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FKK-Nation Deutschland: Was du Nudisten schon immer fragen wolltest

"Denkt ihr, ihr seid besonders attraktiv?" In unserem Clip befragen wir Nudisten zu den gängigsten Klischees. Außerdem: Balkon, freie Natur, Innenstadt? Wo du überall blank ziehen darfst.
Teaserbild: FKK-Nation Deutschland: Was du Nudisten schon immer fragen wolltest

Das Wichtigste zum Thema FKK

  • Nackte Tatsache: Keine Nation zieht so gern blank wie die Deutschen. Hier entstand auch der Begriff "Freikörperkultur", kurz: FKK. Die ehemalige DDR war mal ihr Epizentrum. Deshalb gibt es bis heute mehr Nudisten im Osten.

  • Rund 10 Millionen Deutsche sonnen sich, wie Gott sie schuf. Hierzulande gibt es mehr als 200 Nudisten-Vereine und das größte Nudisten-Treffen der Welt: Über 1.000 "Nackedeis" versammeln sich jährlich am Rosenfelder Strand an der Ostsee.

  • Adam vor Eva: FKK kommt laut einer Umfrage für rund 68 Prozent der Männer und 46 Prozent der Frauen in Frage.

  • Auch Dänen, Schweden, Norweger, Holländer und Österreicher sonnen sich gerne nackig am Strand. Am prüdesten sind die Amerikaner, gefolgt von den Brasilianern.

Naturismus - naturverbundene Nacktkultur statt sexuelles Abenteuer

Nudismus oder FKK bedeutet erstmal nur nackt sein. Der "Naturismus" geht noch einen Schritt weiter: Bei dieser Freikörperkultur geht es darum, mit der Natur zu verschmelzen. Die wichtigsten Werte sind Respekt vor der Umwelt, Freiheit und das Fühlen mit allen Sinnen.

In der Sex-Industrie wird "FKK" oft als Synonym für Sex-Parties missbraucht - dabei haben weder Nudismus noch Naturismus etwas damit zu tun. Im Gegenteil: Studien und Erfahrungsberichte zeigen: Der ständige Anblick von nackter Haut hat einen Gewöhnungs-Effekt. Nudisten verrichten hüllenlos ganz alltägliche Dinge - dadurch wird die Nacktheit ent-sexualisiert.

Historisches Bild von Mann am Wasser


Nacktbaden wurde schon im 18. Jahrhundert durch Samuel Gottlieb Vogel populär. Der Leibarzt des mecklenburgischen Adels war überzeugt: Meerwasser ist gut für die Gesundheit - am besten nackt.
© Getty Images

Hier darfst du überall nackig sein - und hier lieber nicht

  • ✌️

    In Deutschland gibt es kein Gesetz, das Nacktheit (ohne sexuellen Bezug) verbietet. Fühlen sich andere Menschen gestört, kann Nacktheit aber als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld bestraft werden. Meistens wird aber erst mal verwarnt.

  • 🏠

    Nackt sein in deinem Zuhause? Per Gesetz gar kein Problem - du darfst so viel blanke Haut zeigen, wie du magst. Sogar dann, wenn du dabei alle Fenster aufhast.

  • 🏡

    Auf dem Balkon oder im Garten: Die Außenflächen gehören auch zu deinem Zuhause - deshalb darfst du auch hier das "Paradieskostüm" tragen. Um sicher zu gehen, dass sich niemand gestört fühlt, hilft ein Sichtschutz.

  • 🏖️

    Am Wasser oder Strand: Auf Nummer sicher gehen Nudisten am FKK-Strand. Aber auch an anderen öffentlichen Stränden wird Nacktheit weitgehend toleriert.

  • 🌄

    In der Natur: Nackt auf einer Waldlichtung oder auf einem Berggipfel liegen, ist für manche die pure Freiheit. Theoretisch ist das nicht verboten - aber wenn sich andere davon gestört fühlen und den Nackedei melden, kann das als Ordnungswidrigkeit eingestuft werden.

  • 🌆

    In der Stadt: Einfach so unbekleidet durch die Stadt spazieren? Keine gute Idee - bei so vielen Menschen ist dir die Beschwerde sicher.

  • ☝️

    Nacktheit in der Öffentlichkeit mit einem sexuellen Bezug (wie das Herzeigen von Geschlechtsorganen bei Exhibitionisten) ist in Deutschland per Gesetz verboten.

Blanker Aktionismus - wenn Nacktheit politisch wird

Veröffentlicht: 01.08.2020 / Autor: Carina Neumann-Mahlkau