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Gefährlich und umweltschädlich? Der SUV im Überblick

Zu groß, zu unsicher und schlecht für die Umwelt - die Schlagzeilen über SUVs überschlagen sich. Doch sind die Fahrzeuge wirklich zu Recht verpönt?

Fridays for Hubraum

Der Schrauber Christopher Grau aus Nordkirchen gründete die Facebookseite "Fridays for Hubraum" mit einem Kumpel. Die eigentliche Idee: Jeder sollte sein Auto posten. Was als Spaß begann, ging durch die Decke: Innerhalb weniger Tage hatte die Seite mehr als eine halbe Million Mitglieder. Darunter aber leider auch fast die gesamte AfD-Spitze – die, wie viele andere, FFH als eine Gegenbewegung zu Fridays for Future verstanden haben.

 

Das Wichtigste zum Thema SUVs

  • Jedes 5. neue Auto ist ein SUV. 2019 ist ein neues Rekordjahr für die Sport Utility Vehicles – bereits im November wurden 17 Prozent mehr Modelle neu zugelassen als im gesamten Vorjahr.

  • Die meisten SUVs werden immer größer, ebenso Geländewagen. Beispiel: Das G-Modell von Mercedes ist seit 1979 um 49 Zentimeter länger und 28 Zentimeter breiter geworden. Allerdings ist auch die aktuelle Version des Golf immerhin 19 Zentimeter breiter geworden.

  • Ein BMW X5 kommt inklusive Spiegel auf eine Breite von 2,2 Meter. Ein Stellplatz ist durchschnittlich 2,3 Meter breit.

  • Der ADAC fordert 10 Zentimeter mehr Platz an Baustellen. Derzeit sind rund 70 Prozent der neu zugelassenen Pkw mit ihren Außenspiegeln breiter als 2 Meter. Demnach dürften auf der linken Spur eigentlich nur Kleinwagen und Motorräder unterwegs sein.

  • Als Vorreiter und echter SUV zählt der Nissan Terrano, der seit 1988 in Deutschland erhältlich ist. Später sorgten dann Toyota RAV, Kia Sportage, Honda CRV und der Landrover Freelander für den Durchbruch der SUVs.

  • Der Trend stammt aus den USA, wo die Firma Jeep Mitte der 80er-Jahre ihr erstes Modell ohne Allradantrieb auf den Markt brachte. Ab Mitte der 90er-Jahre zogen deutsche Hersteller in den USA nach.

  • Derzeit gibt über 130 SUV-Modelle.

3 Mythen über SUVs

Mythos 1: SUVs sind gefährlicher im Straßenverkehr

Entscheidend für den Unfallverlauf sind folgende Fragen: Wie schnell ist das Auto? Wo stößt ein Fußgänger an? Und wie groß ist die Fläche, auf die er aufprallt. Die Wagenmasse spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle. Die härtesten Teile der Autofront sind nämlich die Kanten links und rechts, sowie oberhalb der Windschutzscheibe. Werden diese etwa mit dem Kopf getroffen, endet das wahrscheinlich tödlich. Dieses Risiko ist bei einem Kleinwagen sogar größer, wegen der kurzen Motorhaube.

Mythos 2: SUVs sind dreckiger als andere Autos

Gemeint ist damit nicht der Schlamm nach einer Off-Road-Tour. Im Schnitt sind SUVs etwas schwerer, also verbrauchen sie auch mehr Benzin und stoßen mehr Schadstoffe aus. Nach Herstellerangaben haben neu zugelassene SUVs im ersten halben Jahr im Durchschnitt 144,1 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausgestoßen. Das war etwas mehr als der Durchschnitt aller Pkw-Neuwagen: Dieser lag bei 133,4 Gramm. Und ja: Große Geländewagen liegen häufig deutlicher darüber. Allerdings liegt ihr Anteil am gesamten SUV-Segment laut Verband der Automobilindustrie nur bei etwa 4 Prozent. Für die Hersteller gilt außerdem ab 2020 die EU-Vorgabe, dass ein durchschnittlicher Ausstoß von 95 Gramm CO2 nicht überschritten werden darf.

Mythos 3: SUVs haben häufiger Unfälle

Die Unfalldaten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lassen kein auffällig höheres Risiko erkennen: Von den 164.932 Unfällen, bei denen Menschen im Jahr 2018 innerhalb von Ortschaften verletzt oder getötet wurden, war in 3,7 Prozent der Fahrer eines SUV der Verursacher. Bei einem Mini beispielsweise waren es 6,3 Prozent – obwohl es in diesem Jahr nicht wesentlich mehr Minis gab (6,9 Prozent) als SUV (5,6 Prozent).

SUV

"Sport Utility Vehicle" sind im Grunde Geländelimousinen oder Stadtgeländewagen, Autos mit erhöhter Bodenfreiheit und einer selbsttragenden Karosserie, die an das Erscheinungsbild von Geländewagen angelehnt sind. Hier im Bild: der VW Tiguan.

 

© Getty Images / Harold Cunningham

SAV

Steht für "Sports Activity Vehicles" und wird von einigen Automobilherstellern zur Bezeichnung der Komfort-Geländewagen verwendet. Ein Beispiel: der BMW X5.

 

© Getty Images / Robert Hradil

LAV

Die "Luxury Activity Vehicles" besetzen eine weitere Nische der SUV: Luxus. Ein Beispiel hierfür ist der Lexus RX 300.

 

© Getty Images / Giuseppe Cacace

Ein SUV ist kein Geländewagen!

Zwischen den beiden Kraftprotzen gibt es Unterschiede: Geländewagen sind Fahrzeuge, wie der Name schon sagt, mit denen man ins Gelände fährt – damit sind keine Feldwege oder Schotterpisten gemeint, sondern Off-Road-Strecken, also Fahrten abseits von Straßen. Damit dies möglich wird, sind andere Ausstattungen nötig als bei einem SUV.

Steigfähigkeit

Hier gibt es große Unterschiede bei den Angaben zu Rampen- und Böschungswinkel, Bauch-und Bodenfreiheit, sowie bei der Achsverschränkung. In all diesen Punkten liegt ein Geländewagen deutlich vorn.

Getriebe

Echte Geländewagen haben Allrad-Antrieb, Untersetzungsgetriebe und mindestens ein Sperrdifferential zur optimalen Verteilung des Antriebsmoments. Das ist zum Beispiel wichtig, wenn im Matsch ein Rad durchdreht.

Rahmen und Achsen

Der Geländewagen verfügt meist über Starrachsen und einen Leiter-oder Kastenrahmen. SUVs dagegen haben häufig eine selbsttragende Karosserie und einzeln aufgehängte Räder.

Wattiefe

Damit ein Geländewagen durch Wasser fahren kann, ist der Luftansaugpunkt meist höher als bei SUVs. Außerdem sind empfindliche Teile des Fahrzeugs durch einen Unterfahrschutz geschützt – bei einem SUV sind diese meist nur angedeutet.

Veröffentlicht: 19.11.2019 / Autor: Bjoern Krause

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