Themenseiten-Hintergrund

Start des Ramadan: ein Fastenmonat zwischen Pandemie und Polarkreis

Der Fastenmonat Ramadan ist eines der wichtigsten religiösen Rituale für Muslime in aller Welt: Doch in diesem Jahr müssen die Gläubigen auf einige Traditionen verzichten.

Das Wichtigste zum Thema Ramadan

  • Der Ramadan ist der Fastenmonat der Muslime. Im islamischen Kalender ist es der 9. Monat. Aufgrund des Mondzyklus verschiebt sich die Fastenzeit jedes Jahr um 10 bis 12 Tage nach vorn.

  • Gläubige sollen zwischen Sonnenauf- und -untergang auf Essen und Trinken verzichten. Davon ausgenommen sind Kinder, Kranke, Altersschwache, Schwangere, Stillende und Reisende.

  • Sex ist "nur" tagsüber verboten. Im Koran steht: "Euch ist zur Fastenzeit erlaubt, des Nachts mit euren Frauen zu schlafen."

  • Weitere Pflichten: sich um Bedürftige kümmern, spenden, nachdenken und Zwiesprache mit Allah halten.

  • Zum Fastenbrechen werden nach dem Abendgebet traditionell Datteln und Wasser gereicht, bevor gemeinsam gegessen wird.

Wenn die Sonne nicht auf- oder untergeht: Ramadan am Polarkreis

In den nördlichsten und südlichsten Gegenden der Erde kann es - je nach Jahreszeit - extrem lange hell oder dunkel sein. Das wirkt sich im Ramadan auf die Dauer des täglichen Fastens aus.

Zudem geht an den Tagen der Sonnenwende jenseits der Polarkreise die Sonne nicht auf oder unter. Wie lange also sollen Gläubige dort fasten? Liberale Gelehrte meinen: Muslime dürfen sich nach den Uhrzeiten der heiligen Städte Mekka oder Medina richten, wenn sie tatsächlich mehr als 18 Stunden fasten müssten. Sonst wäre die körperliche Belastung zu hoch.

Orthodoxe sehen das anders: Solange es Sonnenauf- und -untergang gibt, sind die Regeln einzuhalten. "Verpasste" Fastentage können bis zum nächsten Ramadan nachgeholt werden.

Gläubige beten in einer Moschee


Gläubige beten in einer Moschee
© picture alliance / Godong

Fasten trotz Corona-Virus?

  • 😔

    Millionen Muslime in aller Welt machen sich wegen Corona Sorgen um ihren Fastenmonat, der dieses Jahr am 23. April beginnt.

  • 🕌

    Fest steht bereits, dass sich die rund 5 Millionen Muslime in Deutschland aufgrund der Ausgangsbeschränkungen nicht in Moscheen zum Gebet treffen können.

  • 🗣

    Ayman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, appellierte an seine Gemeinden, die für die Religionsausübung geltenden Einschränkungen auch im Ramadan einzuhalten.

  • 💬

    Es falle zwar schwer, Moscheen im Heiligen Monat geschlossen zu halten. Aber die Vorgaben zu befolgen, sei eine religiöse und bürgerliche Verantwortung, so Mazyek.

Vergesst den Abstand nicht!

Trotz der weltweiten Lockdowns und den Aufrufen, genügend Abstand zu halten, versammelten sich in den letzten Wochen viele Muslime zu den Freitagsgebeten. Sie beteten Schulter an Schulter, trugen aber teilweise Atemschutzmasken - so wie hier in Bangladesch.

© picture alliance/ZUMA Press

Eid al-Fitr: Was ist das?

Das Fest des Fastenbrechens (Eid al-Fitr) beendet weltweit den Ramadan. Je nach Land und Region dauert es 2 bis 3 Tage. Die Gläubigen danken Allah dafür, dass sie das Fasten und die damit verbunden Anstrengungen und Aufgaben gemeistert haben. Gefeiert wird mit ausgiebigen Festessen, vielerorts finden Lichterumzüge, Musik- und Tanzveranstaltungen statt. Weil viele Süßigkeiten verschenkt werden, ist im Türkischen auch vom Zuckerfest (Şeker Bayramı) die Rede.

Und was ist mit dem öffentlichen Fastenbrechen?

In Ägypten wurde das öffentliche Fastenbrechen wegen der Corona-Pandemie bereits abgesagt. Größere Versammlungen sind dort verboten.

Auch das geistliche Oberhaupt des Iran Ali Chamenei stellte klar: "Diesen Ramadan werden wir auf öffentliche Versammlungen verzichten müssen. Das betrifft sowohl Gebete als auch Versammlungen zum Fastenbrechen."

Ähnlich in Deutschland: "Das Fastenbrechen muss sich in diesem Jahr innerhalb der Bewohner des Hausstandes oder der Wohnung abspielen", sagte Belmin Mehic, Imam des als gemeinnützig anerkannten Vereins Münchner Forum für Islam.

"Wir setzen die behördlichen Vorgaben pflichtbewusst um und haben unsere Angebote auf Online und in die Sozialen Netzwerke umgestellt. Die Muslime haben als verantwortliche Bürger dieses Landes die Maßnahmen akzeptiert, und wir haben auch keine Rückfragen oder Beschwerden, dass wir nicht geöffnet haben."

Veröffentlicht: 23.04.2020 / Autor: Benjamin Reibert

Noch mehr zum Staunen