  • Kühe machen ihr Geschäft, wo sie gerade wollen. Sie suchen zum Beispiel nicht wie Katzen ein spezielles Klo auf oder "machen" immer nur in eine Ecke.

  • Eine erwachsene Milchkuh scheidet am Tag 20 bis 30 Liter Urin und 30 bis 40 Kilogramm Kot aus.

  • Das Problem: Vermischen sich Urin und Kot, kann Ammoniak freigesetzt werden. Das indirekte Treibhausgas kann zu Lachgas werden - und das ist noch viel schädlicher als CO2.

  • Henk Hanskamp aus den Niederlanden hat ein Kuh-Klo erfunden. Mehr dazu im Clip oben.

  • Verhaltensbiologen des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie testen nun, inwieweit ein Toilette für Kühe dabei helfen könnte, die Entstehung von Ammoniak zu verhindern.

  • Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Kühe die neurophysiologischen Voraussetzungen und Intelligenz dafür haben, ein Klo zu benutzen.

Was bringt ein Kuh-Klo?

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    95 Prozent der Ammoniak-Gase kommen aus der Landwirtschaft, davon 50 Prozent aus der Rinderhaltung. Kann man sie reduzieren, würde das dem Klima helfen.

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    Auch für die Tiere selbst wäre das Kuh-Klo ein Vorteil. Denn der Schmutz ist ungünstig für die Klauen- und Euter-Gesundheit.

So sieht es aus, wenn eine Kuh die Toilette benutzt

Gute Kuh, böse Kuh: So trainiert man Kühe

Wie bringt man Kühen bei, eine Toilette zu benutzen? Das fragten sich die Wissenschaftler des Gemeinschaftsprojekts der Universität Auckland (Neuseeland), des Instituts für Tierschutz und Tierhaltung in Celle und des Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN).

Die Lösung: ein Belohnungs-Bestrafungs-System. Als Belohnung gab es 40 Gramm gequetschte Gerste. Bei Urin-Ausscheidungen außerhalb des Klos gab es für die Kühe eine kurze Dusche - die mögen sie nämlich nicht gern. Nach mehreren Durchgängen hatten die Wissenschaftler laut eigenen Angaben 11 von 16 Tieren gelernt, das Kuh-Klo zu benutzen.

In dem Versuch trainierten die Kälber mit sogenannte Latrinen, also Behelfs-Klos. Die sind 2 auf 2 Meter groß, haben grüne Plastikwände an 3 Seiten und 2 Tore an der anderen Seite. Als Spritzschutz dient eine durchlässige grüne Kunstrasen-Matte am Boden.

Später muss sichergestellt werden, dass der Kot in der Latrine vom Urin getrennt wird. Das stand bei diesem ersten Versuch aber nicht im Fokus. Es ging vielmehr darum, ob die Kühe überhaupt die Latrine zum Urinieren nutzen.

Funktioniert das Kuh-Klo in der Praxis?

Das muss sich noch zeigen. Die Schwierigkeit: Der Bauer kann nicht tagelang im Stall stehen und alle Tiere im Blick haben, um ihnen das neue Verhalten beizubringen. Jedoch erhoffen sich die Wissenschaftler, dass schon Jungtiere direkt lernen das Kuh-Klo zu nutzen.

Die Forscher arbeiten bereits an einem automatisierten Training. Auch ein Einsatz der Latrine auf der Weide wäre denkbar. Dort vermischen sich Kot und Urin allerdings nicht so häufig, wie bei der Haltung im Stall.

Und was soll das Kuh-Klo dann kosten? Das können die Wissenschaftler noch nicht sagen. Bisher wurde nur überprüft, ob sich die Tiere soweit trainieren lassen. Eine Latrine für die Praxis muss noch entwickelt werden.

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Veröffentlicht: 22.09.2020 / Autor: Bianca Leppert