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Frage des Tages: Ist "Männerschnupfen" wirklich schlimmer?

Wer kennt ihn nicht, den "Männerschnupfen", der sich anfühlt wie eine (fast) lebensbedrohliche Krankheit? Aber: Leiden die Herren der Schöpfung tatsächlich mehr?

Darum geht's genau

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    Das "Männerschnupfen"-Virus sieht aus wie der Todesstern? Um das Phänomen ranken sich Mythen und Witze.

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    Männer scheinen nicht nur häufiger einen Schnupfen zu kriegen, sondern auch heftiger und länger darunter zu leiden als Frauen.

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    Keine reine Einbildung, sagt die Wissenschaft. Denn: Der weibliche Körper ist tatsächlich besser gegen Erkältungen und andere Erkrankungen gewappnet.

Das sagt Dr. Ralf Suhr, Arzt und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheitswissen

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    Über Männer und Grippe wird gerne gescherzt. Aber einen spezifischen "Männerschnupfen" oder gar eine "Männergrippe" gibt es nicht. Viele kennen nicht einmal den Unterschied zwischen einer echten Grippe (Influenza) und einer Erkältung.

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    Trotzdem liefert die Wissenschaft erste Hinweise, dass der Mythos nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Studien deuten darauf hin, dass sich das Immunsystem von Männern und Frauen unterscheidet.

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    Bei Frauen reagiert es schneller und kräftiger als bei Männern. Laut Untersuchungen regt das weibliche Sexualhormon Östrogen die Vermehrung von Abwehrzellen an, die für die Bekämpfung von Erregern oder Influenza-Viren wichtig sind. Das männliche Testosteron bewirkt das Gegenteil.

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    Das erklärt aber nur, warum Männer anfälliger für Infektionen sein können. Eine Erklärung für das männliche Leid bei einer Erkältung oder Grippe liefern diese Untersuchungen nicht. Viele Studien stellen sogar fest, dass Frauen eigentlich schmerzempfindlicher sind als Männer.

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    Fazit: Warum Männer bei Schnupfen oder Grippe oft mehr leiden als Frauen, ist nicht bekannt. Männer können aber anfälliger für Infektionen sein.

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    Zum Vorbeugen hilft regelmäßiges Händewaschen, gesunde Ernährung und Bewegung. Aber auch eine Grippeschutzimpfung kann sinnvoll sein. Und immer an eine Sache denken: Ein "Männerschnupfen" ist nicht tödlich!

Erkältung oder Grippe? Dr. Suhr's Unterscheidungs-Tipps

  • Grippe setzt meist plötzlich ein. Die Betroffenen fühlen sich von jetzt auf gleich deutlich krank. Eine Erkältung dagegen bahnt sich an: Die Symptome nehmen schleichend zu.

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    Grippesymptome sind oft stark ausgeprägt und betreffen den ganzen Körper. Es kommt zu Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen sowie starken Kopfschmerzen. Erkältungssymptome sind meist milder ausgeprägt und gehen seltener mit Muskelschmerzen einher.

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    Der Husten bei Grippe ist ein trockener Reizhusten ohne Schleimproduktion und setzt bereits zu Erkrankungsbeginn ein. Bei Erkältungen tritt der Husten erst im weiteren Erkrankungsverlauf auf.

Wenn Krankheitsbilder durch biologische Unterschiede verschieden sind - brauchen wir dann geschlechtsspezifische Behandlungen?

Männer haben ein X- und ein Y-Chromosom, Frauen 2 X-Chromosome. Den weiblichen Hormon-Haushalt steuert Östrogen, den männlichen Testosteron. Nicht nur Erkältungen erleben Männer und Frauen unterschiedlich - sondern beispielsweise auch die Symptome für Herzinfarkte oder Schlaganfälle.

Braucht es dann auch verschiedene Medikamente je nach Geschlecht? Ob es sinnvoll ist Männer und Frauen bei Krankheiten unterschiedlich zu behandeln, erforscht die Gender-Medizin. Im Vergleich zur traditionellen Medizin ist das Forschungsfeld noch ziemlich jung - künftig dürfte es jedoch zumindest geschlechter-spezifischere Behandlungen geben.

Ob dann auch die ultimative Pille gegen "Männergrippe" kommt, bleibt aber abzuwarten.

Veröffentlicht: 06.12.2019 / Autor: Carina Neumann-Mahlkau

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