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Extinction Rebellion - Was steckt hinter den neuen Protesten der Bewegung?

Die "Extinction Rebellion" greift auch zu illegalen Methoden, um ihren Standpunkt klar zu machen. Wer sie sind und was sie fordern, gibt es hier zu lesen.

Erneute Proteste in London

Die Anhänger der Extinction Rebellion (XR) kämpfen für die Umwelt und eine sichere Zukunft. Sie besetzen öffentliche Plätze, legen den Verkehr lahm und stellen sich den daraus resultierenden Konsequenzen. So auch wieder diesen Mittwoch in London. Insgesamt 10 Tage rufen sie auf zum Protest als Demonstration gegen die Klimapolitik. Seit Montag ziehen sie durch die Straßen. In den ersten drei Tagen allein wurden über 160 Aktivist*innen festgenommen. Grund für die Festnahmen waren Verkehrsbehinderungen, beispielsweise durch Sitzstreike nahe dem Parlament ausgelöst.

 

Die Extinction Rebellion BBewegung hat ihren Ursprung in London.

© Imago Images

 

London ist zwar Geburtsstätte der Bewegung, doch es kommt auch in anderen Städten zu Protesten. So auch in Deutschland. In Heidelberg wurden Brunnen grün gefärbt und auf das Greenwashing hingewiesen. Greenwashing ist die Methodik vieler Unternehmen, um in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches Image zu bewahren, ohne dass dieses verdient wäre. In Dortmund wurde am Mittwoch, den 02.09.2020, eine mehrspurige Straßenkreuzung besetzt. Demonstranten hatten ein großes Gerüst mit einer Flagge aufgestellt, die den Slogan "Klimaneutral 2050? Das ist echt die Höhe" trug. Auch hier war die Polizei damit beschäftigt, Demonstranten abzuführen.

 

Extinction Rebellion Proteste gibt es auch in Deutschland. Zum Beispiel in Dortmund.

© Imago Images

Darum geht's genau:

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    Die Extinction Rebellion (zu Deutsch: Rebellion gegen das Aussterben) ist eine Klimaschutz-Bewegung. Die Aktivisten protestieren mit teilweise illegalen Aktionen und gelten radikaler als Fridays for Future.

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    Krasse Aktion: In London bespritzten sie das Finanzministerium mit Kunstblut. Über 6.000 Menschen blockierten 1 Woche lang Brücken. Auch in Berlin und anderen Städten protestierten die Anhänger der Bewegung.

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    Die Gruppe entstand 2018 in England. Weltweit zählen sie laut eigenen Angaben rund 100.000 Mitglieder. In Deutschland gibt es bereits über 100 Ortsgruppen.

  • Ihr Ziel: Die Regierungen soll den Klima-Notstand ausrufen und bis 2025 CO2-neutral sein. Großbritannien hat sich dazu bereits bis 2050 verpflichtet.

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    Auch deutsche Prominente unterstützen die Bewegung. So forderten z.B. Anna Loos, Christian Ulmen, Fahri Yardim und Musiker Bela B. in einem offenen Brief an die Bundesregierung mehr Einsatz im Klimaschutz.

Ist Extinction Rebellion radikaler als Fridays for Future? Das sagt Soziologe Prof. Dieter Rucht:

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    Beide Bewegungen unterscheiden sich kaum in der Wahrnehmung des Klimaproblems.

  • 💬

    Dennoch gibt es einen deutlichen Unterschied: Fridays for Future beschränkt sich auf friedliche und legale Proteste.

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    Extinction Rebellion setzt hingegen auf zivilen Ungehorsam - also auf die bewusste, aber zumindest gewaltfreie Verletzung von Regeln oder Gesetzen.

Das sagt Friederike Schmitz vom Presseteam von Extinction Rebellion:

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    Wir sind radikal - insofern, als das unsere Forderungen drastischer sind als die anderer Klimabewegungen. Aber sie beruhen auf Erkenntnissen der Wissenschaft.

  • 💬

    Manche bewerten uns als radikal, weil wir bewusst Regeln brechen, um uns Gehör zu verschaffen.

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    Unser Ziel ist es aber, eine Welt zu schaffen, die auch für zukünftige Generationen lebenswert ist.

Das solltest du dir merken

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    Das Logo der Aktivisten zeigt eine Erdkugel mit Sanduhr. Das soll zeigen: Die Zeit läuft für viele Spezies ab, auch für uns. Die roten Kostüme stehen für Blut - nicht als Symbol für Gewalt, sondern für das Element, das alle Lebewesen gemein haben.

Veröffentlicht: 09.10.2019 / Autor: Alexander Funk