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Game over? Ein neues Label schützt dich vor Abzocke beim Zocken

Lootboxen haben bei Gamern einen schlechten Ruf. Trotzdem setzen Entwickler auf diese teuren, zusätzlichen Inhalte - auch weil es ein Milliardenmarkt ist. Jetzt kommt ein Label, das dich beim Kauf des Spiels vorwarnt.

Das Wichtigste zum Thema Lootboxen

  • Die Gaming-Industrie wächst seit Jahren. Laut Branchenverband "game" gaben die Deutschen 2019 mehr als 6,3 Milliarden Euro fürs Zocken aus. Zum Vergleich: Deutsche Kinos verdienten im gleichen Zeitraum "nur" 1 Milliarde Euro.

  • Allein über "In-Game-Käufe" kamen 2019 etwa 2,25 Milliarden zusammen. Dabei kaufen Gamer zusätzliche Inhalte für bereits gekaufte Videospiele - zum Beispiel eine bessere Ausstattung für ihre Spielfigur oder einen Zugang zum Online-Spielen.

  • Besonders umstritten bei In-Game-Käufen sind "Lootboxen", bei denen Gamer virtuelle Behälter mit zufälligen Inhalten erwerben. Die Vorwürfe: Pay-to-win und Glücksspiel.

  • Bald soll ein neuer Warnhinweis schon beim Spiele-Kauf auf Lootbox-Mechaniken aufmerksam machen - vergleichbar mit den Altersbeschränkungen. Zuständig dafür: die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle). Sie prüft Computerspiele in Deutschland.

Das neue USK-Label warnt vor Lootboxen

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    In Online-Shops kennzeichnet künftig ein Label, wenn für ein Spiel Lootboxen angeboten werden. Bis Juli soll das in allen Shops umgesetzt sein, teilt die USK mit.

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    "In-Game Purchases (Includes Random Items)" steht dann im Playstation- oder Microsoft-Store neben der Altersbeschränkung, die ebenfalls von der USK festgelegt wird.

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    Auf den Spiele-Verpackungen im Laden wird es noch etwas länger dauern, bis das Label kommt. Da wartet man auf die geplante Änderung des Jugendschutzgesetzes, so die USK.

Das steckt hinter dem Prinzip "Lootbox"

Mit einer spielinternen Währung kaufst du virtuelle "Schatzkisten" ("Lootboxes"). In denen sind zusätzliche Inhalte nach Zufallsprinzip versteckt. Würdest du ein Lootbox-Spiel fragen, was du alles Cooles darin machen kannst - es würde wahrscheinlich antworten wie dieser Charakter aus "Rick and Morty":

Mehr Tore dank Lootbox-System?

Fifa 20 war im vergangenem Jahr das meistverkaufte Videospiel in Deutschland. Und so läuft's hier mit den Lootboxen:

Zunächst braucht es "Spielgeld", also eine spielinterne Währung: Die "Fifa Points" kannst du gegen richtiges Geld kaufen: 100 Fifa Points für 0,99 Euro, 12.000 Fifa Points für 99,99 Euro.

Mit diesen Points kannst du unter anderem "Karten-Packs" mit Fußballern kaufen - und so dein eigenes Team verbessern, wenn es im Online-Match gegen deine Freunde geht. Der Catch: Beim Kauf weißt du nur, dass in den teureren Packs bessere Spieler sind, aber nicht welche!

Klingt verdächtig nach Glücksspiel. Ist das nicht verboten?

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    Der Branchenverband "game" sagt: "nein". Und bisher gelten Lootboxen in Deutschland rein rechtlich auch nicht als Glücksspiel.

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    Sie seien eher vergleichbar mit Überraschungs-Eiern oder Panini-Bildern, argumentiert der Verband. Und weniger mit Lottoscheinen.

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    Denn um das Spielziel zu erreichen, seien die freiwilligen In-Game-Käufe nicht zwingend.

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    Außerdem erhalte der Käufer immer einen Gegenwert in Form von virtuellen Gegenständen. Das eingesetzte Geld ist also nicht verloren wie bei einarmigen Banditen.

Gegenargumente? Ja, die gibt's

Belgien, Niederlande und Großbritannien haben Lootboxen in manchen Spielen bereits verboten. „Wenn es ein Spielelement gibt, kann eine Wette zu Gewinn oder Verlust führen, und der Zufall hat eine Rolle im Spiel", begründete der belgische Justizminister seine Entscheidung.

Auch in Deutschland fordern immer mehr ein Verbot. Nicht nur genervte Gamer, auch die USK bewertet Lootboxen als bedenklich.

Die Argumentation der Gegner: Vor allem Jugendliche seien anfällig, viel Geld in diese glücksspielähnliche Mechanik zu investieren. Stichwort: Suchtpotenzial. Schließlich will man ja unbedingt eine Fußball-Legende wie Cristiano Ronaldo in seinem Team haben, oder? Also her mit dem nächsten Karten-Pack!

Battlefront II: Wenn Lootboxen einen Shitstorm auslösen

Battelfront II führte 2017 zu einem heftigen Shitstorm. Dabei sieht es doch eigentlich sehr cool aus: Mit Luke Skywalker gegen Darth Vader kämpfen - wow!

Der Haken: Der Spielentwickler EA hatte es mit seinem Lootbox-System übertrieben. Gamer waren richtig sauer, dass sie nicht ohne weiteres mit ihren Star-Wars-Helden spielen konnten, sondern auf Glück bei gekauften Lootboxen hoffen mussten. Obwohl sie schon etwa 60 Euro für das Spiel ausgegeben hatten. EA ruderte zurück und nahm diese Mechanik wieder aus dem Spiel. Aber Gamer sind immer noch sauer.

Veröffentlicht: 28.04.2020 / Autor: Johannes Korsche

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