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Geldwäsche: Wie funktioniert sie und wie wird sie bestraft?

Jährlich werden Milliarden kriminell verdiente Euro in Deutschland gewaschen. Wir erklären dir, mit welchen Tricks die Betrüger arbeiten und welche Strafen darauf stehen.
Geldwäsche

Das Wichtigste zum Thema Geldwäsche

  • Betrüger versuchen illegal erworbenes Geld so durch verschiedene Konten und alltägliche Geschäftsvorgänge zu schleusen, dass es wie legales aussieht. Dieser Vorgang nennt sich Geldwäsche.

  • Hierfür nützen die Straftäter gern Immobilienkäufe, den Ankauf von Edelmetall, Kunst oder Krypto-Währungen wie Bitcoins. Neben der Geldwäsche geht’s oft auch um Steuerhinterziehung im großen Stil.

  • Die Gelder stammen meist aus der organisierten Kriminalität wie Drogenhandel, Prostitution, Waffenhandel, illegalem Glücksspiel oder Korruption. Ziel ist es oft, mit den Geldern verschleiert Terrorismus zu finanzieren.

  • Der Name "Geldwäsche" soll auf den berühmten Gangster-Boss Al Capone aus Chicago zurückgehen. Er legalisierte sein schmutziges Geld, indem er es in Waschsalons investierte.

  • Deutschland galt als Paradies für Geldwäsche, da die zuständigen Behörden personell unterbesetzt waren. Inzwischen wurden sie aufgestockt - zudem traten dieses Jahr strengere Gesetze in Kraft. Unten erfährst du mehr über Regeln und Strafen.

Geldwäsche - in 100 Sekunden

100 Sekunden: Geldwäsche

Geldwäsche - in 100 Sekunden

Immer wieder werden Gangster wegen Geldwäsche festgenommen. Aber wie funktioniert die überhaupt? Wie Kriminelle illegales in legales Geld verwandeln und so noch mehr Geld scheffeln - in 100 Sekunden.

Die 3 Tat-Phasen der Geldwäsche

1. Platzierungsphase: Das schmutzige Geld kommt in den Kreislauf

Die Betrüger speisen das schmutzige Geld zum ersten Mal, meist in bar, in den legalen Finanzkreislauf ein. Sie kaufen oft Luxusgüter wie Schmuck, Autos oder Kunst und verkaufen sie wieder. Ein anderer Weg: Sie platzieren es in Online-Wetten oder setzen es im Casino oder auf der Pferderennbahn.

Oft werden auch Rechnungen für Leistungen gestellt, die nie erbracht wurden. Damit ist das Geld aber "Buchgeld", kann also verbucht werden. Dieser Vorgang wird im Englischen auch "Placement" genannt.

Eine besondere Art ist das "Smurfing" oder "Schlumpfen". Es betrifft die Bar-Einzahlung auf Konten. Ist die in Deutschland höher als 15.000 Euro, muss sich der Auftraggeber zu erkennen geben und die Transaktion länger gespeichert bleiben. Um unter dem Betrag zu bleiben, wird er in viele kleine Einzahlungen aufgeteilt. Grundsätzlich ist das Risiko, entdeckt zu werden, in dieser Phase am höchsten. Und je mehr Bargeld in einem Land genutzt wird, desto einfacher ist es, dieses ohne Verdacht unterzubringen.

Quelle: u.a. BKA

2. Verschleierungs-Phase: Spuren verwischen

In dieser, auch "Layering" genannten, Phase soll die Spur des Geldes verwischt werden. Das Geld wird durch internationale Finanz-Transaktionen so oft über Ländergrenzen hinweg auf Konten hin- und hergeschoben, dass die kriminelle Herkunft nicht mehr nachvollziehbar ist.

Je öfter dies geschieht, desto schwieriger ist es, den Weg zurückzuverfolgen. Oft werden hier Schlupflöcher in der Gesetzgebung verschiedener Länder genutzt. Dort ansässige Scheinfirmen oder Strohmänner erhalten Geld aus Scheingeschäften. Auch Anwälte und Notare, die einer Schweigepflicht unterliegen, werden gern eingespannt.

Das Nutzen von Krypto-Währung wie Bitcoins ist ebenfalls beliebt, da diese Zahlungsströme schwer nachzuverfolgen sind. Der wahre Besitzer bleibt oft im Dunkeln.

3. Integrations-Phase: Der Täter bekommt das Geld zurück

In der dritten Phase erhält der Straftäter das Geld aus einer scheinbar legalen Quelle zurück. Es sieht so aus, als hätte er aus einem ganz gewöhnlichen Geschäft einen Gewinn generiert. Da dieser rechtmäßig scheint, kann der dann wiederum "offener" wieder neu investiert werden.

Oft dienen diese Gelder dann zum Immobilienkauf oder werden beispielsweise in Lebensversicherungen oder Aktienkäufen angelegt. Das ehemals schmutzige Geld ist also reingewaschen wieder im Wirtschaftskreislauf integriert.

Das hat sich 2020 mit dem neuen Gesetz geändert

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    Immobilien: Makler sind nun nicht allein beim Verkauf, sondern auch bei einer Mietvermittlung verpflichtet, die Identität des Kunden eindeutig festzustellen - bei Monatsmieten, die über 10.000 Euro liegen. Ein Verdacht auf Geldwäsche muss gemeldet werden. Auch Zwangsversteigerungen von Immobilien durch Gerichte werden verstärkt unter die Lupe genommen.

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    Gold: Die ursprüngliche Obergrenze für Käufe von 10.000 Euro, bei der eine Risiko-Analyse für Geldwäsche durchgeführt werden musste, liegt nun bei 2.000 Euro. Dies gilt auch für andere Edelmetalle, da hier im Handel besonders oft Bargeld zum Einsatz kommt. Auch hier greift die Sorgfaltspflicht, Kunden zu identifizieren.

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    Krypto-Währung: Anbieter von Bitcoins und anderen Krypto-Währungen werden nun erstmals als Finanzdienstleister und der Kryptowert als Finanzinstrument definiert. Somit unterliegen auch sie der Pflicht, die Transaktionen auf Geldwäsche zu untersuchen und die handelnden Parteien eindeutig zu identifizieren.

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    Kunst: Zusätzlich zu Kunsthändlern müssen nun auch Lagerer von Kunst in Freihandelszonen Transaktionen über 10.000 Euro intern untersuchen, auch wenn das Geld nicht in bar fließt. Seit Januar sind nun auch Auktionshäuser und Galerien davon betroffen.

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    Register: Damit sich Besitzer von Unternehmen nicht hinter Strohmännern verstecken können, soll das "Transparenzregister" die wirklich wirtschaftlich handlungsbefugten Personen jedes Unternehmens auflisten. Es ist nun öffentlich einsehbar.

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    Steuer: Nun können auch Steuerhilfe-Vereine oder jeder, der in Steuerfragen Hilfe gibt, verpflichtet werden, Geschäftsvorgänge auf Geldwäsche zu überprüfen und im Verdachtsfall Meldung zu erstatten. Bisher bezog sich dies meist nur auf Steuerberater oder Buchprüfer.

Schlaumeier: Geld waschen

Woher stammt der Begriff "Geldwäsche" ?

Schlaumeier: Geld waschen

Illegal erworbenes Geld wird oft gewaschen. Doch was bedeutet das? Und woher kommt der Ausdruck "Geld waschen"?

Verfolgung und Strafen

In Deutschland kann Geldwäsche zwischen 3 Monaten und 10 Jahren Haft einbringen. Damit Täter verurteilt werden können, müssen die Behörden die "Vortat", also beispielsweise den Drogenhandel, aus dem das Geld stammt, nachweisen. Die Anklage kann nicht allein auf einem Vermögen basieren, dessen Herkunft unbekannt ist.

In Deutschland ermittelt speziell die Financial Intelligence Unit (FIU). Sie ist seit 2017 bei der General-Zoll-Direktion angesiedelt. Die Einheit konzentriert sich darauf, Verdachtsfälle, die zum Beispiel die Polizei meldet, weiter zu untersuchen und durch Datenanalyse zu untermauern und zu verfolgen. Banken besitzen zum Beispiel Algorithmen, die Konteneingänge überwachen und das "Smurfing", die Stückelung großer Beträge, entlarven.

Quelle: BKA

Polizeilich erfasste Fälle in Deutschland

Das Hochjahr der Geldwäsche: 2016 wurden 11.500 Geldwäsche-Falle in Deutschland erfasst. 2000 mehr als im Vorjahr.

Quelle: Statista 2019

Veröffentlicht: 30.06.2020 / Autor: Sven Hasselberg