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Mehr Gehalt - auch in Corona-Zeiten: So verhandelst du richtig!

Gehaltsverhandlungen müssen dich nicht abschrecken. Sie können sogar Spaß machen, wenn du die richtigen Tricks kennst. Wir verraten dir, wie du mehr für dich herausholen kannst - und wieso du dich nicht von Corona abhalten lassen solltest.
Im Gehaltsgespräch geht es darum, den Chef von den eigenen Erfolgen zu überzeugen.

Das Wichtigste zum Thema Gehaltsverhandlung

  • Das durchschnittliche Brutto-Gehalt eines Vollzeit-Arbeitnehmers in Deutschland lag im Jahr 2019 laut Statistischem Bundesamt bei 3.994 Euro.

  • Über 56 Prozent der Menschen in Deutschland sind mit ihrem Gehalt nicht zufrieden. Das ergab die XING Gehaltsstudie 2019, für die 17.000 Mitglieder des Netzwerks befragt wurden.

  • Ein Drittel der 36- bis 45-Jährigen legt laut der Studie mehr Wert auf den Sinn der Arbeit als auf die Bezahlung.

  • Während in Deutschland nur selten eine Gehaltsangabe in Stellenanzeigen steht, muss in Österreich das Mindestentgelt genannt werden.

  • Der Gender Pay Gap gibt die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes zwischen Frauen und Männern an. 2019 war der Verdienst der Frauen 20 Prozent niedriger als der von Männern.

Verdienst du angemessen?

Das Statistische Bundesamt hat einen Rechner veröffentlicht, mit dem sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über ihr Gehalt informieren können. Die Daten sind anonym.

Die Werte beziehen sich auf ein Vollzeitgehalt. Sie werden aus der so genannten Verdienststruktur-Erhebung von etwa 60.000 ausgewählten Betrieben gespeist – zuletzt aus dem Jahr 2018. Hier geht es zum Rechner:

Gehaltsrechner des Statistischen Bundesamts

Was ist das Entgelttransparenz-Gesetz?

Mitarbeiter in Betrieben mit über 200 Angestellten haben das Recht zu erfahren, wie viel ihre Kollegen in der gleichen oder in einer vergleichbaren Position verdienen. Ansprechpartner ist zum Beispiel der Betriebsrat. Er teilt das Mediangehalt mit. Das drückt aus, wieviel mindestens die Hälfte der betreffenden Mitarbeiter verdienen.

Die richtige Vorbereitung auf eine Gehaltsverhandlung

  • 🤓

    Schritt 1: Den eigenen Marktwert bestimmen – zum Beispiel durch Informationen von Gewerkschaften, Verbänden oder Vorbilder/Mentoren.

  • 💭

    Schritt 2: Das eigene Mindset überprüfen. Wenn du dir einredest, es wäre unverschämt, mehr zu verdienen, solltest du deine Einstellung überdenken.

  • 💪🏻

    Schritt 3: Wo liegen deine Stärken? Liste sie am besten auf. Bei welchen Projekten hattest du Erfolg? Wann hat der/die Chef/in positives Feedback gegeben?

  • 💰

    Schritt 4: Planung des Gesprächs. Wie viel möchtest du raushandeln? Wo liegt die Untergrenze? Was machst du, wenn deine Anfrage abgelehnt wird?

  • 📆

    Schritt 5: Termin für das Gespräch ausmachen und mit Selbstbewusstsein und der guten Vorbereitung im Kopf loslegen.

Was du statt Geld noch verhandeln kannst

  • 🤓

    Weiterbildung

  • 🚃

    Öffi-Ticket

  • 🚗

    Dienstwagen

  • 📱

    Diensthandy

  • 🧘🏾‍♀️

    Gesundheitskurse

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Mit weniger Arbeit das gleiche Gehalt verdienen? In Japan ist das längst Realität. Einige Unternehmen haben dort mit großem Erfolg die 4-Tageswoche eingeführt, durch das Angestellte viel effektiver arbeiten. Wäre dieses Modell auch etwas für Deutschland?

Das sind die No-Gos im Gehaltsgespräch

  • Andere Kollegen anschwärzen.

  • Mit Jobwechsel drohen.

  • Argumentieren, dass du einfach mehr Geld brauchst.

Tipps von Verhandlungs-Expertin Ljubow Chaikevitch von "Frau Verhandelt"

  • Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Gehaltsverhandlung?

  • 💬

    Wenn die Bezahlung nicht mehr dem eigenen Marktwert entspricht. Ein möglicher Aufhänger: Wenn ein Projekt erfolgreich abgeschlossen ist. Oder im Herbst noch vor der Budgetplanung für das kommende Jahr. Es gibt übrigens kein Gesetz, dass man nur einmal im Jahr das Gehalt verhandeln darf.

  • Wie soll das in Corona-Zeiten klappen?

  • 💬

    Die Frage ist: Wie geht es dem Unternehmen? Ist es gesund, spricht nichts gegen eine Gehaltsanpassung. Wenn man selbst in Kurzarbeit ist, wird es eher schwierig. Man könnte über Fortbildungen, mehr Urlaubstage oder weniger Stunden bei gleichem Lohn verhandeln. Es gibt auch die Möglichkeit, einen Corona-Bonus zu verhandeln. Für den Fall, dass man in dieser Zeit besonders gefordert ist – wie etwa Pflegepersonal. Bis 1.500 Euro sind für den Arbeitgeber sozialversicherungs- und steuerfrei.

  • Was ist ein typisches Totschlag-Argument und die beste Antwort darauf?

  • 💬

    Der Klassiker: "Jeder Ihrer Kollegen bekommt so viel. Es werden alle gleich behandelt." In den meisten Unternehmen ist das aber leider nicht der Fall. Nicht auf Diskussionen einlassen! Besser: Betonen, dass es um die persönliche Leistung geht. Hebe hervor, welche Vorteile das Unternehmen durch dich hat. Hast du zu mehr Umsatz beigetragen oder Prozesse verbessert? Man kann auch Verschwiegenheit zu dem Thema vereinbaren. Falls das Gegenüber stur bleibt: Vielleicht über einen Arbeitgeberwechsel nachdenken.

  • Frauen verdienen oft weniger als Männer im gleichen Job. Tun sie sich schwerer bei Verhandlungen?

  • 💬

    Viele Frauen gehen davon aus, dass Mehrarbeit und Überstunden gesehen und belohnt werden. Aber: Es ist für ein Unternehmen nicht wirtschaftlich, die Gehaltsanpassung freiwillig anzustoßen. Man muss aktiv werden und danach fragen. Frauen warten dazu oft auf das Jahresgespräch, aber ich empfehle das Thema gut vorbereitet selbst zur Sprache zu bringen.

Wer verdient wie viel in Deutschland? Teste dich im Gehälter-Quiz!

Veröffentlicht: 08.12.2020 / Autor: Bianca Leppert