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Woher stammt die Redewendung "steinreich sein"?

Steinreich wäre jeder gerne. Aber wofür steht der Stein? Geht es um ein antikes Zahlungsmittel? Hier erfährst du, wie der Begriff entstanden ist.
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Schlaumeier-Wissen

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    Wenn jemand "steinreich ist", ist er außerordentlich wohlhabend. Dann hat er viel Geld oder viel Besitz oder beides.

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    Bleibt nur zu klären, warum der Stein redensartlich so wertvoll ist. Liegt das daran, dass man früher mit Steinen bezahlt hat? Oder handelt es sich um Diamanten? In diesem Fall trifft beides nicht zu.

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    Die Redewendung geht auf das mittelalterliche Wohnen zurück. Damals lebten die meisten Menschen in Holzunterkünften oder Lehmhütten. Nur reiche Leute konnten sich Steinhäuser leisten.

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    Für den Hausbau mussten die Steine zunächst in einem Steinbruch geschlagen und dann bearbeitet werden. Und das war teuer.

  • Abgesehen davon drückt die Vorsilbe "stein-" in Adjektiven eine Verstärkung aus, wie bei steinalt, steinmüde oder steinunglücklich.

Wusstest du, dass heute noch mancherorts mit Steinen bezahlt wird?

Ins Portemonnaie passen sie nicht, aber bezahlen können die Bewohner der Yap-Inseln trotzdem damit: Auf dem Atoll im Pazifik, etwa 1.300 Kilometer von Neuguinea entfernt, gelten die Steinscheiben bis heute als Zahlungsmittel. Sie werden Rai genannt, können einen Durchmesser von bis zu 4 Metern und ein Gewicht von bis zu 5 Tonnen haben.

Ursprünglich mussten die Steine aus Aragonit und Kalzit von Palau beschafft werden, einem Inselstaat, der rund 400 Kilometer südwestlich von Yap liegt. In die Steine wurde ein Loch geschlagen, damit man sie mit Hilfe von Stäben zum Meer bringen und anschließend auf Bambusflöße oder Kanus verladen konnte.

Zahlungsmittel auf Yap


Das Steingeld der Yap-Inseln
© Getty Images

 

Mit Rai erwarben die Leute unter anderem Land. Der Wert der Stein-Währung ergab sich aus verschiedenen Faktoren wie Größe, natürliche Schönheit oder Alter und auch daraus, wie beschwerlich der Transport war.

Die Steinscheiben sieht man nach wie vor überall auf den Inseln am Wegesrand stehen und um Häuser herum. Es ist gesetzlich verboten, sich darauf zu stellen oder zu setzen. Und auch umfunktioniert werden (zum Beispiel zum Picknick-Tisch) dürfen die Steinscheiben nicht. Ob Einheimischer oder Tourist - wer die Regeln missachtet, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Veröffentlicht: 22.06.2020 / Autor: Heike Predikant