Forscher entwickeln ein Nasenspray, das gegen Rassismus hilft
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Forscher entwickeln ein Nasenspray, das gegen Rassismus hilft

vor 4 Wochen

Deutsche Wissenschaftler haben einen Zusammenhang zwischen der Ausschüttung eines Glückshormons und der Offenheit gegenüber fremden Menschen und Kulturen festgestellt. Der Hälfte der rund 100 Studien-Teilnehmer wurde ein Nasenspray verabreicht, das dieses Hormon enthielt. Die Ergebnisse waren deutlich. 

Vielleicht habt ihr schon mal etwas von Altruismus gehört. Das bedeutet so viel wie „Rücksichtnahme auf andere Menschen“. Daher hat die neue Studie von Prof. Dr. Dr. René Hurlemann der Uniklinik Bonn ihren Namen: Altruismus-Studie.

Gemeinsam mit seinem Team hat er die 107 Studienteilnehmer dazu gebracht, ihre teilweise fremdenfeindliche Haltung zu hinterfragen und hilfsbereiter zu werden – indem er ihnen ein Nasenspray gegeben hat, das mit dem Hormon Oxytocin angereichert wurde.

Was ist Oxytocin?

Das sogenannte „Kuschelhormon“ Oxytocin wird auf natürliche Weise im Körper hergestellt – in einer ganz bestimmten Hirnregion, dem Hypothalamus. Von hier aus wird unter anderem auch unser Schlafverhalten gesteuert. Oxytocin  leitet die Wehen ein, regt die Milchproduktion an und stärkt die Bindung zwischen Mutter und Kind. Daher auch der Name, denn das Wort Oxytocin kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „schnelle Geburt“.

Doch nicht nur für den Geburtsprozess ist dieses Bindungshormon extrem wichtig. Auch bei anderen zwischenmenschlichen Handlungen durchflutet das Gehirn den ganzen Körper mit diesem Hormon – zum Beispiel wenn man sich mit einer Person unterhält, in die man verliebt ist, oder wenn man auf einem Rockkonzert in der Menge steht und mit den anderen gemeinsam singt. Allgemein kann man sagen: Oxytocin beeinflusst soziale Interaktionen.

Wie lief das Experiment genau ab?

Nachdem 107 Studenten als Testpersonen ausgewählt worden waren, mussten weitere 50 Menschen her, die entweder Geflüchtete aus anderen Ländern oder Hilfsbedürftige Deutsche waren. Um die zu finden, hat Nina Marsh, ebenfalls Wissenschaftlerin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Bonn, einen Tag lang bei der Bonner Tafel mitgearbeitet. Dort hat sie insgesamt 50 Menschen kennengelernt, die sie für die Studie als passend empfand.

Runde 1:

Die 50 Geflüchteten/Hilfsbedürftigen wurden den 107 Studienteilnehmern jeweils in zwei Sätzen vorgestellt. Die Studienteilnehmer hatten jeweils 50 Euro zur Verfügung und konnten pro hilfsbedürftiger Person zwischen 0 Cent und einem Euro spenden. Den Rest durften sie behalten.

Runde 2

In der zweiten Runde wurde der einen Hälfte der 107 Probanden Oxytocin als Nasenspray verabreicht, während die andere Hälfte ein Placebospray bekam. Anschließend mussten sie ein weiteres Mal spenden.

Das Ergebnis: Die Oxytocin-Gruppe hat doppelt so viel gespendet wie in Runde 1. Zumindest die Teilnehmer, die Geflüchteten und Hilfsbedürftigen gegenüber generell positiv eingestellt waren.

Runde 3

In der dritten Runde konnten die Probanden dann öffentlich sehen, wie viel Geld jeder hilfsbedürftigen Person in Runde 1 gespendet worden war. Anschließend wurde ein weiteres Mal gespendet – hier hat die Kombination aus sozialem Vorbild und dem Oxytocin vor allem bei der eher fremdenfeindlich eingestellten Probandengruppe gut gewirkt.

Wie ist das Ergebnis zu deuten?

Wer Hilfsbedürftigen und Geflüchteten also generell eher positiv gegenüber eingestellt ist, bei dem hat das Oxytocin eine Verdopplung der Spendenbereitschaft bewirkt. Wenn dann gleichzeitig noch Eltern, Kollegen oder Freunde als positive Vorbilder dienen, ist der Effekt noch stärker und die Fremdenfeindlichkeit lässt nach.

Bei Menschen, die Geflüchteten gegenüber grundsätzlich negativ eingestellt sind, war das Oxytocin allein nicht sehr hilfreich – in Kombination mit positiven sozialen Vorbildern allerdings durchaus.

Der Sinn dieser Studie soll jetzt aber nicht sein, dass wir immer ein Fläschchen Oxytocin bei uns tragen sollten. Den Forschern ging es einfach darum, zu verstehen, wie Fremdenfeindlichkeit entsteht und warum Menschen anderen Menschen überhaupt helfen. Auf dieser Grundlage könnten dann Rückschlüsse für die Integration von Geflüchteten geschlossen werden.

An dieser Stelle machen wir Platz für das überragende Statement zum Thema Fremdenfeindlichkeit von Joko und Klaas:

 

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