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Gereizt? Wie Hormone und das Wetter deine Stimmung schwanken lassen

Gerade warst du noch gut drauf. Doch eine Kleinigkeit reicht, und du regst dich tierisch auf. Die Laune ist im Keller. Warum schwankt unsere Laune und ab wann ist ein Stimmungstief bedenklich?
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Das Wichtigste zum Thema Stimmungsschwankungen

  • Super drauf, zu Tode betrübt: Dass unsere Stimmung teils sogar mehrfach am Tag wechselt, ist ganz normal.

  • Hormone, die Lebenssituation, Erlebnisse, Gedanken, Gefühle, die Ernährung - das alles steuert, ob wir freudig, aggressiv, traurig oder wütend sind.

  • Alles nur im Kopf? Oft gibt es gar keinen direkten Auslöser oder ein Ereignis für miese Laune. Vielmehr ziehen uns Ketten aus negativen Gedanken und innere Dialoge runter.

  • Hinter Stimmungsschwankungen können auch Krankheiten stecken: etwa Entzündungen im Körper, bipolare Störungen und Depressionen.

Gefühlsachterbahn? In diesen Phasen ist das völlig normal

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    Hormone sind Stimmungsmacher. Bei Frauen fahren die Gefühle vor der Menstruation oft Achterbahn. Ursache ist ein Ungleichgewicht beim Gelbkörperhormon Progesteron. Auch die Pille steuert die Stimmung.

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    Bei Teenagern, in der Schwangerschaft, nach der Entbindung und in den Wechseljahren (auch bei Männern ab 50) stellt sich der Hormonhaushalt um und damit wechseln auch die Launen.

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    In Krisen wie Trennung vom Partner, Jobverlust und bei Krankheit schüttet der Körper mehr vom Stresshormon Kortisol aus, was verletzlich, emotional und zickig machen kann. Bei Männern sinkt zugleich der Testosteronspiegel.

Testosteron gesteuert: Wenn Männer ihre Tage haben

Auch Männer haben einen Zyklus: ihr Testosteron-Spiegel schwankt. Sie werden zwar nicht von Bauchkrämpfen geplagt, aber auch sie können wiederkehrend unter Frust, Reizbarkeit und Futterattacken leiden - aufgrund ihrer Hormone.

Morgens soll der Körper vor Testosteron strotzen. Eine Folge davon: Lust auf Sex. Der Energiepegel ist hoch und man(n) fühlt sich durchsetzungsstark. Dafür ist auch die Reizschwelle niedriger, wenn Dinge nerven. Abends fällt der Testosteron-Wert und Männer sollen dann besonders sanft sein.

Mehr Macho-Hormone gewollt? Ausdauer- und Krafttraining erhöht den Testosteron-Spiegel. Außerdem kann man ihn mit der Körperhaltung beeinflussen, wie Studien der amerikanischen Sozialpsychologin Amy Cuddy zeigen.


2-Minuten in der Sieger-Pose mit hochgestreckten Armen zu verbringen, beeinflusst den Testosteron-Spiegel und macht selbstbewusst.
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Achtung! Auch Krankheiten verursachen Stimmungsschwankungen

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    Hält schlechte Stimmung über mehrere Stunden/Tage an, man kommt aus dem tiefen Loch nicht raus, kann sich die trübe Laue nicht erklären und kehrt immer wieder dorthin zurück? Dahinter kann eine Depression stecken. Ein Hausarzt hilft, das zu klären.

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    Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt: Extreme Stimmungen sind typisch für Menschen mit einer bipolaren Störung (manisch-depressive Erkrankung).

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    Diabetiker kennen oft Zucker-Hochs und Stimmungs-Tiefs. Studien zeigen, dass rund ein Viertel der Menschen mit Diabetes von Depressionen betroffen sind.

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    Einen Zusammenhang zwischen Stimmungsschwankungen und Entzündungen im Körper belegten Forscher aus Pennsylvania in einer Studie mit 220 Teilnehmern.

Tipp: Führe ein Stimmungstagebuch

Deine Laune wechselt ständig und du weißt gar nicht richtig, warum? Führe ein Stimmungs-Tagebuch. Darin dokumentierst du mehrfach am Tag kurz, wie du dich gerade fühlst. Der Benefit: Du erkennst, in welchem Zusammenhang deine jeweilige Stimmung auftaucht. Was triggert große Freude? Was bringt deine Laune in den Keller? Schreibe zur Stimmung auf, wie du dich körperlich fühlst und welche Gedanken du gerade hast. Notiere auch den Tag und die Uhrzeit. So kommst du etwa einem Montags-Blues auf die Schliche.

Nimm deine Stimmungen als Chance, mehr über dich selbst zu erfahren. Du musst schlechte Laue nicht wegdrücken. Du darfst sie spüren, benennen und die Ursachen erkunden. Langfristig lernst du, was dir in bestimmten Stimmungen hilft. Du kannst den Tag dann entsprechend planen und gestalten.


Nimm dein Stimmungs-Tagebuch immer mit. So kannst du in vielen Situationen deine Gedanken und Gefühle notieren.
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Du kannst einen einfachen Schreibblock als Stimmungs-Tagebuch nutzen. Es gibt auch digitale Versionen und Gesundheits-Apps fürs Smartphone:

  • Moodpath: App mit Depressionstest
  • Arya: Zum Dokumentieren von Stimmungen und Planen von Wohlfühl-Aktivitäten
  • Moodistory: Ein Launen-Logbuch mit Achtsamkeitstipps.

 

Wetterlaunen - wie Sonne und Regen die Börse und Flirtchancen beeinflussen

  • Flirt-Versuche verlaufen erfolgreicher an sonnigen Tagen. Eine Studie zeigte, dass Probanden bei gutem Wetter häufiger Handynummern austauschten.
  • Schlechtes Wetter kann sich positiv aufs Erinnerungsvermögen auswirken. Für eine australische Studie schickten Forscher Probanden in einen Kiosk. Hinterher fragten sie die Leute, an welche Gegenstände im Laden sie sich erinnern können. Das Ergebnis: Die Menschen, die zuvor schlechtem Wetter ausgesetzt waren, erinnerten sich an mehr Objekte. Die Forscher schlossen daraus, dass Augenzeugen mit schlechter Laune sich bei Kriminalfällen besser an Details erinnern.
  • Prüflinge schließen Lerntests besser ab, wenn vorher eine Regenperiode war.
  • Die Börse ist wetterfühlig! Aktienkurse steigen bei gutem Wetter. Forscher vermuten, dass sich das Wetter auf die Risikobereitschaft von Anlegern auswirkt. An wolkigen Tagen hingegen sinkt der Wertezuwachs.
Pärchen tauscht Nummern aus


Bei Sonnenschein steigt die Stimmung zum Flirten.
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Nur Regen. Den ganzen Tag. Irgendwann ist deine Laune so mies wie das Wetter. Bei Sonnenschein hingegen strahlst du, bist gut drauf und voller Tatendrang. Die Annahme solcher Wechselwirkungen ist weit verbreitet. Vergleichsweise gibt es zu so generellen Aussagen aber wenige Studien.

Das Forschungsgebiet Biometeorologie beschäftigt sich damit, wie das Wetter Menschen, Tiere und Pflanzen beeinflusst. Kurz gesagt: ein komplexes Gebiet. Ein sonniger Tag ist nicht einfach ein sonniger Tag. Faktoren wie Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit bestimmen mit, ob wir das Wetter als angenehm empfinden - oder nicht.

Veröffentlicht: 17.05.2020 / Autor: Alena Brandt